Bewertungsportal Yelp muss Schadensersatz an Fitnessstudios zahlen

Weil ihre drei Fitnessstudios bei Yelp auf zu schlechte Gesamtwertungen kamen, klagte die Betreiberin gegen das Onlineportal - und bekam jetzt vom Oberlandesgericht München Recht.

Yelp-Nutzer
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Das Online-Portal Yelp muss Schadensersatz an drei Fitnessstudios aus dem Münchner Umland zahlen. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) München entschieden, das sich mit einer Klage der Betreiberin beschäftigt hat. Der Streitpunkt war eine aus ihrer Sicht zu schlechte Gesamtbewertung der Studios.

Die Betreiberin, die ehemalige Bodybuilding-Weltmeisterin Renate Holland, soll nun knapp 800 Euro pro Fitnesscenter bekommen - plus Zinsen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, weil Revision zugelassen wurde.

Die Betreiberin der Studios hatte auf Unterlassung geklagt. Ihre Einrichtungen waren auf dem Portal jeweils zu einer Gesamtbewertung mit zwei oder drei von fünf möglichen Sternen gekommen. In die Gesamtbeurteilung flossen jedoch nur Bewertungen ein, die von einer Empfehlungssoftware nach verschiedenen Kriterien ausgewählt wurden - und genau diese Bewertungen verschlechterten das Ergebnis deutlich.

"David gegen Goliath"

Eine Vielzahl der Nutzer hatte fünf Sterne abgegeben, jedoch in Form von Bewertungen, die nicht das Prädikat "empfohlen" erhielten, weil die Verfasser nicht auf der Plattform vernetzt waren und nur diesen einen Beitrag verfasst hatten.

"Die schaden kleinen Unternehmen. Wer geht denn da noch hin, wenn man schlechte Bewertungen hat?", sagte Renate Holland nach der Urteilsverkündung. "Dass wir gewonnen haben, freut mich gerade für diese kleinen Firmen. Das ist wie David gegen Goliath", sagte die 66-Jährige zu der Entscheidung des Gerichts.

Yelp erklärte auf SPIEGEL-Anfrage, dass sich das Urteil auf eine frühere Version der Webseite beziehe. Bei der aktuellen Darstellung werde darauf hingewiesen, dass es sich um "empfohlene Beiträge" handle. Das Unternehmen behalte sich vor, den Weg zum Bundesgerichtshof nach Analyse der Urteilsbegründung zu prüfen.

Yelp wurde 2004 in San Francisco gegründet. Auf der Bewertungsplattform wurden nach Aussage des Unternehmens seitdem mehr als 170 Millionen Beiträge geschrieben.

Update, 14. November: Yelp erklärte auf SPIEGEL-Anfrage, dass sich das Urteil auf eine frühere Version der Webseite beziehe. Bei der aktuellen Darstellung werde darauf hingewiesen, dass es sich um "empfohlene Beiträge" handle. Das Unternehmen behalte sich vor, den Weg zum Bundesgerichtshof nach Analyse der Urteilsbegründung zu prüfen.

ngo/dpa



insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
spon_3501918 13.11.2018
1. Was ein Zufall dass die 5 Sterne User nur 1 Bewertung abgegeben haben
Der Algorithmus von Yelp ist so ja schon sehr sinnvoll umgesetzt! Benutzer die seit langem aktiv sind, viele verschiedene Produkte bewertet haben und auch für Bewertungen von anderen Nutzern "Useful" bekommen werden stärker gewichtet. Dadurch wird auch verhindert dass eine Rache-1-Sterne-Bewertung zunächst mal nicht sonderlich viel ausmacht solange der Nutzer nicht weiter aktiv ist oder seine Bewertung sehr ausführlich und gut geschrieben ist (und sie dadurch wieder viele Useful bekommt). Finde das Urteil des Gerichts daher eher schade.
Titanus 13.11.2018
2. Freies Land
Wieso es einem Bewertungsportal nicht erlaubt sein soll, die Bewertungen zu wichten, erschließt sich mir nicht. Wir leben in einem freien Land, jeder Mensch und jede Internetplattform sollte Empfehlungen aussprechen fürfen, wie es ihnen beliebt. Und offenbar taugen die Studios ja nichts, sonst kämen nicht nur Drei-Sterne-Bewertungen raus.
Schartin Mulz 13.11.2018
3.
Zitat von TitanusWieso es einem Bewertungsportal nicht erlaubt sein soll, die Bewertungen zu wichten, erschließt sich mir nicht. Wir leben in einem freien Land, jeder Mensch und jede Internetplattform sollte Empfehlungen aussprechen fürfen, wie es ihnen beliebt. Und offenbar taugen die Studios ja nichts, sonst kämen nicht nur Drei-Sterne-Bewertungen raus.
DIe Freiheit endet dann aber für die, die von diesen Bewertungsportalen abhängen. Ist Ihnen klar, welche Macht diese ausüben? Dass ganze Unternehmen davon abhängig sind, was irgendwelche Leute ins Internet stellen?
Einhorn 13.11.2018
4. Transparenz könnte helfen
Yelp legt seine "Empfehlungskriterien" nicht offen, darum habe ich damals, bei der Übernahme von Qype alle meine Bewertungen löschen lassen. Wenn ich Bewertungen lesen möchte, dann die, die es eben gibt. Und nicht die, die ein Unternehmen als "relevant" betrachtet, vor allem, wenn dieses "relevant" nur sehr sehr schwammig definiert ist. Und wenn man auch gar nicht auf den ersten Blick sieht, dass man eine gefilterte Meinung sieht. Ein Unternehmen ist per Definition gewinnorientiert. Also dient alles - auch ein Filter - der Gewinnmaximierung des Unternehmens. Dessen sollte sich jeder Nutzer immer bewusst sein.
genugistgenug 13.11.2018
5. Welche IP Adresse?
Die haben doch sicher die IP Adressen der 5 Sterne Stimmer" gespeichert. Die sind vermutlich unterschiedlich, doch lassen sie sicher Rückschlüsse auf die Schreiber zu. Persönlich ist es sehr komisch, dass nur "Einmal-Nutzer" so gut bewertet haben. Wer macht sich denn die Arbeit eine fremde Webseite zu besuchen um das Studio dort zu suchen und eine einmalige Bewertung abzugeben? Solche User wurden bereits zu unseren Zeiten als "Nicht idetifiziert" entsprechend bewertet. Aber vielleicht kommt nun so das Ende der gekauften Stimmen - falls yelp hier den Spieß umdreht und die Abstimmer outet. Da die vermutlich in die Revision geben, geht das hoffentlich an eine bessere Instanz. Wieso hat sich das Studio nicht generell gegen eine Bewertung ausgesprochen? Da diese Dinger lokal sind, sollte doch die Mundpropaganda plus BIlder im Internet reichen - dort könnte man ja auch eigene Kundenkommentare reinstellen.
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