Neue Maßnahmen YouTube setzt auf Texteinblendungen gegen Fake News

Nach Anschlägen oder Katastrophen präsentierte YouTube an prominenter Stelle immer wieder Videos mit Verschwörungstheorien. Neue Rankings und ein 25-Millionen-Dollar-Paket sollen Abhilfe schaffen.
YouTube-Logo

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Foto: Sophia Kembowski/ dpa

Nutzer der Videoplattform YouTube bekommen künftig einige Neuerungen zu sehen, die helfen sollen, Fake News einzudämmen. Das kündigte der YouTube-Mutterkonzern Google in einem Blogbeitrag  an.

YouTube will demnach Videos von verlässlichen Nachrichtenquellen prominenter anzeigen. Passieren soll das vor allem in Situationen, in denen die Nachrichtenlage noch unklar ist und Gerüchte schnell in Umlauf geraten, etwa unmittelbar nach einer Naturkatastrophe oder nach Schießereien.

Bisher hat YouTube in solchen Situationen oft Probleme: So waren beispielsweise kurz nach einem Attentat in Las Vegas mit Dutzenden Toten und zahlreichen Verletzten unseriöse Videos gut sichtbar für viele YouTube-Nutzer platziert. In den Videos wurde unter anderem die Theorie verbreitet, dass der Angriff auf einem Country-Musik-Festival sich überhaupt nicht ereignet habe und die Bilder Schauspieler zeigten, die alles nur vorspielten.

Weil es Zeit braucht, Videos zu produzieren, will YouTube künftig auf kurze Texteinblendungen etwa von etablierten Medien setzen. Sie sollen schon unmittelbar nach einem Ereignis über die Geschehnisse und den aktuellen Informationsstand informieren. Die Schnell-Texte sollen in der Videosuche auftauchen.

YouTube zeigte ein Beispiel-Foto mit einer Einblendung von Informationen der US-Zeitung "USA Today". Außerdem will YouTube Nutzer mit Warnungen darauf hinweisen, dass die Nachrichtenlage noch unübersichtlich ist und nicht alle nötigen Informationen bekannt sind.

25 Millionen Dollar für professionelle Videos

Es bleibt unklar, welche Nachrichtenquellen YouTube als verlässlich einstuft. Die Definition sei "fließend", auf keinen Fall sollten aber Popularitätswerte allein darüber entscheiden, teilte YouTube-Manager Neal Mohan mit. 10.000 Google-Mitarbeiter sollen Mohan zufolge die Suchergebnisse weltweit im Blick haben und verlässliche YouTube-Kanäle finden.

Die Videoplattform lobte zudem die Summe von 25 Millionen Dollar aus, um Probleme wie Desinformation innerhalb der nächsten Jahre anzugehen. Ein Teil des Geldes soll an Nachrichtenorganisationen weltweit fließen, damit diese ein funktionierendes Videoangebot aufbauen könnten.

Werbekunden wenden sich ab

YouTube hat schon länger Ärger mit wichtigen Werbekunden. In den vergangenen Jahren hatten sich einige Firmen beschwert oder gar Werbebuchungen zurückgeschraubt, weil ihre Anzeigen immer mal wieder auch vor problematischen Videos aufgetaucht waren, seien es Clips voll Hass und Hetze oder eben Videos mit Verschwörungstheorien. YouTube hatte auf diese Probleme unter anderem mit Anpassungen seiner Monetarisierungsregeln reagiert.

Außerdem hatte YouTube-Chefin Susan Wojcicki sogenannte "Information Cues" eingeführt. Sie sollen dem womöglich unbedarften Konsumenten umstrittener Videos zusätzliche Informationen zum Thema an die Hand geben. Die Textauszüge aus der Wikipedia und aus anderen Quellen stehen neben Videos, die beliebte Verschwörungstheorien verbreiten - zum Beispiel die, dass die Mondlandung nie stattgefunden hat.

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gru/AP