Unerwünschte Werbetexte Wikipedia sperrt 250 PR-Accounts

Die Wikimedia Foundation will ihr Onlinelexikon neutral halten. Deshalb haben die Verantwortlichen eine große Zahl von Profilen abgeschaltet, deren Autoren in Einträgen offenbar gezielt Werbung unterbrachten.
Online-Enzyklopädie Wikipedia: Härte gegen gefälschte Nutzerprofile

Online-Enzyklopädie Wikipedia: Härte gegen gefälschte Nutzerprofile

Foto: Boris Roessler/ picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Online-Enzyklopädie Wikipedia geht mit Härte gegen gefälschte Nutzerprofile vor, hinter denen keine echten Autoren stehen, sondern unerlaubte Mehrfach-Accounts.

In einer Erklärung begründete die Wikimedia-Direktorin Sue Gardner  den Schritt damit, es gebe "mehrere hundert" Profile, die gegen Bezahlung Wikipedia-Artikel verfassen würden. In den Texten würden Organisationen oder Produkte beworben, was jedoch gegen mehrere Regeln verstoße. Deshalb seien mehr als 250 solcher Profile geschlossen worden.

Wie "Ars Technica" berichtet , hatte es im Vorfeld Meldungen über verstärkte Geldflüsse im Zusammenhang mit bezahlten, vor allem englischsprachigen Artikeln gegeben. Laut dem Bericht steht allem Anschein nach hinter den meisten derartig manipulierten Texten ein Unternehmen mit dem vielsagenden Namen Wiki-PR.

Sue Gardner betonte, dieses Vorgehen untergrabe das Vertrauen der Leser in die Unvoreingenommenheit der Enzyklopädie und darin, dass Wikipedia "niemals versucht, ihnen ein Produkt zu verkaufen oder sie in irgendeiner Weise zu beeinflussen". Auf Anfrage erklärte Wiki-PR-Chef Jordan French gegenüber dem "Wall Street Journal Deutschland" , sein Unternehmen sei ein Recherche- und Schreibdienstleister. Es gehe lediglich um die Beratung der Kunden, wie sie sich am besten an die Wikipedia-Regeln halten könnten. "Wir befolgen diese Regeln", so der Unternehmenschef.

Tatsächlich scheint der Einfluss von Wiki-PR wesentlich weiter zu reichen. "Daily Dot" weist auf die Aussage von Wiki-PR hin , ein Team von 45 Wikipedia-Autoren zu beschäftigen, darunter mehrere Administratoren. Letztere besitzen besondere Rechte, die über die Befugnisse normaler Autoren hinausgehen.

Ein langjähriger Wikipedia-Autor erregte sich bei "Vice" über die Vorfälle: "Es ist mir völlig egal, wenn sie Artikel über Webseiten schreiben, die Pillen gegen Erektionsstörungen verkaufen. Jeder normale Leser erkennt das als Spam."

Ihm bereite es sehr viel mehr Sorge, wenn eine Gruppe für Großkunden Artikel kontrolliere, von denen der Durchschnittsleser nicht annehme, sie seien "von gewerblichen Wortverdrehern verfasst".

meu
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