YouTube-Star Bibi "Daran ist doch nichts verwerflich"

YouTuberin Bibi ist dick im Werbegeschäft - und steht in der Kritik, weil sie die Konsumwünsche ihrer jungen Fans prägt. Im Interview verteidigt sie ihre Produktplatzierungen, ihre Duschschaum-Serie und das "Bibi-Phone".
YouTuberin Bibi: "Das Produkt muss zu mir passen"

YouTuberin Bibi: "Das Produkt muss zu mir passen"

Foto: Youtube/ BibisBeautyPalace

Es läuft bei ihr. Der Videokanal von YouTuberin Bibi  wächst und wächst, die Werbewirtschaft steht Schlange, damit Bibi Produkte unters Volk bringt. Von ihren mittlerweile 2,6 Millionen Abonnenten ist ein Großteil im Kinder- und Teenageralter.

Und Bianca Heinicke, wie Bibi richtig heißt, reizt das Spektrum aus. Die 22-Jährige zeigt Einkäufe in sogenannten "Haul"-Videos, platziert Produkte in vielen Clips und reist, gesponsert von einem Reiseveranstalter, durch die Welt beziehungsweise in die Ferienanlagen ebenjenes Konzerns. (Hier lesen Sie mehr zum "Bibi-Business".)

Bibi hat großen Einfluss auf ihre jungen, meist weiblichen, Fans und auf das, was sie kaufen. Auf einer Marketing-Konferenz in Berlin, wo sie als Prototyp des "digital influencers" gefeiert wird, ist sie zum Interview bereit.

Neben ihr sitzt ihr Freund Julian, der sich auf YouTube Julienco nennt und mit dem sie oft Videos zusammen macht. Wenn die Fragen kritisch werden, mischt er sich ein. Sie sagt zur Begrüßung: "Bitte duzen." Na gut.

SPIEGEL ONLINE: Bibi, du verkaufst eine eigene Duschschaum-Serie, Sony vertreibt ein "Bibi-Phone". In deinen Videos machst du Werbung für einen Reiseveranstalter, Brausepulver, Binden. Was würdest du nicht bewerben?

Bibi: Das Produkt muss zu mir passen und mir gefallen. Und ich muss das Gefühl haben, dass es meinen Zuschauern auch gefallen wird.

Zur Person

Bianca Heinicke, 22, macht auf ihrem YouTube-Kanal BibisBeautyPalace seit drei Jahren Videos für Jugendliche und Kinder. Sie präsentiert Einkäufe, gibt Mode- und Stylingtipps oder albert mit ihrem Freund herum - die beiden produzieren die Videos komplett selbst. Ihr Studium der Sozialwissenschaften brach Bibi für die YouTube-Karriere ab.

SPIEGEL ONLINE: Das Bibi-Phone klingelt mit dem von dir eingesprochenen Satz: "Hey, geh schnell ran, schnell, sonst legt er wieder auf". Das gefällt Dir?

Bibi: Ach, für das Telefon habe ich spontan mehr als 20 Sätze aufgenommen, und einige davon wurden dann eben aufs Handy gespielt.

SPIEGEL ONLINE: Jedes Produkt, das die Werbefigur Bibi präsentiert, findet Bianca Heinicke also gut?

Bibi: Es gibt keine unterschiedlichen Figuren, ich bin immer ich selbst. Und ich bekomme sehr viele Anfragen von Firmen und Agenturen. Wenn ein Produkt nicht gut zur Zielgruppe und zu mir passt, gehe ich solche Kooperationen nicht ein.

SPIEGEL ONLINE: Deine Zielgruppe ist sehr jung, du hast großen Einfluss auf das, was sie kaufen. Ein Beispiel: Als du in einem Video kürzlich deine beide Duschschäume in den Duftnoten "Tasty Donut" und "Creamy Mandarin" vorgestellt hast, schrieb darunter jemand diesen Kommentar : "OMG ernsthaft ein Donut Geruch? _ Ich LIEBE dich Bibi! Du bist unglaublich stark & ich bewundere dich einfach. Ich werde dein Produkt überall teilen & weiterempfehlen, ich würde für dich alles tun, DU bist mein grosses Vorbild! :)"

Bibi: Ja, das ist sehr süß. Was soll ich dazu sagen?

