Offline-Installation Windows 10 ohne Microsoft-Konto - so gehts

Bei der Installation der Home-Editionen von Windows 10 drängt Microsoft die Nutzer, ein Microsoft-Konto einzurichten. Die Fachzeitschrift "c't" erklärt, wie es auch ohne das geht.
Von c't-Autor Günter Born und Axel Vahldiek, c't-Redakteur

Sich mit einem Onlinekonto bei einem Betriebssystem, einer Anwendung oder einem Dienst anzumelden, kann Vorteile haben. Es bedeutet aber auch, dass der Dienst den Anwender beim nächsten Besuch wiedererkennen und vieles über ihn lernen kann, und solche Daten gelten als moderne Währung.

Doch ob Anwender das zu akzeptieren bereit sind, unterscheidet sich von Fall zu Fall: Während Heerscharen von Anwendern ohne mit der Wimper zu zucken beispielsweise Google-Konten für ihre Android-Geräte und Facebook-Konten zum Anmelden bei Onlinediensten nutzen, kommt es für viele nicht in Frage, sich bei Windows mit einem Microsoft-Konto anzumelden. Das dürfte in Redmond für Frust sorgen: Während sich die Konkurrenz am Datenkuchen mästet, hockt Microsoft am Kindertisch, bekommt bloß Krümel ab.

Dabei hat Microsoft das Thema "Geld verdienen mit Daten" nicht mal verschlafen: Schon Windows XP drängelte, bitte ein Onlinekonto zu verwenden. Doch dieser erste Versuch endete als Image schädigender Fehlstart, weil XP den Nutzern vorlog, ohne so ein Konto wäre das Internet nicht zu benutzen.

Seitdem hat Microsoft vieles getan, um das, was nach diversen Umbenennungen mittlerweile "Microsoft Konto" heißt, attraktiver zu machen. Wenn Sie es nutzen, meldet Windows Sie automatisch an bordeigene Dienste wie OneDrive und Apps wie Outlook an und es gibt zusätzliche Funktionen wie "Mein Gerät suchen" zum Nachverfolgen und Sperren des PCs aus der Ferne.

Zudem werden Aktivitätsverlauf, Zwischenablage und diverse Einstellungen etwa von Explorer, Desktop und WLAN-­Verbindungen via Cloud auf Ihre anderen Geräte synchronisiert. Doch offenbar wird das Angebot immer noch nicht so angenommen, wie man es sich in Redmond vorstellt. Daher hat man dort nun eine Änderung der Strategie beschlossen: Die Anwender sollen gezwungen werden.

Bislang konnte man durch Klicken auf "Offlinekonto" beziehungsweise "Stattdessen einer Domäne beitreten" ein herkömmliches lokales statt eines ­Microsoft-Kontos anlegen. Bei Home fehlt so ein Schalter nun.

Bislang konnte man durch Klicken auf "Offlinekonto" beziehungsweise "Stattdessen einer Domäne beitreten" ein herkömmliches lokales statt eines ­Microsoft-Kontos anlegen. Bei Home fehlt so ein Schalter nun.

Foto: c't

Ende Februar war es so weit: Seitdem verlangt das Setup-Programm der Home-­Edition von Windows 10 nach den Anmeldedaten eines Microsoft-Kontos, alternativ kann man ein neues Konto einrichten. Die bislang vorhandenen Schaltflächen zum Überspringen fehlen nun. Und das ist kein Versehen: Klickt man auf "Weitere Informationen", erscheint der Hinweis, dass man die Zuordnung der Installation zu einem Microsoft-Konto später wieder entfernen könne. Das ist zwar richtig, doch Microsoft hat bis dahin längst Ihr Konto mit der Installation verknüpft, und erkennt letztere danach auch ohne Konto wieder.

Welche Windows-10-Version installiert wird, spielt dabei keine Rolle: Bei unseren Tests versuchte nicht nur das Setup-Programm von Version 1909, sondern auch das von Version 1803 das Einrichten eines Microsoft-Kontos zu erzwingen. Dass auch ältere Windows-Setup-Programme plötzlich ein verändertes Verhalten zeigen, liegt daran, dass sie Updates nachladen, die ihr Verhalten modifizieren (auf unserem Testrechner rund 100 Megabyte).

Betroffen ist allem Anschein nach nur die Home-Edition von Windows 10. Bei den Editionen Pro, Enterprise und Education greifen die Zwangsmaßnahmen also nicht. Ganz sicher sind wir uns dessen aber nicht: Im Netz kursieren Berichte, denen zufolge auch Pro-Nutzer zum Microsoft-­Konto gezwungen werden sollten. Wir konnten jedoch bislang keinen der Berichte nachvollziehen. Bei all unseren Tests mit Pro ließ sich stets ein lokales Konto anlegen.

Auswege für die Home-Edition

Ein Ausweg für Home-Nutzer besteht darin, während der Installation keine Onlineverbindung herzustellen. Das verhindert nicht nur das Nachladen der Updates, die allerdings bei künftigen Windows-­10-Versionen von Haus aus drinstecken dürften. Wichtiger ist, dass das auch den Kontakt zu Microsofts Authentifizierungs­servern blockiert, die das Anmelden an ein Microsoft-Konto bestätigen müssen.

