World Wide Music 21 kostenlose, ganz legale Downloads

Das Web ist voller Musik, und es sind nicht nur talentierte Newcomer, die hier mit Sound-Geschenken für sich werben. Vom mexikanisch beeinflussten Folk-Schrömmler über hitzige Punks bis zu kühlen Elektronik-Tüftlern findet sich absolut alles.

Die im folgenden vorgestellten Songs sind verlinkt und als MP3-Dateien herunter zu laden. Zu finden sind solche Dateien über eine ganze Anzahl von MP3-Sammelseiten. Die folgenden 21 Songs sind eine subjektive Auswahl, die die Vielfalt und Qualität solcher "Web-Musik" dokumentieren soll.

Ida: "Late Blues"

Die amerikanische Gruppe Ida ist ein prächtiges Beispiel für eine Band, die es aus unerfindlichen Gründen nie über den Atlantik geschafft hat. Ihre Musik ist unaufgeregt, ruhig und relaxed im besten Sinne, eingängig und doch leicht schräg.

Gegründet im Jahre 1992 veröffentlichte die Gruppe bisher 13 Alben, von denen in Europa aber nur zwei als US-Import zu haben sind. Ihr Track "Late Blues" gehört im Web derzeit zu den meistverbreiteten legalen Downloads. Das Lied ist ein über die Plattenfirma Polyvinyl Records direkt als Werbemaßnahme für das Ida-Album "Heart like a river" verteilter Appetitmacher - und lohnt den Download .

"Late Blues" ist ein Liebeslied, dem jedes schwülstige Pathos fehlt, ein Versprechen unter Partnern, das passenderweise auch als Duett daherkommt. Doch die Sänger Daniel Littleton und Liz Mitchell erlauben ihren Stimmen den Ausbruch aus der perfekten Harmonie, und erst das macht den Song anrührend und glaubhaft:

"If I get lost along the way to meet you
If I'm more than a little late
If I get caught up in circles, chasing my own tale
If I trip up and fail you
If I let you down
If I let you down..."

Die Sentimentalität des Liedes ist zärtlich, nicht traurig oder brüterisch. Schön - und im deutschen Radio garantiert ungehört.

Nerdcore: MC frontalots "Start Over"

Kein Bereich, in dem Rap und Hiphop heute keine Rolle spielen. Doch beim Nerdcore, einer sehr speziellen Spielart des Genres, geht es nicht darum, im breitesten Ghetto-Quetsch-Englisch orale Straftaten zu begehen oder ohne Rücksicht auf Verluste, Sinngehalt oder Grammatik die deutsche Sprache in Reimform zu prügeln. Nerdcore-Künstler tun erst gar nicht so, als hätten sie etwas Sinnvolles mitzuteilen: Sie reimen und rappen sich mit viel Spaß kreuz und quer durch eine Welt von CPUs und RAMs, messen Gefühle in Hertz und Bytes und schildern mit Vorliebe Szenen, die entweder mit Casemodding, Star-Trek-Conventions oder Lötarbeiten zu tun haben.

Das hört sich weit bescheuerter an, als es ist. MC frontalot, eine der Ikonen der jungen Szene, ist ein Muster-Nerdcorer, der immer wieder zeigt, wie witzig die Resultate der musikalischen Bastelarbeit sein können. "Start Over"  ist ein wilder, tanzbarer Genremix, in dem Rap eine Hochzeit mit soulig-funkigen Slap-Bässen eingeht - der frühe Stevie Wonder, Isaak Hayes und die "Magnificent Seven" der Clash lassen grüßen. Heraus kommt ein dichter, erfrischend un-monotoner Soundteppich, zu dem man am besten rhythmisch die Füße hebt - zum Sitzen und Hören ist Nerdcore nicht gedacht.

Lauter Krumme Hunde

Wenn eine Band mit einer Besetzung wie "Megan Weeder on violin/drums/vocals" und "Zeb Gould on guitar/vocals" daherkommt und sonst nichts, sind schon einmal zwei Dinge klar: a) laut wird es nicht aber b) möglicherweise krumm.

