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26. November 2018, 16:44 Uhr

Debatte ums Urheberrecht

Liebe Leserin, lieber Leser,

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immer wieder kommen Kollegen zu uns ins Netzwelt-Ressort und berichten von alarmierten Teenager-Kindern: YouTube werde bald dichtgemacht, erzählen sie am Abendbrottisch, ob denn Mama oder Papa nichts unternehmen wollten gegen den fiesen Artikel 13?

Es geht dabei um einen Teil der geplanten EU-Urheberrechtslinie, und so trocken das klingt, so sehr ist es gerade Thema auf YouTube und auf den Schulhöfen. Das liegt vor allem an Web-Stars mit teils Millionen Abonnenten, die auf der Videoplattform Stimmung machen gegen besagten Artikel.

Der Artikel ist Firmen wie der Google-Tochter YouTube ein Ärgernis, denn er könnte sie haftbar für die Urheberrechtsverletzungen ihrer Nutzer machen und dazu führen, dass sie die Inhalte schon beim Hochladen auf mögliche Rechteverletzungen filtern müssen. Solche sogenannten Upload-Filter sind fehleranfällig und umstritten - auch hier in der Netzwelt werden sie skeptisch gesehen.

Vor dem Wochenende hat der YouTuber Julien Bam anlässlich seines 30. Geburtstags ein aufwändig gemachtes und bereits jetzt über eine Million Mal aufgerufenes Video veröffentlicht, in dem er sich von seinen jungen Zuschauern Protest gegen den Artikel 13 wünscht. Ähnlichen Widerstand gibt es schon: in Videos und sozialen Netzwerken, in Kommentaren und Demonstrationen und einer millionenfach unterzeichneten Petition zur "Rettung des Internets".

Alles Panikmache, beschwichtigen viele und empören sich: YouTube spanne die Idole der Jugendlichen für Lobbyarbeit ein. Tatsächlich konfrontiert YouTube seine Videomacher offensiv mit dem Thema, wie eine E-Mail zeigt, die Webstar LeFloidvergangene Woche veröffentlicht hat: "Kannst du dir ein Internet vorstellen, in dem niemand mehr deine Videos sehen kann?" heißt es darin, "ein Internet ohne deine Lieblings-YouTuber?" Auch auf Instagram schaltet YouTube gerade Anzeigen zum Thema.

Fakt ist: Auch wenn es unrealistisch ist, dass YouTube in Europa dicht macht, so weiß noch niemand genau, welche konkreten Auswirkungen die Änderungen und Upload-Filter haben werden. Was auch daran liegt, dass die Richtlinie noch gar nicht fertig ist. Deswegen wird ja lobbyiert.

Was also können Eltern ihren Kindern überhaupt antworten?

Am besten informiert man sich erst einmal gemeinsam: vielleicht bei Julien Bam oder dem Lieblings-YouTuber, aber auch bei Europaabgeordneten wie etwa Tiemo Wölken (SPD), der ein eigenes Video zum Thema gemacht hat - mit weniger Klicks, aber mehr Details. Bei der EU-Abgeordneten Julia Reda von den Piraten lässt sich nachlesen, was es im Detail mit diesem Artikel 13 auf sich hat. Für einen ersten Überblick sind Erklärvideos wie dieses von MrWissen2go sehenswert.

Mein Kollege Patrick Beuth hat bereits Anfang des Monats aufgeschrieben, was hinter der Aufregung steckt, den Artikel finden Sie hier. Schon damals hatten einige YouTuber Videos zum Thema ins Netz gestellt.

Gut informiert lässt sich dann offen und differenziert über das Thema sprechen - und zwar ohne, dass schon vorher ein Urteil feststeht. Viel Spaß also bei der familiären netzpolitischen Debatte und Meinungsbildung!

Seltsame Digitalwelt: Bitcoin in Bayern
eine Anekdote von Patrick Beuth

Ein Hotel in den bayerischen Voralpen: Landhausstil, viel Teppich und Sitzpolster aus den Achtziger oder Neunzigerjahren. Am Empfang liegen Stadtpläne (ja, auf Papier!) und ein Stapel Aufkleber, darauf der Satz "Wir nehmen auch Bitcoin".

Mutig, dachte ich. Für Hoteliers ist die volatile virtuelle Währung sicher schwierig zu handhaben, und wie viele Gäste sich wohl darauf einlassen, ausgerechnet hier?

Auf meine Frage, was es mit dem Aufkleber auf sich hat, bekam ich eine vollkommen einleuchtende Antwort: "Ist nur ein Spaß."


App der Woche: easyUp
getestet von Tobias Kirchner

Kommunikation innerhalb größerer Gruppen ist manchmal schwer zu organisieren. Die App easyUp macht es ein bisschen leichter und konzentriert sich auf Videos. In den erstellten Gruppen lassen sich Clips teilen, die anderen Mitglieder können dann direkt antworten. Dabei erinnert die App an die Stories von Instagram, nur bleiben die Clips einem ausgewählten Kreis vorbehalten.

Die Videos dürfen dabei bis zu fünf Minuten lang sein. easyUp fokussiert sich auf das Nötigste - so ist es leicht, die Übersicht zu behalten. Das Angebot richtet sich vorwiegend an Unternehmen, ist aber auch für Familien oder private Projekte interessant.

Gratis von Great Bytes Software, ohne In-App-Käufe: iOS, Android


Fremdlinks: Drei Tipps aus anderen Medien

Ich wünsche eine anregende Woche,

Ihre Judith Horchert

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