Russischer Staatssender YouTube sperrt neuen Kanal von RT

Kurz nachdem ein neuer Kanal des russischen Staatssenders RT am Donnerstag auf Sendung ging, war er schon wieder offline. Die Betreiber hatten versucht, YouTubes Community-Richtlinien zu umgehen.
Screenshot des YouTube-Kanals »RT auf Sendung«: »Dieses Konto wurde gekündigt«

Screenshot des YouTube-Kanals »RT auf Sendung«: »Dieses Konto wurde gekündigt«

Foto: YouTube

Die Videoplattform YouTube hat am Donnerstagmorgen erneut einen Videokanal des deutschen Ablegers des russischen Staatssenders RT (früher Russia Today) gesperrt. Wie YouTube mitteilte, wurde »der neue Kanal ›RT auf Sendung‹ wegen der Verletzung der YouTube-Nutzungsbedingungen dauerhaft entfernt«. In einer Mitteilung des Senders heißt es, YouTube habe den Kanal »nach nur fünf Stunden Sendezeit« gelöscht.

Auf der deutschen Website von RT war der Start des neuen YouTube-Kanals am 11. Dezember angekündigt worden. »Nur noch fünf Tage, dann ist es so weit: Der deutschsprachige Ableger von RT geht auf Sendung«, hieß es in der Ankündigung. Das neue Format solle »das deutschsprachige Publikum mit der russischen Sichtweise auf wichtige Ereignisse vertraut« machen. Am Donnerstagmorgen hieß es von RT dann, der Sender gehe »gegen alle Widerstände auf Sendung«.

Wenige Stunden später war der Kanal dann schon nicht mehr auffindbar. Ruft man derzeit die zugehörige Kanalseite bei YouTube auf, erscheint nur eine weiße Seite und die Meldung: »Dieses Konto wurde gekündigt, da es gegen die Nutzungsbedingungen von YouTube verstoßen hat.«

RT hatte versucht, die Sperrung zu umgehen

»RT DE wurde im September auf YouTube für das Umgehen unserer Nutzungsbedingungen gekündigt«, erklärt ein YouTube-Sprecher das Vorgehen der Plattform. »Wenn ein Kanal gekündigt wird, darf der Kanalinhaber keine anderen YouTube-Kanäle nutzen, besitzen oder erstellen.«

Genau gegen jene Vorschrift hatte RT bereits zuvor verstoßen. Im September hatte YouTube den deutschen Kanal »RT DE« wegen des Verbreitens von Falschinformationen zur Coronakrise für eine Woche gesperrt. Als Folge konnten in diesem Zeitraum keine Videos mehr auf den Kanal hochgeladen werden. RT war als Reaktion auf die Sperre auf den Kanal »Der Fehlende Part« ausgewichen und hatte dort Videos veröffentlicht. Auch dieser Kanal wurde daher von YouTube gesperrt.

Beide Kanäle wurden von YouTube am 28. September gelöscht. Die Folge einer solchen Löschung ist laut YouTube, dass der Uploader der fraglichen Videos keine neuen Accounts oder Kanäle anlegen oder nutzen darf. Genau das sei jedoch geschehen, als »RT auf Sendung« gestartet wurde.

RT steht im Westen als Propagandainstrument des Kremls in der Kritik. Dem Sender wird vorgeworfen, im Auftrag des russischen Staats Verschwörungsmythen und Desinformationen zu verbreiten, gerade auch im Zuge der Coronakrise.

Nach der Löschaktion im September drohte Russland mit Vergeltungsmaßnahmen. Die russische Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor warf dem YouTube-Betreiber Google Zensur vor. Sie forderte das US-Unternehmen auf, die Sperrung aufzuheben. Andernfalls könnten »Maßnahmen zur vollständigen oder teilweisen Beschränkung« gegen die Plattform getroffen werden.

mak
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