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13. November 2018, 16:01 Uhr

Bewertungsportal

Yelp muss Schadensersatz an Fitnessstudios zahlen

Weil ihre drei Fitnessstudios bei Yelp auf zu schlechte Gesamtwertungen kamen, klagte die Betreiberin gegen das Onlineportal - und bekam jetzt vom Oberlandesgericht München Recht.

Das Online-Portal Yelp muss Schadensersatz an drei Fitnessstudios aus dem Münchner Umland zahlen. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) München entschieden, das sich mit einer Klage der Betreiberin beschäftigt hat. Der Streitpunkt war eine aus ihrer Sicht zu schlechte Gesamtbewertung der Studios.

Die Betreiberin, die ehemalige Bodybuilding-Weltmeisterin Renate Holland, soll nun knapp 800 Euro pro Fitnesscenter bekommen - plus Zinsen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, weil Revision zugelassen wurde.

Die Betreiberin der Studios hatte auf Unterlassung geklagt. Ihre Einrichtungen waren auf dem Portal jeweils zu einer Gesamtbewertung mit zwei oder drei von fünf möglichen Sternen gekommen. In die Gesamtbeurteilung flossen jedoch nur Bewertungen ein, die von einer Empfehlungssoftware nach verschiedenen Kriterien ausgewählt wurden - und genau diese Bewertungen verschlechterten das Ergebnis deutlich.

"David gegen Goliath"

Eine Vielzahl der Nutzer hatte fünf Sterne abgegeben, jedoch in Form von Bewertungen, die nicht das Prädikat "empfohlen" erhielten, weil die Verfasser nicht auf der Plattform vernetzt waren und nur diesen einen Beitrag verfasst hatten.

"Die schaden kleinen Unternehmen. Wer geht denn da noch hin, wenn man schlechte Bewertungen hat?", sagte Renate Holland nach der Urteilsverkündung. "Dass wir gewonnen haben, freut mich gerade für diese kleinen Firmen. Das ist wie David gegen Goliath", sagte die 66-Jährige zu der Entscheidung des Gerichts.

Yelp erklärte auf SPIEGEL-Anfrage, dass sich das Urteil auf eine frühere Version der Webseite beziehe. Bei der aktuellen Darstellung werde darauf hingewiesen, dass es sich um "empfohlene Beiträge" handle. Das Unternehmen behalte sich vor, den Weg zum Bundesgerichtshof nach Analyse der Urteilsbegründung zu prüfen.

Yelp wurde 2004 in San Francisco gegründet. Auf der Bewertungsplattform wurden nach Aussage des Unternehmens seitdem mehr als 170 Millionen Beiträge geschrieben.

Update, 14. November: Yelp erklärte auf SPIEGEL-Anfrage, dass sich das Urteil auf eine frühere Version der Webseite beziehe. Bei der aktuellen Darstellung werde darauf hingewiesen, dass es sich um "empfohlene Beiträge" handle. Das Unternehmen behalte sich vor, den Weg zum Bundesgerichtshof nach Analyse der Urteilsbegründung zu prüfen.

ngo/dpa

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