Als Dead-Can-Dance-, Portishead- und This-Mortal-Coil-gestählter Alt-Krummhörer kann mich das nicht schrecken. Stereofan passt da durchaus in die Stimmung, verschreckt selten, schmeichelt mit satten akustischen Sounds, gefällt mit mitunter angenehm verdrehten Melodien. Eingängige Anspieltipps von der Webseite der New Yorker Band: "Franny and Zooey"  und "Ours ist the Darkness" . Der Rest ist krummer.

Krumm sind auch Lambchop, die Band, die sich Lammkotelett nennt. Diese den Freunden von Indiemusik vorzustellen wäre wirklich wie Eulen nach Athen zu tragen: Die Kapelle gastiert seit Jahren regelmäßig auch in good old Europe. Und wächst dabei nicht nur musikalisch, sondern auch in Sachen Mannstärke: Mit 12 Musikern ist Lambchop heute fast schon eine Bigband - aber eine der etwas anderen Art.

Denn wenn Sänger Kurt Wagner mit seinem unnachahmlich sonoren Organ beiläufig vom "Old Matchbook Trick"  singt oder beschwingt "Something's Going On"  bemerkt, dann hat man den Soundtrack vom Essen bis zum Chillen gefunden. Trotz Geigen.

Auch The Notwist gehören nicht gerade zu den unbekannten Bands, aber auch ihnen hilft das Verteilen im Web, sich in Erinnerung zu halten. "One with the Freaks"  ist eine britpoppig swingende Nummer mit leicht gebrochener Stimmung.

Große Verschenker vor dem Herrn sind seit Jahren auch Calexico - und man darf getrost fragen, ob sie heute so bekannt wären wie sie sind, hätten sie ihre Lieder nicht per Web verteilt. Das Duo mit wechselnder Unterstützung kommt von der kalifornisch-mexikanischen Grenze, und genau so klingen sie auch. Ihr "Stray"  ist zwar ein Klassiker der Band, aber immer noch hörbar. Spritziger kommt da schon "Crystal Frontier"  daher: Das ist auch partytauglich.

Im zweiten Teil: Krummtöner, kühle Soundtüftler, Rocker und Liedermacher. Weiter...

Nach mexikanischen Einflüssen suchte in den letzten Jahren seines Lebens auch Joe Strummer, der legendäre Sänger der Polit-Punker The Clash. Sein Talent, den Ton wirklich aber auch nur knapp, dafür aber immer im gleichen Maße zu verfehlen, hat er sich auch in seinen folkloristisch angehauchten letzten Werken bewahrt: Das hat er mit dem Ex-Talking-Head David Byrne gemein.

Ansonsten schrummelte Strummer auf seiner letzten Scheibe mit den Mescaleros durchaus pfiffige Lieder, die die Plattenfirma nach verhaltener Ausschlachtung nun sukzessive übers Web verschenkt. "Johnny Appleseed"  und "Mega Bottle Ride"  machen den Anfang. Mehr Lieder von Strummer und den Mescaleros finden sich bei Tonspion.de.

Kühle Klänge: Scuba und die Groove Armada

Noch immer krumm, aber wahrlich kühl kommen die Soundexperimente von Placid Casual daher. Da hört man, wie Ohrenmenschen mit Spaß Sounds tüfteln, zu Beats verdichten, zerkreischen, zerschwurbeln: Mitunter erinnert das an den frühen Beck, ist aber weit weniger eingängig. Dass hier nicht einfach irgendwelche Hobbytüftler den Magix Music Maker strapaziert haben, teilt sich aber auch dem mit, der elektronische Soundgewitter nicht mag.

Und siehe da: Tatsächlich verbirgt sich hinter dem Pseudonym die walisische Kultgruppe Super Fury Animals, die sich als Placid Casual im Web ganz ohne jeden kommerziellen Druck austoben. Das ist völlig anders als auf ihren CDs, artifizieller aber mitunter auch kraftvoller, wie "Slow Life"  zeigt. "Motherfokker"  hat dagegen den zum Titel passenden Hiphop-Beat.

