Mediaplayer AOL stellt die Entwicklung von Winamp ein

Über Jahre galt Winamp als Standard-Abspielsoftware für Musik und Videos. Fans haben bereits eine Petition gestartet, die Eigentümer AOL zum Erhalt der Software bewegen soll. Doch die Rettung könnte aus ganz anderer Richtung kommen.
Winamp-Website: Schnell die aktuelle Version laden, bevor es vorbei ist

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Schallplatte oder CD? Edelkopfhörer oder Standardstöpsel? Darüber, wie man seine Lieder richtig hört, konnten Musikfans schon immer lange diskutieren. Um die Jahrtausendwende bildeten sich sogar bei der PC-Abspielsoftware unterschiedliche Lager: Während ein Teil der Nutzer mit dem Windows Media Player zufrieden war, schwor der andere auf Winamp. Der Mediaplayer der Firma Nullsoft genoss den Ruf, fast alles besser zu machen als Microsofts Standardprogramm. Unter Windows-Usern wurde Winamp vom Geheimtipp zum populärsten Medien-Abspielprogramm.

Doch mittlerweile hat die Software ihren Glanz verloren: Am Donnerstag wurde bekannt, dass Winamp nicht mehr weiterentwickelt wird. Nach dem 20. Dezember werde die Seite Winamp.com nicht mehr erreichbar sein, heißt es auf der Website . Auch der Download des Winamp Media Player werde von da an nicht länger angeboten. Vermutlich lohnt sich der Weiterbetrieb des Angebots für AOL nicht mehr - der Konzern hatte Nullsoft 1999 aufgekauft.

Online-Petition gegen das Aus

Im Internet sorgte die Meldung für Aufsehen: Obwohl es längst eine Vielzahl guter Winamp-Alternativen gibt, etwa den VLC Media Player, fühlen sich viele Nutzer der Software verbunden, wenn auch nur aus nostalgischen Gründen. Auf Change.org haben Fans bereits eine Petition gegen das Player-Aus  gestartet. Bis zum Freitagmittag forderten rund 6250 Unterzeichner, dass AOL Winamp am Leben halten oder wenigstens den Source-Code freigeben soll.

Am Donnerstagabend machte außerdem ein Gerücht die Runde, das angesichts des früheren Konkurrenzkampfs kurios wirkt: Angeblich ist Microsoft an einer Übernahme von Winamp interessiert. Einer Quelle des Technik-Blogs "TechCrunch"  zufolge will das Unternehmen gleichzeitig auch SHOUTcast kaufen, einen Online-Musikdienst, den Nullsoft entwickelt hat. Microsoft lehnte es ab,  den "TechCrunch"-Bericht zu kommentieren.

Die erste Winamp-Version war 1997 als Shareware erschienen. Die aktuelle und nun wahrscheinlich letzte Variante der Software trägt die Versionsnummer 5.66. Ehemalige Firmenmitarbeiter sagen, Winamp habe noch immer Millionen Nutzer. Den Jahresumsatz der Software  schätzen sie auf sechs Millionen Dollar. AOL hat sich zu den Gründen für die Winamp-Schließung bislang nicht geäußert.

mbö
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