Kritik vom Bund der Steuerzahler Veraltete Software kostet Hamburg 526.000 Euro

Noch immer laufen manche Computer in Hamburgs Behörden mit dem uralten Betriebssystem Windows 7 - vor allem bei der Polizei. Das Support-Ende wurde mit viel Geld hinausgezögert.
Windows 7 (Archivbild von 2009)

Windows 7 (Archivbild von 2009)

Foto: JOE RAEDLE/ AFP

Bereits vor acht Jahren kündigte Microsoft an, dass sein Betriebssystem Windows 7 ein Auslaufmodell ist. Am 14. Januar 2020 stellte das Unternehmen endgültig den Support für die Windows-Version ein. Im Gegensatz zu privaten Nutzerinnen und Nutzern können Unternehmen und Behörden aber gegen Gebühr weiterhin Sicherheitsupdates beziehen. Diesen Service nimmt auch die Hamburger Polizei in Anspruch, wie der Bund der Steuerzahler jetzt in seinem Schwarzbuch  berichtet.

Demnach liefen zum Stichtag noch 8082 Computer der Polizei Hamburg mit der veralteten Software, darüber hinaus weitere 1041 Rechner in anderen Behörden der Stadt. Zwar sei bereits 2016 mit der Umrüstung begonnen worden, vollständig gelungen ist sie aber bisher nicht. Für den abgesicherten Weiterbetrieb war somit der Abschluss eines erweiterten Support-Vertrags notwendig, rund 526.000 Euro wurden dafür fällig.

Politik, Behörden und Verwaltung hätten "acht Jahre lang geschlafen", kritisiert der Bund der Steuerzahler.

Bekanntes Problem

Hamburg ist mit dem Problem nicht allein. Auch die Berliner Verwaltung kaufte sich Zeit. Anfang des Jahres hieß es dazu von einem Senatssprecher, rund "75 bis 80 Prozent" der 82.000 Rechner seien auf Windows 10 umgestellt. Auch dort kostete die Vertragsverlängerung mit Microsoft mehrere Hunderttausend Euro.

Ähnliche Berichte gab es bereits 2014, als das Ende von Windows XP deutschlandweit Behörden unter Druck setzte. Auch damals wurde gegen hohe Summen monatelang Aufschub gewährt.

Machtlos gegen neu entdeckte Schwachstellen

Laut Daten der Website statcounter  macht Windows 7 immer noch rund 13 Prozent der Microsoft-Betriebssysteme in Deutschland aus. Während sich Firmen und Behörden zumindest noch schützen können, auch wenn es teuer wird, gehen Privatanwender, die nicht zu Windows 10 oder einem anderen System wechseln, in jedem Fall ein Risiko ein. Gegen neu entdeckte Schwachstellen in Windows 7 wären sie machtlos. Gegen Mängel im Betriebssystem würden auch Antivirensoftware und Firewalls kaum helfen, sagen IT-Sicherheitsexperten.

amm
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