Internetverkehr während der WM Fußball schlägt Porno

Wenn die eigene Nationalmannschaft spielt, geht der Traffic bei der Pornoplattfrom YouPorn im jeweiligen Land in den Keller. Und nach Abpfiff? Wer das Spiel gewonnen hat, zeigt sich auch am Pornokonsum.
Mann schaut Pornos auf dem Bildschirm: Schnell wieder da nach der Niederlage

Mann schaut Pornos auf dem Bildschirm: Schnell wieder da nach der Niederlage

Foto: Marcus Brandt/ picture alliance / dpa

Für die Fußballnationalmannschaft lassen die Deutschen sogar ihre liebsten Porno-Websites stehen. Mit Anpfiff des WM-Vorrundenspiels gegen Portugal sackte bei YouPorn der Besucherverkehr aus Deutschland um mehr als 60 Prozent gegenüber dem tagesüblichen Durchschnitt ab. In der Partie gegen Ghana lag das Minus zeitweise bei gut 50 Prozent, wie eine Auswertung des Portalbetreibers MindGeek* auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE zeigt.

"Die WM läuft und die Deutschen kleben vor ihren Fernsehern, statt YouPorn zu schauen", kommentierte MindGeek die Zahlen. Auch beim Gegner hielten sich die Pornofans während der Matches merklich zurück: In Portugal sackte der Verkehr um 40 Prozent ab, in Ghana um etwa 45 Prozent.

An einem normalen Tag besuchen laut MindGeek rund 20 Millionen Menschen weltweit YouPorn; im Schnitt bleiben sie für acht Minuten und 56 Sekunden auf der Seite. 2012 erhielt das Portal 575 Millionen Visits aus der Bundesrepublik, damit waren die Deutschen die zweiteifrigsten Konsumenten hinter den US-Amerikanern. Sie verweilen aber nur acht Minuten und 39 Sekunden bei YouPorn.

Ihr Verhalten nach Abpfiff wird offensichtlich vom Spielausgang bestimmt. So dauerte es nach dem 4:0-Triumph gegen Portugal mehrere Stunden, ehe sich der deutsche YouPorn-Traffic wieder auf Normallevel einpendelte. Offenbar war den Usern eher nach gemeinsamen Feiern und Autokorsos zumute. Nach dem 2:2 gegen Ghana hingegen schalteten die Fans bald wieder vom Fußball auf Sexclips um. Und die Portugiesen ließen im Anschluss an die Schmach gegen Deutschland ihren ganzen Frust beim Porno ab; sie waren stundenlang rund zehn Prozent aktiver als üblich.

Die Verlierer kehren schnell zurück

Diese Zahlen decken sich mit älteren Auswertungen von YouPorn und der Schwesterseite PornHub für andere Sportereignisse: Die Gewinner bleiben den Sexportalen oft noch lange fern. Die Verlierer indes kommen schnell zurück. Die bisherigen Werte der Fußball-WM 2014 bestätigen dies auch für andere Länder. Das Eröffnungsspiel etwa kostete YouPorn bei Anpfiff rund 60 Prozent seiner brasilianischen, 70 Prozent seiner kroatischen und die Hälfte seiner deutschen Besucher. Nur eine Stunde nach der 1:3-Niederlage gegen die Südamerikaner war Kroatien wieder auf dem üblichen Niveau, in Brasilien hingegen dauerte das satte vier Stunden.

Die Spanier steuerten gleich nach dem 1:5-Debakel gegen die Niederlande im Übermaß YouPorn an, die Holländer folgten eine Stunde später. Nur die Anhänger der Squadra Azzurra scheren aus der Reihe: Direkt nach dem 2:1 gegen England kehrten 80 Prozent mehr Italiener als üblich bei YouPorn ein. Vielleicht brauchte mancher nach dem Zittersieg ein wenig Entspannung oder Erleichterung.

YouPorn und PornHub veröffentlichen seit einiger Zeit immer wieder derartige Nutzerstatistiken. Insidern zufolge will der Eigentümer damit kommunizieren, dass Pornogucken etwas ganz Normales ist. MindGeek betreibt mehr als 70 Sexwebseiten mit jährlichen Visits im zweistelligen Milliardenbereich - und ist damit Weltmarktführer für Internet-Pornografie. Das Geschäftsmodell basiert auf Werbung und kostenpflichtigen Premiumdiensten. Branchenkenner schätzen den Jahresumsatz des offiziell in Luxemburg ansässigen Unternehmens auf mindestens 200 Millionen Dollar, bei einer Gewinnmarge von bis zu 30 Prozent.

Aufgebaut wurde das Unternehmen einst unter dem Namen ManWin von Fabian Thylmann. Nachdem der deutsche Alleineigentümer aber in Belgien wegen Verdachts auf Steuerhinterziehung festgenommen wurde, trat er im Oktober 2013 als Chef zurück und verkaufte seine Anteile an dem unübersichtlichen Firmengeflecht für kolportierte 100 Millionen Dollar an das Management. Kurz darauf benannte sich ManWin um. Als die neuen Mächtigen bei MindGeek gelten die kanadischen Geschäftsleute Feras Antoon und David Tassillo.

* Der Link wurde aus rechtlichen Gründen entfernt.