Neue Richtlinien zu Falschinformationen YouTube geht gegen prominente Impfgegner vor

Googles Videoplattform hat neue Richtlinien veröffentlicht, nach denen gefährliche Fehlinformationen zu Impfungen generell untersagt sind. Bisher galten die Regeln nur für Covid-Vakzinen.
Impfgegner in Australien: Wer behauptet, Corona werde durch 5G-Strahlung verursacht, fliegt von Googles Plattform

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Foto: Scott Barbour/ dpa

Die Videoplattform YouTube verschärft ihr Vorgehen gegen Impfgegner. Wie die Google-Tochter am Mittwoch mitteilte, werden fortan Videos gelöscht, in denen fälschlicherweise behauptet werde, zugelassene Impfstoffe seien gefährlich. YouTube beschränkt sich dabei nicht mehr nur auf Impfstoffe gegen das Coronavirus, wie es bisher der Fall war. Zukünftig gelten die Richtlinien für Vakzinen allgemein.

So ist es ab sofort nicht mehr erlaubt, fälschlicherweise zu behaupten, dass Impfstoffe gegen Masern oder Hepatitis B zu chronischen Gesundheitsschäden führen, heißt es in einem englischsprachigen Blogbeitrag von YouTube . Die neuen Regeln beziehen sich auf Impfstoffe, die von örtlichen Gesundheitsbehörden oder der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zugelassen und als »sicher und wirksam« eingestuft wurden. Das umfasst unter anderem Impfungen gegen Masern und Hepatitis B.

Kanäle prominenter Impfgegner entfernt

Wie mehrere Medien übereinstimmend berichteten, hat YouTube gleichzeitig auch mehrere reichweitenstarke Kanäle von prominenten Impfgegnern gelöscht. Darunter ist demnach unter anderem der Kanal von Joseph Mercola, der laut einer Studie zu den einflussreichsten Verbreitern von Corona-Falschinformationen  im englischsprachigen Raum gehört. Zeitweise soll er auf verschiedenen sozialen Netzwerken zusammen über drei Millionen Follower gehabt haben.

Auch der Kanal des prominenten Impfgegners Robert F. Kennedy Jr., Sohn von Robert F. Kennedy, wurde gesperrt. Kennedy gilt als Verbreiter von Verschwörungstheorien und veröffentlichte mit einer von ihm gegründeten Organisation im großen Stil Falschinformationen zu Impfungen. Einige seiner Verwandten haben sich öffentlich von ihm distanziert. (Lesen Sie hier mehr zu Robert F. Kennedy Jr.)

Experten für Desinformationen hatten YouTube immer wieder dafür kritisiert, dass sich über die Plattform falsche und irreführende Informationen zu Impfungen verbreiten und YouTube zu wenig dagegen unternehme.

Falschbehauptungen zu Autismus und Krebs untersagt

Gelöscht werden sollten nach den neuen Regeln unter anderem Videos, in denen fälschlicherweise behauptet werde, zugelassene Impfstoffe könnten zu Autismus, Krebs oder Unfruchtbarkeit führen, erklärte YouTube.

Allein seit dem vergangenen Jahr hat YouTube nach eigenen Angaben 130.000 Videos gelöscht, die gegen die spezifischen Regeln der Plattform zu Coronaimpfstoffen verstießen.

Onlineplattformen stehen unter Druck, gegen die Verbreitung von Falschinformationen vorzugehen – unter anderem mit Blick auf die Coronapandemie. YouTube sperrte diese Woche die deutschsprachigen YouTube-Kanäle des russischen Senders RT. Dabei ging es auch um Verstöße gegen Richtlinien zu Corona-Falschinformationen, allerdings um Richtlinien, die bereits länger existieren. Russland drohte in der Folge eine Blockade von YouTube sowie ähnliche Maßnahmen gegen deutsche Medien an. (Lesen Sie hier mehr zu dem Fall.)

hpp/afp/reuters
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