Anzeigenkunden empört Liebe Leserin, lieber Leser,

Foto: SPIEGEL ONLINE

wurden Sie heute schon von einer Kamera gefilmt? Wenn Sie zufällig an Bahnhöfen und Haltestellen unterwegs waren, ist das wahrscheinlich . Kommt zur Überwachung noch Gesichtserkennung hinzu, ist für viele eine Grenze überschritten. Heute Nachmittag und Abend protestieren deshalb die Aktivisten vom Bündnis "Endstation " am Bahnhof Berlin Südkreuz. Dort scannen seit August drei Kameras testweise die Gesichter von Passanten.

Während man in Berlin über einen Testlauf streitet, geht es auf der anderen Seite der Welt um mehr: Australien erwägt offenbar, den Zugang zu Gesichtserkennungsdaten seiner Bürger zu verkaufen.

Vergangene Aktion vom Bündnis "Endstation" am Südkreuz

Vergangene Aktion vom Bündnis "Endstation" am Südkreuz

Foto: Endstation.jetzt

Die australische Regierung hat sich erst kürzlich das Recht eingeräumt , unter anderem Ausweisfotos ihrer Bürger in Datenbanken zu speichern, etwa um Verbrecher zu entlarven. Wie der "Guardian" jetzt berichtet , verhandelt die Regierung wohl auch mit Firmen, die mit diesen Daten die Identität von Kunden bestätigen wollen. Der Staat könnte dafür eine Gebühr verlangen, heißt es. Ein Gefühl von Sicherheit vermittelt das nicht.

Verstörende YouTube-Videos und -Vorschläge

Jede Minute schaufeln Nutzer schätzungsweise 400 Stunden  Videomaterial auf YouTube. Derzeit hat die Plattform aber schwerwiegende Probleme, diese Flut an Material zu kontrollieren. Medien berichten , dass auch Pädophile YouTube für ihre Zwecke nutzen können.

YouTube-Logo

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Foto: © Lucy Nicholson / Reuters/ REUTERS

So finden sich offenbar etwa etliche Kommentare Pädophiler unter Videos planschender Kinder, oft hochgeladen von arglosen Eltern. Zudem liefert die Autovervollständigung bei zunächst unverfänglichen Suchanfragen problematische Vorschläge. Der englische Satz "how to have" wird laut "Buzzfeed"  etwa mit "how to have s*x with your kids" vervollständigt.

Der Konzern verspricht nun, schnell eine Lösung  für derartige Probleme zu finden, denn auch die Werbekunden machen Druck: Firmen wie Mars, Adidas und die Deutsche Bank kaufen "Bloomberg " zufolge bis auf Weiteres keine YouTube-Werbung.

Gute und schlechte Dystopien

Kürzlich hatte die Bundesnetzagentur Kinderuhren verboten, mit denen Eltern heimlich ihren Nachwuchs belauschen konnten . Wie wohl Eltern der Zukunft ihren Nachwuchs kontrollieren? Davon handelt eine Folge aus der neuen Staffel "Black Mirror", deren Trailer auf YouTube schon fast zwei Millionen Mal aufgerufen wurde. In der Episode pflanzt eine besorgte Mutter ihrer Tochter neuartige Technik in den Kopf - offenbar, um sie zu schützen.

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Wenn Sie "Black Mirror" kennen, wissen Sie: Das kann nicht gut enden. Pro Folge knöpft sich die Netflix-Serie eine Technologie vor und zeigt, was damit schiefgehen könnte. Zu vorhersehbar, zu überzeichnet, sagen einige meiner Freunde über die Serie. Ich dagegen kann die für nächstes Jahr angekündigte vierte Staffel kaum erwarten. Während manche Kolumnisten krude , undifferenzierte  Dystopien  der digitalen Gesellschaft zeichnen, beweist "Black Mirror" verblüffend viel Feingefühl für Risiken von übermorgen.

Seltsame Digitalwelt: Wir werden alle Podcaster

Viele Jahre lang hatte ich mich davor gedrückt, Sprachnachrichten am Smartphone zu verschicken - mittlerweile liebe ich sie. Mein Aha-Moment kam, als mir eine Freundin eine Sprachnachricht schickte, während im Hintergrund zufällig die Gitarrenakkorde irgendeiner CD plätscherten.

Durch die Musik klang die Sprachnachricht verblüffend kunstvoll, wie ein persönlicher Podcast. In den Wochen danach wurde es in meinem Freundeskreis zum Running Gag , während Sprachnachrichten möglichst absurde Musik spielen zu lassen, "Careless Whisper" zum Beispiel.

Ich glaube, Sprachnachrichten entwickeln sich zu einem neuen Audio-Genre. Sie machen uns zu Amateur-Podcastern, die persönliche Live-Produktionen an ihre Liebsten schicken, mal vom Bahnsteig aus, mal im Bett, mal atemlos, mal flüsternd.

App der Woche: "Portrait by imgl.y"

Foto: 9elements

Seit dem Hype um die Fotofilter-App "Prisma " gibt es jede Menge Nachahmer, die Selfies mit mehr oder weniger guten Filtern in Kunstwerke verwandeln sollen. Besonders gut gelingt das der App "Portrait".

"Portrait" erkennt automatisch die Konturen von Personen und rechnet den Hintergrund heraus; eine Internetverbindung ist nicht nötig. Die Filter werden in Echtzeit auf das Kamerabild gelegt - so können Nutzer schon nachjustieren, bevor sie das Foto knipsen.

Gratis von 9elements GmbH, ohne In-App-Käufe: iOS 

Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

  • Ist das noch Videospiel oder schon Glücksspiel?  (Deutsch, Lesezeit sechs Minuten)
    Ist das Glücksspiel, wenn Nutzer in Computerspielen Käufe tätigen können - und dafür mit Überraschungs-Preisen belohnt werden? Wie "Zeit Online" berichtet, wird genau das gerade in mehreren Ländern untersucht.
  • Besuch im neuen Facebook-Löschzentrum in Essen  (Deutsch, Lesezeit neun Minuten)
    Facebook will bis Ende des Jahres 500 neue Angestellte in Essen beschäftigen, um Beiträge zu überprüfen und zu löschen. Der deutsche Ableger von "Motherboard" hat sich vor Ort umgeschaut.
  • Fünfzig Jahre Blackbox  (Deutsch, Lesezeit 25 Minuten)
    Die Debatte über Algorithmen ist oft von Angst geprägt, es gibt das Schreckbild der diktatorischen, allmächtigen Algorithmen . Kathrin Passig zeichnet im Magazin "Merkur" ein anderes Bild - und gesteht, früher habe sie selbst zu den "Algorithmen-Mystifizierern" gehört.

Eine gute Woche wünscht Ihnen

Sebastian Meineck

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