SPIEGEL ONLINE: Bekommt man dabei kein mulmiges Gefühl?

Bibi: Nein, ich freue mich darüber, dass ihr das Produkt gefällt. Wenn man so sehr von den Fans unterstützt wird, ist das ein tolles Gefühl.

Fotostrecke

Produkte auf YouTube: Bibi holding things

Foto: Youtube/ BibisBeautyPalace

SPIEGEL ONLINE: Wenn man den Kommentar liest, kann man denken: Der Donut-Geruch ist eigentlich egal, dieses Mädchen findet dich so toll, dass sie alles kauft, was du in die Kamera hältst.

Julian, Bibis Freund, mischt sich ein: Es gibt beim Duschschaum ja zwei Duftrichtungen, und das Mädchen spricht nun einen an. Der wird ihr einfach gefallen haben.

Bibi: Stimmt, ich verstehe es so: Sie unterstützt mich gern und findet toll, was ich gerade mache.

SPIEGEL ONLINE: Immer wieder gibt es Kritik, dass du mit deinen Videos vor allem Kindern etwas verkaufst. Jan Böhmermann hat dir das ganz direkt vorgeworfen.

Bibi: Ja, der hat schon ein paar Videos zu dem Thema gemacht.

SPIEGEL ONLINE: Es geht etwa um eine 250-Euro-Uhr, die du in einem Video präsentiert hast.

Bibi: Ja (zeigt auf ihr Handgelenk), diese hier.

SPIEGEL ONLINE: Böhmermann rechnete vor, dass du über Kauflinks von deinem YouTube-Kanal aus eine Provision von zehn Prozent für jede verkaufte Uhr bekommst. Seine Kritik: Du verdienst viel Geld, indem du junge Fans zum Konsum anstiftest.

Julian: Dann wären wir ja Multimillionäre.

Bibi: Wenn die Rechnung so stimmen würde, dann wäre ich sehr glücklich. Da ist nicht alles richtig, bei dem, was Böhmermann gesagt hat.

SPIEGEL ONLINE: Sondern?

Bibi: Man muss sich nur einmal die Werbung auf kinderaffinen TV-Sendern anschauen. Darüber empört sich zwar kein Mensch, aber ich persönlich finde das schlimmer als das, was ich in meinen Videos mache. Ich zeige und empfehle nur Produkte, die ich gut finde, und das teilweise eben in Kooperation. Daran ist doch nichts verwerflich. Die Leute können sich selbst ihr Urteil über das Produkt bilden.

SPIEGEL ONLINE: Kann man das als glühender Bibi-Fan mit 11 Jahren wirklich?

Bibi: Bei Minderjährigen kommen ja immer noch die Eltern ins Spiel. Die sollten darauf ein Auge haben und ganz grundsätzlich darüber im Bilde sein, was Kinder im Internet treiben.

SPIEGEL ONLINE: Bei Kindern und Teenagern ändern sich die Geschmäcker recht schnell. Keine Sorge, dass sich viele Fans bald erschrecken und denken, was hat mir mein Idol Bibi bloß untergejubelt?

Bibi: Nein, keine Sorge. Mir ist doch klar, dass in fünf Jahren viele meiner heutigen Fans andere Dinge gut finden werden.

SPIEGEL ONLINE: Wie geht es dann für Dich weiter? Ab ins Fernsehen?

Bibi: Das habe ich schon mehrmals gemacht, Moderation macht mir Spaß. Es ist aber auch eine Zeitfrage, Fernsehen ist wahnsinnig zeitintensiv. Und: Ich möchte mehr von der Welt sehen. Julian und ich lieben es zu reisen.

SPIEGEL ONLINE: Dann wieder gesponsert? Ihr seid ja in einem Deal mit einem Reiseveranstalter für Videos unter anderem in die Türkei und auf die Malediven gereist.

Bibi: Wenn es dabei neue Reiseziele gibt, und uns die Orte gefallen - wieso nicht?

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