Auf Anweisung einer US-Behörde Yahoo soll E-Mails aller Kunden durchsucht haben

Der Internetkonzern Yahoo hat Medienberichten zufolge heimlich die E-Mails Hunderter Millionen Nutzer durchforstet. Auftraggeber soll eine US-Behörde gewesen sein.
Yahoo-Campus

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Foto: NOAH BERGER/ REUTERS

Yahoo hat einem Bericht zufolge  angeblich auf Anweisung der US-Behörden den Posteingang seiner Kunden durchsucht. Der Internetkonzern habe damit 2015 einer geheimen Anordnung der US-Regierung Folge geleistet, sagten vier mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

Yahoo habe ein spezielles Programm geschrieben, um die einlaufenden E-Mails von mehreren Hundert Millionen Kunden nach einer bestimmten Zeichenkette zu durchforsten. Unklar blieb, welche Daten Yahoo an die US-Behörden übergab und ob der Konzern noch immer scannt.

Sollte sich der Bericht bestätigen, wäre es der zweite große Skandal für Yahoo innerhalb weniger Wochen. Ende September war bekannt geworden, dass das Unternehmen 2014 Opfer eines Hackerangriffs geworden ist. Dabei sollen Daten von mehr als 500 Millionen Kunden kompromittiert worden sein. Später wurde bekannt, dass Sicherheit in dem Unternehmen über Jahre hinweg offenbar keine hohe Priorität genoss.

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Den drei ehemaligen Mitarbeitern und einer mit dem Vorgang vertrauten Person zufolge kam die Anordnung zur Durchsuchung der eingehenden Kunden-E-Mails entweder von dem Nachrichtendienst NSA oder der Bundespolizei FBI. Die NSA stellt oft derartige Anträge über das FBI, was die genaue Zuordnung zu einem Dienst erschwert. Experten zufolge ist es der erste bekannte Fall, in dem ein US-Konzern der Forderung nach einer kompletten Überwachung des gesamten eingehenden E-Mail-Verkehrs nachgegeben hat.

Yahoo dementierte die Meldung bisher nicht und teilte lediglich mit, man halte sich an die Gesetze der USA. Die NSA verwies auf das Büro des Direktors der US-Geheimdienste, das eine Stellungnahme ablehnte.

Googles E-Mail-Dienst Gmail teilte mit, keine derartige Anfrage von der US-Regierung erhalten zu haben. Wäre dies der Fall gewesen, hätte der weltgrößte E-Mail-Anbieter diese abgelehnt, hieß es. Ähnlich äußerten sich auch andere Tech-Unternehmen. Microsoft teilte mit, dass der E-Mail-Verkehr niemals heimlich gescannt worden sei. Auch Twitter und Facebook hätten keine entsprechende Anfrage erhalten und würden gegen diese gerichtlich vorgehen.

Der Whistleblower Edward Snowden twitterte: "Jeder große E-Mail Anbieter, der dies nicht kategorisch abstreitet, ist genauso schuldig wie Yahoo."

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brt/Reuters/AP
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