WWDC 2018 Apple will Facebook und Google den Datenhahn abdrehen

Für den Herbst hat Apple ein Update seines Safari-Browsers angekündigt, mit dem das Tracking über Like- und Share-Buttons unmöglich wird. Nutzern wird das gefallen, der Werbebranche eher nicht.
Apple-Softwarechef Craig Federighi auf der WWDC

Apple-Softwarechef Craig Federighi auf der WWDC

Foto: JOSH EDELSON/ AFP

Apples Software-Chef Craig Federighi war überdeutlich, als er die neuen Datenschutzfunktionen des Browsers Safari ankündigte: "Wir haben alle schon mal diese kleinen Like-Buttons und Share-Buttons gesehen", sagte er während der Keynote zu Apples Entwicklerkonferenz WWDC in San José und ergänzte: "Nun, es hat sich gezeigt, dass man die benutzen kann, um euch zu verfolgen. Ganz egal, ob Ihr da drauf klickt oder nicht." Zum Abschluss machte er Firmen, die diese Möglichkeiten ausnutzen eine klare Kampfansage: "In diesem Jahr werden wir das abstellen."

Wen er damit meinte, sagte Federighi nicht. Und auch alle anderen Apple-Mitarbeiter, die man auf der WWDC auf dieses Thema anspricht, bemühen sich redlich, in ihren Antworten keine Namen zu nennen. Stets ist nur wolkig von sozialen Netzwerken die Rede. Doch ein Bild, das der Software-Chef während seiner Präsentation zeigte, lässt keinen Zweifel daran, wer gemeint ist.

Der Screenshot zeigte ein Browserfenster mit Like-Buttons und Kommentarkasten, über dem eine Dialogbox fragt: "Willst du Facebook.com erlauben, Cookies und Webseite-Daten zu verwenden, während du auf Plappermaul.net surfst?" Deutlicher konnte man es kaum sagen: Klar: Apple will mit seinem "Intelligenten Tracking-Schutz 2.0" Facebooks Tracking-Mechanismen aushebeln. Und nicht nur die. Auch Facebooks größter Konkurrent im Online-Werbegeschäft, Google, ist von den Neuerungen betroffen.

Apples Präsentation auf der WWDC

Apples Präsentation auf der WWDC

Foto: Apple

Extra aktivieren muss man die neuen Funktionen nicht, wenn die neue Browserversion im Herbst veröffentlicht wird. Sie werden von Apple in den bereits vor einem Jahr eingeführten "intelligenten Tracking-Schutz" von Safari integriert. In den Einstellungen des Apple-Browsers lässt sich die Funktion unter dem Menüpunkt Datenschutz und Sicherheit ein- und ausschalten.

Aber Apple unterbindet mit dem Safari-Update nicht nur Facebooks Tracking per Like-Button. Der Konzern macht es auch schwerer, einzelne Nutzer beziehungsweise Geräte eindeutig zu identifizieren und über die Grenzen einzelner Webseiten hinaus zu erkennen. Für gewöhnlich nämlich lässt sich über den Browser ein digitaler Fingerabdruck des jeweiligen Geräts erstellen. Dazu werden Daten wie das Herstellungsdatum des Geräts, die installierten Schrifttypen und Browser-Plug-ins zu einer eindeutigen Signatur zusammengefasst.

Für jede Seite anpassbar

Mit dem Safari-Browser soll das künftig nicht mehr möglich sein, weil der auf solche Anfragen hin nur noch eine Minimalauskunft gibt, zum Beispiel nicht alle installierten Schriften und Plug-ins ausplaudert. So kann derjenige, der diese Daten nutzen will, zwar noch erkennen, dass es sich um ein Apple-Gerät mit Safari handelt, aber einzelne Geräte nicht mehr voneinander unterscheiden. Wie eine Sardine im Schwarm verschwindet man sozusagen in der Masse der Nutzer.

Craig Federighi

Craig Federighi

Foto: JOSH EDELSON/ AFP

Die neue Datenschutzfunktion wird im Safari-Browser sowohl in iOS 12 als auch in macOS Mojave enthalten sein. Wenn sie aktiv ist und man auf einer Webseite auf einen Like-Button klickt oder in ein Kommentarfeld schreiben will, wird ein Hinweis eingeblendet, der dem Nutzer die Wahl gibt, die Weitergabe seiner Daten zu unterbinden oder zu erlauben. Eine einmal getroffene Entscheidung merkt der Browser sich für zukünftige Aufrufe derselben Seite. So kann man für jedes Webangebot einzeln entscheiden, ob man der Datenweitergabe an Facebook zustimmen will oder eben nicht.

Millionenverluste drohen

Webseitenbetreiber binden Facebooks Like-Button oder andere Sharing-Buttons oft direkt auf ihren Seiten ein, weil sie hoffen, dass Nutzer darüber ihre Freunde in den sozialen Netzen auf das Angebot aufmerksam machen - was die Aufmerksamkeit für die Website und dadurch die möglichen Werbeerlöse erhöht. Facebook selbst sammelt Daten, wenn ein solcher Button und die dazugehörigen Skripte eingebunden sind - auch dann, wenn ein Nutzer den Button gar nicht betätigt oder bei Facebook eingeloggt ist. Das US-Unternehmen kann mithilfe seines quasi omnipräsenten Buttons also Menschen quer durchs Netz tracken.

Auch SPIEGEL ONLINE hat eine Facebook-Teilen-Funktion auf Artikelseiten eingebaut. Es werden aber keine Tracker eingebunden und damit auch keine Daten an Facebook weitergegeben, wenn man nicht auf den Button klickt.

Welche Auswirkungen die neuen Anti-Tracking-Funktionen von Safari haben werden, und für wen, ist noch nicht abzusehen, doch sie könnten dramatisch sein. Zwar hat Apples Browser laut "netmarketshare"  auf Desktop-Rechnern nur einen kleinen Marktanteil von weniger als vier Prozent, bei Smartphones aber liegt er mit knapp 30 Prozent nach Chrome auf Platz zwei, bei Tablets mit mehr als 50 Prozent sogar auf dem ersten Platz.

Fotostrecke

Fotostrecke: So sieht iOS 12 aus

Foto: SPIEGEL ONLINE

Genaue Zahlen liegen zwar nicht vor, doch kann man einem Bericht des britischen "Guardian" zufolge davon ausgehen, dass schon die im Jahr 2017 veröffentlichte erste Version von Apples Internet-Tracking-Schutz der Online-Werbebranche Verluste von Hunderten Millionen Euro beschert hat. Inwieweit die nun vorgestellten neuen Schutzfunktionen diese Verluste noch erhöhen, ist kaum abzusehen.

Klar ist aber, dass Apples Vorstoß nicht nur die Werbebranche selbst in Bedrängnis bringt, sondern auch viele für Nutzer kostenlose Online-Angebote. Die nämlich sind von einem funktionierenden Online-Werbesystem abhängig. Umso dringender ist es deshalb, dass Werbefirmen neue, weniger in die Privatsphäre der Nutzer eingreifende Technologien und Formate entwickeln, um Werbung auszuspielen.

Einige Unternehmen, wie beispielsweise Criteo aus Frankreich, arbeiten nach eigenen Angaben schon an solchen Konzepten. Die Ankündigung, dass Millionen Internetnutzer ab der Veröffentlichung des neuen Safari mit den bisherigen Methoden unerreichbar werden, dürfte der Entwicklung solcher Konzepte neuen Schub geben.