In der Schweiz veröffentlichen Menschen jetzt freiwillig ihr Gehalt, um gegen ungleichen Lohn zu protestieren

Vier Fragen, vier Antworten

Dieser Beitrag wurde am 24.09.2018 auf bento.de veröffentlicht.

Würdest du dein Gehalt öffentlich im Internet posten? Das eigene Gehalt preiszugeben oder das von anderen zu erfragen ist häufig ein Tabuthema – in Deutschland, aber auch in der Schweiz. 

Das Projekt "Zeig deinen Lohn " möchte das jetzt ändern und ruft Schweizerinnen und Schweizer dazu auf, öffentlich zu machen, wie hoch ihr Lohn ist.

Was ist "Zeig deinen Lohn" genau ?

"Zeig deinen Lohn" ist ein Projekt der kantonalen Gewerkschaftsbünde in Zürich und Schaffhausen. Die Kampagne wird von mehreren Organisationen  unterstützt.     

Auf einer Onlineplattform können Menschen freiwillig ihr Gehalt öffentlich machen. Dafür laden sie zusätzlich ein Bild von sich hoch und geben ihre Berufsbezeichnung an. 

Auf der Website sind schon zahlreiche Gesichter zu sehen: Vom Maurer bis zur Managerin ist alles dabei. Egal ob Schreinerin oder Projektleiter – alle Branchen und Einkommensklassen sollen auf der Plattform vertreten sein.

So schreibt Jerome , dass er als Elektroingenieur 8000 Franken verdient:

Anna , dass sie als Dekorationsgestalterin 4000 Franken bekommt:

Und Anne-Sophie  2300 Franken als Praktikantin für Heil- und Sozialpädagogik. 

Am 23. August 2018 ging die Kampagne online. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich schon über einhundert Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gefunden, die sich bereiterklärten, ihren Lohn offenzulegen. (zeigdeinenlohn.ch )   

Warum gibt es die Onlineplattform?

Das Projekt setzt sich gegen Lohndiskriminierung ein und fordert mehr Transparenz. Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass Lohndiskriminierung verhindert werden könne, wenn mehr über Löhne geredet  werden würde. 

Unser Mittel ist der kollektive Tabubruch: Gemeinsam mit vielen anderen Beschäftigten machen wir unsere Löhne transparent und rufen dazu auf, es uns gleich zu tun

Isabelle Lüthi, Kampagnenleiterin

Lohndiskriminierung betrifft in den meisten Fällen Frauen. Selbst wenn Faktoren wie die Branche oder Stellung im Unternehmen miteinbezogen werden, verdienen Frauen in der Schweiz noch immer sieben bis acht Prozent weniger als Männer. (Neue Züricher Zeitung 

Am Wochenende hatten in Bern etwa 20.000 Menschen auf einer nationalen Kundgebung für Lohngleichheit und Diskriminierung demonstriert. (Schweizer Radio und Fernsehen )
Kurz zuvor hatte der Nationalrat eine parlamentarische Initiative für mehr Lohntransparenz abgelehnt. (Schweizer Parlament )

Auch "Zeig deinen Lohn" war auf der Demonstration vertreten. 

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In der Schweiz berät der Nationalrat heute über Maßnahmen für Lohngleichheit. Die Demonstrierenden in Bern fordern obligatorische Lohnkontrollen und Sanktionen für Firmen, die diese nicht durchführen wollen.     

Aber das Projekt "Zeig deinen Lohn" will nicht nur auf Lohndiskriminierung zwischen Mann und Frau hinweisen, sondern auch auf Ungleichheit zwischen Schweizern und Nicht-Schweizern, Teilzeit- und Vollzeit-Angestellten oder völlig willkürliche Unterschiede. 

Die Macherinnen und Macher der Kampagne sind der Ansicht, dass Lohndiskriminierung jeden treffen könne. Umso wichtiger sei es deshalb, über den eigenen Lohn zu sprechen und "das Lohntabu zu brechen ". 

Müssen die Menschen auf der Plattform nachweisen, wie hoch ihr Lohn ist?

Nein, den Angaben der Personen, die freiwillig ihre Daten offenlegen, kann das Projekt nicht nachgehen. Dennoch geben die Verantwortlichen an, die Inhalte auf ihre Glaubhaftigkeit zu prüfen. Die Teilnahme am Projekt erfolgt mit dem eigenen Namen und ist nur mit einem Foto möglich, auf dem die Person gut erkennbar ist. Im Zweifelsfall würde das Projekt auf die Publikation verzichten. (zeigdeinenlohn.ch )

Wie sieht es in Deutschland aus?

Anfang des Jahres ist in Deutschland das "Gesetz zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen" beschlossen worden. (bento

Das bedeutet: Arbeitgeber mit mehr als 200 Beschäftigten müssen seitdem auf Nachfrage erklären, nach welchen Kriterien sie ihre Angestellten bezahlen. Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten müssen zudem regelmäßig über den Stand der Gleichstellung berichten.

Dass das Gesetz tatsächlich für mehr Gleichberechtigung und Transparenz sorgt, sehen aber nicht alle so. Da der Auskunftsanspruch erst ab 200 Beschäftigten gültig wird, gilt das Gesetz für viele Betriebe nicht. Außerdem sorgt es nur für einen möglichen Vergleich der Gehälter und nicht dafür, dass gleiche Arbeit auch wirklich gleich bezahlt wird. (bento)

In diesem Hamburger Unternehmen verdienen alle das Gleiche.

Auch der Chef!


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