Nach gewalttätigen Protesten Google sperrt Anti-Islam-Video in bestimmten Staaten

Geschmacklos, aber kein Verstoß gegen Googles Hausregeln: Der Konzern sperrt YouTube-Nutzern in Libyen und Ägypten den Zugriff auf bestimmte Anti-Islam-Videos. Die US-Bürgerrechtsorganisation EFF kritisiert Googles Eingriff als "besorgniserregend".
Angriff auf US-Botschaft in Kairo: YouTube sperrt umstrittenes Video in Ägypten und Libyen

Angriff auf US-Botschaft in Kairo: YouTube sperrt umstrittenes Video in Ägypten und Libyen

Foto: Khaled Elfiqi/ dpa

"The Innocence of Muslims", die Unschuld der Muslime, so der Titel eines durchaus nicht unschuldigen Films, der den Propheten Mohammed abschätzig darstellt. In einigen Staaten gab es Proteste gegen das Video. Google räumt nun ein, dass man Zugriffe auf den Film in bestimmten Staaten sperrt, ohne dass ein Gericht derlei angeordnet hätte.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg zitiert die entsprechende Google-Mitteilung: Zwar verstoße der Inhalt des Films nicht gegen die YouTube-Richtlinien, doch "angesichts der sehr schwierigen Situation in Libyen und Ägypten" haben man in beiden Ländern "den Zugriff vorübergehend eingeschränkt" .

In Kairo hatten militante Islamisten die US-Botschaft belagert, im libyschen Bengasi wurde das US-Konsulat mit Raketen und Granaten angegriffen, US-Diplomat Chris Stevens, Mitarbeiter und libysche Sicherheitskräfte wurden getötet.

Einige US-Medien kritisieren die von YouTube verhängte Sperre. Auch wenn es sich angesichts der aufgeflammten antiamerikanischen Proteste ganz offensichtlich um einen Akt des guten Willens bei Google handle, werfe das Vorgehen des Unternehmens einige Fragen auf. Das US-Blog GigaOm zielt auf die Bereitwilligkeit ab, bestimmte Inhalte zu zensieren , selbst wenn es dazu weder von Seiten einer Regierung oder durch Gerichtsbeschluss aufgefordert worden sei  .

Auf den ersten Blick bestehe zwar ein Zusammenhang zwischen dem Videoclip und den gewalttätigen Protesten, aber mittlerweile würden sich die Hinweise verdichten, dass die Attacke auf das Konsulat in Bengasi im Voraus geplant gewesen sei. Offensichtlich handelte es sich bei dem tödlichen Anschlag auf den amerikanischen Botschafter um eine geplante Attacke von Qaida-Sympathisanten - unabhängig vom umstrittenen Film und den Protesten. Überdies sei die Sperre eines YouTube-Clips in bestimmten Ländern mit Leichtigkeit zu umgehen.

Die Bürgerrechtsorganisation EFF (Electronic Frontier Foundation) kritisiert  Googles Entscheidung. Die lokalen Sperrungen von Videos seien "besorgniserregend": "Es ist falsch, wenn Google hier Internet-Polizei spielt. Sie sollten nicht ohne eine gerichtliche Anordnung zensieren."

meu
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