Fotostrecke

Rückzug aus China: Blumen für Google

Foto: Friso Gentsch/ dpa

Zensurstreit Google will sich angeblich bald aus China zurückziehen

Zuspitzung im Streit um Hackerattacken und Zensurbestimmungen: Einem chinesischen Medienbericht zufolge will sich Google schon bald aus China verabschieden. Ein Schritt, bei dem es nur Verlierer gäbe.

Shanghai - Google plant angeblich, seine Geschäftstätigkeiten in China am 10. April einzustellen. Das berichtet die "China Business News" am Freitag. Die Zeitung beruft sich dabei auf einen nicht benannten Mitarbeiter einer chinesischen Werbeagentur, die mit Google zusammenarbeitet. Derselbst machte jedoch keine Angaben dazu, ob Google sich vollständig vom wichtigen chinesischen Markt zurückziehen oder nur einige Unternehmensteile schließen will. Ein namentlich nicht genannter Google-Mitarbeiter sagte der Zeitung, das Unternehmen könnte bereits am kommenden Montag Details bekanntgeben.

Eine Unternehmenssprecherin von Google in China, Marsha Wang, wollte den Zeitungsbericht nicht kommentieren. Es gebe derzeit keinen neuen Stand in den Beziehungen zwischen Google und den chinesischen Behörden, sagte sie der Nachrichtenagentur AFP.

Google hatte im Januar nach mutmaßlichen Hackerangriffen aus China damit gedroht, sich vom chinesischen Markt zurückzuziehen und seine chinesische Suchmaschine nicht mehr den Zensurbestimmungen der Volksrepublik zu unterwerfen. In China herrscht eine strenge Internetzensur. Auf viele ausländische Seiten wie das Internet-Netzwerk Facebook und das Video-Portal YouTube können chinesische Internetnutzer nicht zugreifen.

380 Millionen potentielle Google-User

Umgesetzt hat Google seine Drohungen bislang jedoch nicht, beließ es bei einem Säbelrasseln und hält sich bei der Präsentation von Suchergebnisse im chinesischen Teil des Internet offenbar immer noch an die Zensurvorgaben der Regierung in Peking. Gerüchte, Google werde seine Drohung wahr machen, sich tatsächlich von China abwenden, tauchten seither immer wieder auf.

Für das amerikanische Internetunternehmen wäre ein Rückzug aus China eine enorme Schlappe und ein Schritt, der dem Unternehmen langfristig den Zugang zu einem der wichtigsten Märkte der Welt verschließen könnte. Schon jetzt sind rund 380 Millionen Chinesen online, bilden eine gewaltige Zielgruppe für die Online-Werbung, mit der Google sein Geld verdient.

Anders als in den meisten Teilen der Welt ist Google in China allerdings nur die Suchmaschine Nummer 2. Marktführer ist die chinesische Suchmaschine Baidu, die 60 Prozent Marktanteil für sich verbucht. Von einem Rückzug Googles würde vor allem Baidu profitieren. Allerdings wurden auch schon Gerüchte laut, Microsoft spekuliere darauf, mit seiner Suchmaschine Bing den Platz von Google in China einnehmen zu können, falls das Unternehmen seine Rückzugsdrohung umsetzt.

Es gibt keine Gewinner

Edward Yu, Präsident des chinesischen Marktforschungsunternehmens Analysys International, fürchtet allerdings, ein möglicher Weggang Googles könne zu einem "lose-lose scenario" führen, hätte also nur Verlierer und keinen Gewinner zur Folge. Unter anderem deshalb, weil Chinas Netz-Nutzern damit der Zugang zu Google-Angeboten wie Google Maps verschlossen würde.

Vor allem aber fürchten Branchenkenner, Googles Abkehr vom chinesischen Markt könne die Entwicklung der dortigen Internetwirtschaft nachhaltig bremsen. Viele Start-ups, die sich zurzeit aus Einnahmen über Google Adwords finanzieren, würden dadurch von ihrer wichtigsten Einnahmequelle ausgeschlossen werden. Zudem könnte ein Weggang Googles die Entwicklung eigener, chinesischer Suchmaschinen und Webangebote ausbremsen, weil ohne den US-Konzern der für solche Entwicklungen nötige Konkurrenzdruck fehlt, fürchtet Analyst Yu.

Eine fette Leitung nach Asien

Noch aber basieren solche Szenarien nur auf unbestätigten Meldungen. Dass Google durchaus daran gelegen wäre, weiterhin in China präsent zu sein, zeigt sich nicht nur darin, dass das Unternehmen seine Rückzugsdrohungen bis heute, zwei Monate nach den angeblichen Hackerangriffen gegen Google aus China, nicht wahrgemacht hat.

Auch eine aktuelle Meldung vom Freitag untermauert, wie wichtig dem Internet-Konzern seine Präsenz in Asien ist. Laut cnet  nämlich steht eine neuen Daten-Pipeline, welche die USA und Asien miteinander verbindet, kurz vor der Indienststellung. Mit Transferraten von bis zu 7.68 Terabit pro Sekunde soll sie den Datenverkehr zwischen den Kontinenten erheblich beschleunigen. Google hat sich an dem 300-Millionen-Dollar-Projekt mit einer nicht genannten Summe beteiligt, um sicherzustellen, dass der Suchmaschine 20 Prozent des dadurch zur Verfügung stehenden Übertragungsvolumens übertragen werden. Auch das ist ein Statement.

mak/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.