Netzwelt-Ticker "World of Warcraft"-Politik, Google Books, Online-Werbung

Im Netzwelt-Überblick: Politikerin muss sich für "World of Warcraft" verteidigen; Google erreicht einen wichtigen Vergleich im Streit um seine Bücherdigitalisierung; Anti-Tracking-Funktion im Internet Explorer 10 ärgert Werbeindustrie.

"World of Warcraft" von Blizzard: US-Politikerin spielt mit Leidenschaft
dapd

"World of Warcraft" von Blizzard: US-Politikerin spielt mit Leidenschaft

Von Carolin Neumann


Eine Senatorin mit "World of Warcraft"-Vorlieben? Republikaner im US-Bundesstaat Maine stellen das Gaming-Verhalten einer demokratischen Politikerin an den Pranger. Colleen Lachowicz kandidiert für einen Sitz im Senat von Maine. Auf einer eigens kreierten Website, auf der ihr "WoW"-Charakter gezeigt wird, heißt es: "Maine braucht eine Senatorin, die in der richtigen Welt lebt, nicht in Colleens Fantasie-Welt."

Lachowicz nennt es auf ihrer Website "merkwürdig", dass sie anhand von Hobbies statt Inhalten beurteilt werde und holt erst einmal mehrere Statistiken raus, die zeigen sollen, wie verbreitet Gaming grundsätzlich, aber auch "World of Warcraft" in den USA ist. "Was kommt als nächstes?", fragt die Politikerin. "Werde ich geächtet, weil ich 'Angry Birds' spiele?"

Doch es geht den Republikanern bei ihrer Aktion nicht ausschließlich um Lachowiczs Hang zur virtuellen Gewalt. Die Republikaner kritisieren auch krude Kommentare, die sie in einem Blog gemacht habe, teilweise über andere Personen, und stellen ihre "Reife und ihre Fähigkeit, ernsthafte Entscheidungen zu treffen" in Frage. Lachowicz verteidigt sich im Interview mit dem "Sentinel", besagte Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden und zum Teil schon mehrere Jahre alt.

Google und Verleger einigen sich im Bücherstreit

Google hat sich mit der Verlegervereinigung AAP auf Bedingungen für die Digitalisierung urheberrechtlich geschützter Bücher geeinigt. Die Verleger bekommen unter anderem das Recht, ihre Werke aus der digitalen Bibliothek zu entfernen. Auch können sie die Bücher zum Verkauf über die Google-Plattform freigeben.

Für das Projekt Google Books wurden bislang mehr als 20 Millionen Bücher eingescannt - ungeachtet der Klagen von Rechteinhabern. Die sehen in dem Buchprojekt eine Verletzung von Urheberrechten; unter anderem hatte vor knapp sieben Jahren die Association of American Publishers (AAP) geklagt. Eine von der US-Schriftstellervereinigung Authors Guild eingereichte separate Klage ist mit der nun bekannt gegebenen Einigung noch nicht aus der Welt geschafft, hieß es. Die Autoren fordern 750 Dollar Schadenersatz für jedes urheberrechtlich geschützte Buch, das in den vergangenen acht Jahren eingescannt wurde. (dpa)

Werber äußern Sorge vor "Do Not Track"

Der Konflikt war vorprogrammiert: Während Datenschützer Microsofts "Do-Not-Track"-Eigenschaft im neuen Internet Explorer (IE) loben, bangt die Werbeindustrie um ihr Online-Einkommen. In einem Brief bitten mehrere Unternehmen die Konzernspitze, die Anti-Tracking-Funktion nicht wie geplant zum Standard im IE10 zu machen.

Zu den Unterzeichnern des Schreibens gehören Vertreter von Firmen wie Unilever, McDonald's, Coca-Cola, IBM, Visa und Intel. Im Sommer war bekannt geworden, dass Microsoft zumindest teilweise der Mut verlassen hat und der IE 10 beim ersten Start die Möglichkeit bieten soll, das Feature doch auszuschalten. Die Werber jedoch argumentieren, dass "Do Not Track" als Standardeinstellung dennoch die Werbeindustrie beeinflussen und damit "Online-Erfahrungen drastisch beschädigen" werde.

