Zoom-Filter in Videoanhörung Anwalt beteuert: »Ich bin keine Katze«

Gerichtliche Anhörungen über die Video-App Zoom sind in den USA derzeit nicht außergewöhnlich. Außer, wenn ein Jurist den Katzenfilter nicht deaktiviert bekommt. Dann werden sie zu Comedygold.
»Können Sie mich hören, Herr Richter?« – Anwalt Rod Ponton (unten rechts)

»Können Sie mich hören, Herr Richter?« – Anwalt Rod Ponton (unten rechts)

Foto: 394th District Court of Texas / YouTube

Der Anwalt Rod Ponton ist unfreiwillig berühmt geworden, innerhalb von nur 48 Sekunden. So lange dauert das YouTube-Video eines texanischen Gerichts , das seit Dienstag um die Welt geht.

Zu sehen ist eine über die Software Zoom geführte gerichtliche Anhörung, wie es sie während der Coronavirus-Pandemie in den USA oft gibt. Doch Staatsanwalt Ponton, der den Bundesstaat Texas vor Gericht gegen einen Schmuggler vertrat, war zunächst nicht selbst zu sehen. Stattdessen beteuerte ein Kätzchen mit Pontons leicht verzweifelt klingender Stimme und großen, traurigen Augen: »Ich bin wirklich hier, ich bin keine Katze.«

Er habe den Computer seiner Assistentin genutzt, sagte Ponton später der »New York Times« . Sie habe einen Filter für Zoom-Gespräche eingestellt, der über das jeweilige Gesicht vor der Webcam das Katzengesicht legt. Die Mimik wird dabei in Echtzeit angepasst.

Richter Roy Ferguson wies den Anwalt schon zu Beginn darauf hin: »Mr Ponton, ich glaube, Sie haben einen Filter eingestellt. Den wollen Sie vielleicht ...«

»Aaaah«, antwortet der Anwalt zunächst, offenbar peinlich berührt. »Können Sie mich hören, Herr Richter?« Er wisse nicht, wie man den Filter entfernt. »Meine Assistentin versucht es schon, aber ... aaaah.«

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Der Vorfall erinnert an eine Pressekonferenz der kanadischen Polizei sowie den Auftritt eines pakistanischen Provinzpolitikers im Jahr 2019. In beiden Fällen war Facebooks Katzenfilter in der Liveübertragung aktiv und legte den sprechenden Personen spitze Ohren und Schnurrhaare an.

Richter teilt das Video auf Twitter

Was die Zoom-Anhörung zum Comedygold macht, ist das Timing aller Beteiligten: Erst setzt einer der beiden weiteren Teilnehmer seine Brille auf, um besser sehen zu können, was vor sich geht. Der andere zeigt sich zunächst vollkommen unbeeindruckt, er scheint mit seinem Smartphone beschäftigt zu sein, sein Gesicht bleibt todernst. Erst als Ponton versichert, mit der Anhörung fortfahren zu wollen und keine Katze zu sein, blickt er auf und fängt an zu lachen.

Nach weniger als einer Minute, sagte Ponton der »New York Times«, habe er den Filter dann doch noch deaktivieren können.

Das Video ist nicht nur auf dem offiziellen Kanal des Gerichtsbezirks zu sehen. Richter Ferguson, der anders als Ponton ein Twitterkonto hat, verbreitete es auch selbst , zusammen mit dem Hinweis, solche lustigen Momente seien »ein Nebenprodukt der Hingabe seines Berufsstands, um das Justizsystem auch in so harten Zeiten am Laufen zu halten«.

Auch Ponton zeigte wahre Größe: »Wenn ich dafür sorgen kann, dass das Land in diesen schwierigen Zeiten etwas zum Schmunzeln hat, dann darf das gern auf meine Kosten stattfinden.«

pbe
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