Ohne Internet bietet das Setup-Programm das künftige Anmelden mit einem solchen Konto daher gar nicht erst an. Stattdessen kann man ein herkömmliches lokales Benutzerkonto einrichten. Ziehen Sie also vor der Installation den Stecker des LAN-­Kabels. Wenn das Setup-Programm nachfragt, an welches WLAN Sie sich anmelden wollen, wählen Sie die Option "Ich habe kein Internet". Eine als "getaktet" konfigurierte WLAN-Verbindung einzurichten hilft übrigens nichts: Das Setup-Programm lädt auch über solch eine Verbindung Updates nach.

Eine bereits bestehende Internetverbindung lässt sich während der Installation wieder kappen.

Eine bereits bestehende Internetverbindung lässt sich während der Installation wieder kappen.

Foto: c't

Falls Ihnen nicht danach ist, zum Entfernen des LAN-Kabels unter den Schreibtisch zu krabbeln, oder das WLAN zu diesem Zeitpunkt bereits eingerichtet ist, hilft ein anderer Trick: Drücken Sie die Tastenkombination Umschalt+F10. Es erscheint das Fenster der Eingabeaufforderung. Sie können nun einen von zwei Befehlen eintippen, die beide genau dasselbe machen. Es ist also egal, welchen Sie nutzen.

  • Der eine ist kürzer: ncpa.cpl

  • Der andere ist leichter zu merken: control netconnections

Beide Befehle öffnen das Fenster "Netzwerkverbindungen". Rechtsklicken Sie auf den Netzwerkanschluss und wählen Sie im Kontextmenü "Deaktivieren". Schließen Sie das Fenster wieder und klicken Sie oben links auf die Pfeil-zurück-Schaltfläche, dann landen Sie im Dialog "Von wem wird dieser PC genutzt", in dem Sie ein lokales Konto anlegen können.

Es bestehen noch zwei weitere Wege zum lokalen Konto. Der erste: Geben Sie den Namen eines existierenden Microsoft-Kontos ein, tippen anschließend aber das Kennwort zehnmal falsch ein. Dann gibt das Setup-Programm auf.

Der zweite Weg geht schneller: Verwenden Sie als Name des Microsoft-Kontos Microsoft und geben Sie irgendeinen Blödsinn als Kennwort ein (ein einzelner Buchstabe reicht). Das führte bei unseren Tests stets zum Hinweis, dass das Konto gesperrt sein. Bei beiden Wegen dürfen Sie anschließend ein lokales Konto einrichten.

Foto: c't

Falls während der Installation keine Internetverbindung bestand, wird Windows nach der Installation doch noch um das Verwenden eines Microsoft-Kontos zum Anmelden bitten, sobald es das erste Mal online ist. Diesen Dialog können Sie aber durch einen Klick auf "Vorerst überspringen" abbrechen.

Pro und so

Während der Installation der Windows-­Editionen Pro, Education und Enterprise lässt sich unverändert direkt ein lokales Konto einrichten. Wie genau das geht, hängt davon ab, was Sie anklicken, wenn Sie gefragt werden, ob Sie Windows "Für persönliche Verwendung" oder "Für eine Organisation" einrichten wollen. Bei ersterem können Sie anschließend unten auf den Link "Offline-Konto" klicken und dann ein lokales Konto einrichten. Bei letzterem ist der Link ebenfalls vorhanden, heißt aber anders: "Einer Domäne bei­treten". Sie landen wieder im Dialog zum Einrichten eines neuen Nutzerkontos.

Falls während der Installation keine Internetverbindung besteht, ist der zweite Weg sogar praktischer, denn das erspart Ihnen später nach dem Herstellen der Verbindung die Nachfrage, ob Sie nicht vielleicht doch lieber ein Microsoft-Konto verwenden wollen.

Wer die Installation per Antwortdatei automatisiert, kann damit ebenfalls die Nachfragen umgehen. Eine c’t-Anleitung dazu finden Sie hier .

Ausblick

Wie es mit dem Zwang zum Microsoft-Konto weitergeht, weiß nur Microsoft. Denkbar ist alles Mögliche, und da das Setup-Programm bereits während der Installation Updates nachladen kann, kann es jederzeit sein Verhalten ändern. Denkbar ist aber auch, dass Microsoft derzeit nur experimentiert, wie der Zwang bei den Nutzern ankommt - mag ja sein, dass sich viele gar nicht daran stören. Die Berichte über den Zwang bei Pro ließen sich mit A/B-Tests erklären.

So mancher mag sogar Sorge haben, dass die Aktivierung künftig nur noch mit Microsoft-Konto klappt. Dann könnte man sich behelfen, indem man für jede Installation ein neues Microsoft-Konto anlegt – bei der Anzahl gibt es nach unserem Kenntnisstand kein Limit und beim Einrichten werden Fantasiedaten akzeptiert. Eine c’t-FAQ zum Microsoft-Konto finden Sie übrigens hier .

Sie können den Kontozwang aber auch umgehen, indem Sie einfach ein anderes Betriebssystem verwenden. Einen umfassenden Ratgeber zum Umstieg auf Linux haben wir als Titelthema von c’t 9/2019  veröffentlicht.