Auch das noch:

  • Um Bürgern einen bequemeren Zugang zu Behörden im Web zu ermöglichen, will die britische Regierung demnächst die Anmeldung über bestimmte Web-Dienste zulassen. In den nächsten Wochen wird eine Liste möglicher Partner veröffentlicht werden. Zum Beispiel könnten sich die Briten dann mit ihren Bankdaten oder dem Login eines sozialen Netzwerks einloggen.
  • Wie ein Feueralarm, nur für Fälle von Computerangriffen: Europa hat an einem Tag eine koordinierte Aktion gestartet, um die Systemsicherheit zu prüfen.
  • Facebook scannt - wenig überraschend - private Nachrichten nach Links. Das hat das Unternehmen jetzt zugegeben. Wer zum Daten sammelnden Konkurrenten Google schaut, dürfte sich über diese Erkenntnis nicht wundern, denn dessen Roboter lesen schon lange unsere E-Mails mit, um Werbung genauer zuschneiden zu können. Bei Facebook fließen die Erkenntnisse zum Beispiel in "Gefällt-mir"-Angaben ein.
  • Für die anstehende Apple-Berufung beäugt Samsung den angeblich voreingenommenen Vorsitzenden der Geschworenen, der Verstrickungen mit dem Fall verschwiegen haben soll.
  • Zynga gibt zu, für OMGPOP, den Entwickler des beliebten Handy-Games "Draw Something", zu viel bezahlt zu haben - und nun in finanziellen Schwierigkeiten zu stecken.

can/dpa/dapd



insgesamt 6 Beiträge
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trewan 05.10.2012
1. Politiker kein recht auf Freizeitbeschäftigung?
Ich finde das in Amerika schon seltsam wenn man Politiker aufgrund hrer Freizeitbeschäftigng kritisiert im Wahlkampf. Jeder Mensch darf doch wählen wie er sich entspannt und ich wette auch in Deutschland gibts Politiker die gern mal Zocken sei es am PC, Handy oder an ner Konsole. Zumindest kann diese Senatorin ja versuchen die WoW-Spieler für sich zu gewinnen das sind nicht gerade wenig Wahlberechtigte.
welthungerkrise 05.10.2012
2. bild dir deine meinung
"Doch es geht den Republikanern bei ihrer Aktion nicht ausschließlich um Lachowiczs Hang zur virtuellen Gewalt" weil sie World of Warcraft oder Angry Birds spielt? brainwash.
dr.spack 06.10.2012
3. Sehe ich...
Zitat von welthungerkrise"Doch es geht den Republikanern bei ihrer Aktion nicht ausschließlich um Lachowiczs Hang zur virtuellen Gewalt" weil sie World of Warcraft oder Angry Birds spielt? brainwash.
genau so. Wann immer in deutschen Medien über Computerspiele geredet wird immer das gleiche Mantra: Spiele = Gewalt Spiele = Gewalt Spiele... Selbst bei solch comichaften Titeln wie WoW und Angry Birds. Ich wünschte wirklich das manche Leute das etwas differnzierter betrachten würden, aber das scheint ja aus diversen Gründen nicht erwünscht zu sein.
Sueme 06.10.2012
4. Stellen wir Frau Neumann doch mal ein Frage zu virtuellen
"Vergehen", wo genau schauen Sie den all die amerikanischen Serien über die Sie in Ihrem Blog schreiben? Ich wäre ja wirklich sehr daran interessiert zu erfahren wie man die Serien legal in Deutschland schauen kann. Ja Ja anderen den Hang zur virtuellen Gewalt anhängen und selbst, nicht nur virtuell, ..........*hust* Manchmal sollte man schon vorsichtig sein was man wo und wie offen schreibt ^^
mangeder 07.10.2012
5. reale Gewalt und Waffen akzeptiert
Was für eine Scheinheiligkeit die Republikaner mal wieder auffahren. Die reale Waffen-Lobby NRA (in der zahlreiche bekannte Republikaner Mitglied sind) wird nämlich gleichzeitig eifrig unterstützt. Dass jeder problemlos reale Waffen besitzen kann, finden Konservative komischerweise ganz klasse, nur virtuelle Waffen sind gefährlich. Gewalt ist offenar auch nur virtuell schädlich. Dass die realen Berufs-Massenmörder der US-Army als Vorbilder für Kinder präsentiert werden, findet auch niemand fragwürdig, ganz zu Schweigen von Folterskandalen, völkerrechtswidrigen Angriffskriegen und staatlich angeordnetem Mord in aller Welt ohne Richter und rechtliche Grundlage durch Drohnen.
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