Yahoo! Aufgehübscht mit Google gegen Google

Die Zeiten, da Yahoo! mit dem Verweis auf die Qualität seines Katalogs und die chaotischen Ergebnisse der Suchmaschinen Erfolge feiern konnte, sind vorbei. Längst googelt auch Yahoo!, doch offenbar ungern. Nun versucht die Firma, wieder mehr Surfer in den Katalog zu ziehen.


Bereits 1994, zu Beginn der WWW-Steinzeit, begannen zwei Studenten damit, ihre Linksammlungen etwas systematischer zu gestalten: Sie ordneten die Links in Kategorien, sammelten mehr und mehr und veröffentlichten die Fleißarbeit schließlich für Freunde auf einem Uni-Server. So weit die Legende.

Tatsächlich hatten David Filo und Jerry Yang, die Gründer von Yahoo!, sehr frühzeitig Lunte gerochen: Aus ihrem Hobbyprojekt machten sie bereits im April 1995 eine Firma. Ihr Katalog war die Findmaschine der ersten Stunde, ein Name, der schnell zur weithin bekannten Marke wurde. Das ist schön, aber man kann sich nichts dafür kaufen.

Zwar bewegte Yahoo! an der Börse einiges Kapital, doch echte Refinanzierungswege wollten auch noch gefunden werden. Ein naheliegender lag in der Werbung: Kaum eine Website generierte mehr "Traffic" als Yahoo!, und wirklich flossen auch erkleckliche, wenn auch alles andere als hinreichende Werbegelder. Also baute Yahoo! weiter, eröffnete Shops, pflegte "Communities", fing an, zur Nachrichtenseite zu werden. Spätestens ab 1999 schimpfte sich Yahoo! "Portal", weil das da modern war und die Bezeichnung "Katalog" längst nicht mehr griff.

Yahoo! hatte aufgehört, eine echte Findmaschine zu sein: da gab es mittlerweile weit besseres.

Denn die Zeit, in der die in ihren Umfängen zwar schwächeren, in ihren Suchqualitäten aber stärkeren Kataloge den reinen Crawler-Suchmaschinen überlegen schienen, waren lang vorbei. Mit Google hatte eine Suchmaschine ihren Siegeszug angetreten, die so gut war, dass kaum jemand darauf verzichten wollte oder konnte - am wenigsten Yahoo!, die die Maschine 2000 in ihre Suchfunktion implementierten: Wer bei Yahoo! nicht direkt im Katalog sucht, stochert in Wahrheit mit Google im Web.

Strategiewechsel: Mehr eigenes Profil

Was dabei so gefunden wird, geht offenbar auf Kosten des Katalogs. Den bindet Yahoo! nun wieder stärker ein, indem es passende Katalog-Kategorien den Linkergebnissen voranstellt. Die Nachrichtenagenturen meldeten hier schon die Implentierung einer "neuen Suchmaschine", was natürlich Unsinn ist: Yahoo! erinnert seine Nutzer nur daran, dass es mehr sein will als nur eine Trägerhülle für die Google-Suche. Den Gesetzen der PR folgend trompetet Yahoo!, durch die Ergänzung um Katalog-Links sollten dem Surfer nützlichere Ergebnisse als bisher geboten und die Suche einfacher werden.

Hintergrund der ganzen Sache ist wohl eher die spürbare Bewegung in der Suchmaschinen-Branche. Overture hat gerade eine ausgedehnte Shopping-Tour hinter sich und damit einige ernst zu nehmende Suchmaschinen unter seine Kontrolle gebracht. Im Hause Microsoft plant man einen "Moogle"-Suchdienst, der sowieso und per definitionem alles viel besser kann als alle anderen - eine Art Window für die Web-Welt. Und auch Yahoo! plant seit längerem, sich von Google zu emanzipieren: Kürzlich kaufte der Katalogbetreiber die Crawler-Technologie von Inktomi.

Die galt lange Zeit als trendsetzend gut und wird derzeit zum Google-Herausforderer hochprogrammiert. Schon Ende des Jahres soll dann Inktomi die Websuche bei Yahoo! erledigen - und Google wäre einen wichtigen Kunden los. Bis dahin setzt Yahoo! aufgehübscht schon einmal deutliche Zeichen, dass man zwar kooperiert, sich aber nicht unbedingt lieb hat: Letztlich versucht Yahoo!, Google mit Google Konkurrenz zu machen.

Den Platzhirschen unter den Suchdiensten muss das alles noch nicht kratzen. In den so maßgeblichen Logstatistiken führt Google mit 112 Millionen Anfragen pro Tag vor Yahoo! mit immerhin 42 Millionen Anfragen. Zählt man jedoch alle Suchanfragen, die über lizensierte Google-Engines laufen, dazu, dann kommt Google auf 250 Millionen Anfragen täglich - und das ist zurzeit unschlagbar. Relevant ist das vor allem im Geschäft der werbenden Vermarktung: Der dickste Fisch bekommt hier in der Regel auch das fetteste Stück vom Werbe-Wurm.

Frank Patalong



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