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Depression: So funktioniert der "Woebot"

Chatbot gegen Depressionen Hey, wie fühlst du dich?

Ein Chatbot auf Facebook soll Nutzern helfen, depressive Gedanken zu überwinden. Die Macher glauben an die Wirksamkeit ihres "Woebots", aber die künstliche Intelligenz kommt schnell an ihre Grenzen.

Menschen, die sich über längere Zeit niedergeschlagen fühlen, haben oft nicht die Kraft, sich professionelle Hilfe zu suchen. Andere würden sich gern in Behandlung begeben - finden aber keinen Platz. Psychologen der Universität Stanford haben deshalb einen Chatbot entwickelt, der Depressionen und Angstzustände therapieren soll. Nutzer können mit dem "Woebot ", übersetzt heißt das so viel wie "Kummer-Bot", über Facebook Kontakt aufnehmen  - und das jederzeit.

Die Macher weisen darauf hin, dass der "Woebot" keine professionelle Behandlung ersetzen kann. "Bitte nutze dies nicht als einen Ersatz für die Hilfe von einem echten Menschen", warnt das Programm zu Beginn der Unterhaltung. Alena Knabe von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe  sieht in Onlineangeboten wie dem "Woebot" trotzdem eine "gute Möglichkeit, Wartezeit zu überbrücken".

Gerade in Deutschland gebe es einen Mangel an Therapieplätzen. Deshalb nehme die Bedeutung von digital gestützten Therapieangeboten, zum Beispiel per E-Mail, auch hierzulande zu. Allerdings werde die Behandlung stets professionell begleitet. Das Online-Tool der Stiftung Deutsche Depressionshilfe "iFight Depression" zum Beispiel kann nur durch einen Arzt oder Therapeuten initiiert werden.

Therapie ohne Couch, Medikamente und Psychoanalyse

Die Forscher aus Stanford glauben, eine künstliche Intelligenz könnte die Aufgabe der Tele-Therapeuten übernehmen. Ihr Angebot gibt es schon seit ein paar Monaten, allerdings nur auf Englisch. Im Juni legten die Macher des "Woebot" eine wissenschaftliche Untersuchung  vor, die die Wirksamkeit der eigenen KI-Gesprächstherapie belegen soll.

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Depression: So funktioniert der "Woebot"

An der Studie, die im "Journal of Medical Internet Research Mental Health" veröffentlicht wurde, haben insgesamt 70 Studierende teilgenommen, die nach eigenen Angaben unter leichten Depressionen oder Angstzuständen litten. Ein Teil der Probanden bekam von den Forschern ein E-Book zur Verfügung gestellt, das Strategien zur Selbsthilfe vermittelt. Die andere Testgruppe sollte das Chatprogramm nutzen.

Das Ergebnis: Nach zwei Wochen und bis zu 20 Sitzungen mit dem virtuellen Therapeuten ging es den Testpersonen, die den "Woebot" nutzten, signifikant besser als der Kontrollgruppe mit dem Lesestoff.

Der "Woebot" regt seine "Patienten" zum Beispiel zum positiven Denken an oder erklärt mit einem YouTube-Video, wie Sprache unser Denken beeinflusst. Ein anderes Mal soll man über das eigene Leben reflektieren und angeben, was man daran ändern möchte.

Menschliche Floskeln gegen die Einsamkeit

Knabe kennt diese Methoden aus der kognitiven Verhaltenstherapie. Angebote wie der "Woebot" könnten sie - wie auch Ratgeber-Literatur - einem breiteren Publikum zugänglich machen und so zu einem besseren Verständnis für die Symptome einer Depression führen. Doch eine Therapie, betont Knabe, sei dadurch niemals zu ersetzen.

Jede Unterhaltung mit dem "Woebot" dauert nur ein paar Minuten. Der Ton im Chat ist locker-flapsig. Äußert der Nutzer negative Gedanken und Gefühle, reagiert der Chatbot mit Beileidsbekundungen oder aufmunternden Worten. Klar, das alles sind nur Floskeln, es wirkt aber trotzdem sehr menschlich.

Wie ein alter Freund hakt der Chatbot jeden Tag nach: Wie geht es dir gerade? Was machst du? Wie fit fühlst du dich? Die Fragen nach Stimmung und Energielevel ergeben durchaus Sinn, sagt Knabe. Zentrale Symptome einer Depression könnten so bereits ausgemacht werden.

Depressionen

So soll der "Woebot" am Gefühlsbarometer erkennen können, wenn es ernst wird. Bleiben Stimmung und Energielevel des Nutzers anhaltend niedrig, rät der Bot dazu, sich Hilfe in der echten Welt zu suchen. Dazu postet er Kontakte zu Hilfehotlines und Anlaufstellen.

Misstrauen gegenüber Facebook hält die Nutzer fern

Natürlich hat die Technik auch ihre Grenzen. So versteht die künstliche Intelligenz fast kein Wort von dem, was der Nutzer schreibt und kann deshalb auch nicht direkt darauf eingehen. Unklar bleibt außerdem, wie das Chatprogramm im Vergleich zu einem menschlichen Gesprächspartner abschneiden würde.

Auch die Wissenschaftler aus Stanford geben zu, dass sie sich noch nicht sicher sein können, ob der Chatbot als Mittel gegen Depressionen taugt. Bisher wurde das Chatprogramm nämlich nur an wenigen Personen getestet und das für kurze Zeit.

Datenschutzbedenken versuchen die Macher so weit wie möglich auszuräumen. So könne niemand in der Freundesliste sehen, wenn man den "Woebot" nutzt. Trotzdem wollen sich die "Woebot"-Erfinder von Facebook unabhängig machen und arbeiten an einer eigenen Chatplattform.

Dafür brauchen die Macher aber Geld. Bisher ist der "Woebot" noch kostenlos. Das könnte sich aber bald ändern. Aus dem Uni-Projekt ist mittlerweile ein Start-up mit prominenter Unterstützung geworden: Vor Kurzem ist Baidu-Gründer Andrew Ng als Investor eingestiegen . Und der hofft natürlich, dass das Produkt irgendwann auch Geld abwirft.

Anmerkung: Die Aussagen von Alena Knabe im Text wurden nachträglich angepasst und ergänzt.

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