Viel kühler sind die Klänge von Scuba, der uns elektronisch durchaus tanzbare und trotzdem "chillige" Beats auf die Ohren gibt. Geschmackssache, tut aber niemandem weh: Wer Kruder und Dorfmeister beim Autofahren hört, könnte auch Scuba mögen. "Heavenly"  mit seinem treibenden Beat kann man sich da gut vorstellen.

Hinter der Groove Armada stehen bekanntlich die DJs Tom Findlay und Andy Cato, und die dürfen mittlerweile ja als Veteranen gelten. Auch das ist typisch fürs Web: Neben den eben noch nicht bekannten Gruppen sind es oft auch leicht verglühte Sterne, die Highlights übers Web verschenken, um im Gespräch zu bleiben. Warum nicht. "M 2 Many"  stammt aus dem Jahre 2001 ist ein swingendes, leicht angejazztes, leicht angefunktes Elektronik-Stück (von hoher Autofahr-Tauglichkeit, siehe oben).

Rockig: Complete

So mancher Sohnemann steht derzeit auf schnellere Beats und klirrende Gitarren - ein Rezept, das schon immer für gute Teeniemusik gut war. Rockig-punkig ist schwer in, und Bands wie Jimmy eat World, Green Day oder Blink 182 dürften auch den Jungs von "Complete" nicht fremd sein. Die Band kommt aus Vancouver, Kanada, und brüllt auch mal gern im Chor.

Peppige Anspieltipps sind "Broken" , das die Band bei Purevolume zum Download in guter Qualität anbietet, oder "Not Heather"  auf den Servern von Garageband.com. Die Band versucht es halt auf allen Kanälen, wo immer man Songs verschenken kann. Durchaus mit Erfolg: Auch heute sind sie wieder ein Stückchen bekannter geworden.

Poppiges: Betablokker und Co

Darauf, dass der Songschreiber von Betablokker die meisten Scheiben der Counting Crows im Schrank hat, darf man wetten. Wer die stets mochte, sich aber immer gewünscht hat, dass sie ein klein wenig weniger weinerlich wären, der ist mit Betablokker prächtig bedient. Zumal die Stimme des Sängers in ihren starken Momenten eher an Eddie Vedder von Pearl Jam erinnert. Der Betablokker-Download "Scared"  ist zudem etwas ganz besonders: Die Band vertreibt ihr Material als "Share Music" unter der "Creative Commons Music Sharing License". Im Klartext: Hier darf man nicht nur zugreifen, hören, brennen und weiterempfehlen - die Künstler wünschen sich das sogar.

Ein Volldownload ist auch der über die Webseite der Band vertriebene Remix der neuen Single von Glashaus (zurechtgemischt von, nicht mit Jack Daniel). Denn auch so was gibt es: Das ist Arbeit am Fan, das bindet die Gemeinde. "Haltet die Welt an"  ist gegenüber der Radioversion rhythmisch aufgebohrt, deutlich tanzbarer als das Original, deutlich länger und waschechter Mainstream, der niemandem wehtun will.

Liedermacher: Robert Wade und Co

Mit Sängern wie Jack Johnson oder Adam Green sind im Augenblick wieder Typen unterwegs, die man früher lapidar als "Liedermacher" verschubladet hätte. In dieselbe passten auch Seth Williams ("Give and give" ) oder Robert Wade ("Monkey Cymbals" ).

Das Rezept ist bekannt: Ein Mann, eine akustische Gitarre (ein paar mehr davon zum Höhepunkt) und - nur dann wenn's zuckersüß und schlimm wird - zum Überfluss ein paar Geigchen für den Background. Diese beiden sind in dieser Hinsicht lobenswerterweise eher zurückhaltend und darum durchaus hörbar: Solche Bekannte wünscht man sich fürs sommerliche Grillfest am Baggersee. Das ist zwar nicht innovativ, aber handgemacht, gefällig und auch im Büro gut per Kopfhörer zu hören - ganz "ambient", so zu sagen.

Am Pfingstsamstag in der Netzwelt: "MP3s im Netz: Hier spielt die Musik". Die Geschichte der MP3-Sammelseiten - mit Links zu den ergiebigsten Quellen im Web.

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