Zoom Polizei ermittelt wegen Kinderpornografie in Videokonferenzen

Zoom-Videochats werden immer wieder von Fremden gestört, die pornografische, gewaltverherrlichende oder rechtsextreme Inhalte in die Konferenzen einspielen - auch in Deutschland. Jetzt reagieren die Behörden.
Zoom-Nutzerin (Archivbild)

Zoom-Nutzerin (Archivbild)

Foto: Niccoló Pontigia / EyeEm/ Getty Images

Seit Beginn der Corona-Pandemie erlebt die kalifornische Videochat-App Zoom einen Boom: Unternehmen, Universitäten und auch Schulen nutzen das Angebot für Unterricht und Besprechungen. Gleichzeitig gab es immer wieder Kritik wegen sicherheitsrelevanter Schwachstellen. Eine davon ermöglicht das sogenannte Zoombombing.

Dazu nutzen Unbefugte öffentlich geteilte Links zu einer Videokonferenz, um sich in diese einzuwählen. Dann rufen sie für alle Konferenzteilnehmer hörbar Beleidigungen oder teilen ihren Bildschirm für alle sichtbar, um zum Beispiel Pixel-Penisse zu malen oder schockierende Videos abzuspielen. Um solche Troll-Anrufer aus einem Zoom-Chat rauszuschmeißen, sind mehrere Mausklicks nötig. Das kann eine Weile dauern.

Im April störten Unbekannte eine Online-Gedenkveranstaltung der Israelischen Botschaft in Berlin mit Pornos und Hitlerbildern. Und im Mai wurde offenbar der Zoom-Unterricht für eine Hamburger Gymnasialklasse durch ein plötzlich eingeblendetes Hakenkreuz unterbrochen, meldete die "Hamburger Morgenpost" . In anderen Fällen wurden durch Zoombomber offenbar auch in Deutschland Aufnahmen von sexualisierter Gewalt an Kindern in Videochats abgespielt. In mindestens 16 Fällen wird deshalb polizeilich ermittelt, berichtet das Onlinemagazin "Vice ".

Teils minderjährige Täter

Ende April beispielsweise sei eine Veranstaltung eines Berliner Thinktanks per Zoombombing gestört worden. Vermutlich waren die Täter auf die Videokonferenz mit rund 60 Teilnehmern aufmerksam geworden, weil die Veranstalter den Link zu der Besprechung auf Twitter geteilt hatten. Diese Praxis ist gerade bei Besprechungen üblich, die eigentlich öffentlich stattfinden sollten, aufgrund der Corona-Pandemie aber als Videokonferenz abgehalten werden.

"Wir sind zutiefst bestürzt, von dieser Art von Vorfällen zu hören. Zoom verurteilt ein solches Verhalten auf das Schärfste", erklärte eine Zoom-Sprecherin. Man empfehle allen Nutzerinnen und Nutzern von Zoom, die Accounts hinter Zoombombing-Angriffen über eine spezielle Funktion in dem Programm zu melden. Zoom arbeite eng mit den Strafverfolgungsbehörden zusammen, um Vorfälle aufzuklären.

Laut "Vice"-Recherchen verabreden sich die Täter auf Chat-Plattformen wie Discord in speziellen Kanälen mit teilweise über tausend Mitgliedern. Dort würden auch Links zu öffentlichen Zoom-Konferenzen geteilt. Diese Links würden teilweise mithilfe von Bots gesammelt. Manche Mitglieder besagter Chat-Kanäle seien nach eigenen Angaben noch minderjährig. Regelmäßig würden dort auch sexistische, rassistische und antisemitische Inhalte gepostet.

So kann man Zoom-Chats absichern

Um Zoombombing zu verhindern, bietet Zoom mehrere Funktionen an, die aber offenbar nicht von allen Nutzerinnen und Nutzern berücksichtigt werden. Eine Schutzmaßnahme ist beispielsweise der sogenannte Warteraum. Bei diesem Feature schalten diejenigen, die eine Besprechung organisieren, alle Konferenzteilnehmer einzeln frei. Laut Vice passiert es allerdings gerade bei großen Konferenzen, dass die Organisatoren eines Anrufs die Störer unabsichtlich zulassen. Diese könnten zum Beispiel generische Nutzernamen wie "iPhone 7" wählen, um nicht aufzufallen.

Eine weitere Möglichkeit, sich vor Zoombombing zu schützen: Die Funktion deaktivieren, die ermöglicht, dass jeder Teilnehmer einer Besprechung seinen oder ihren Bildschirm teilen kann. Dies ist in der Gratisversion sowie in der günstigen Bezahlvariante Zoom Pro inzwischen die Voreinstellung. Ausgerechnet in den beiden teuren Bezahltarifen Business und Enterprise ist diese Option aber so voreingestellt, dass jeder Teilnehmer seinen Bildschirm mit allen anderen Teilnehmern teilen kann.

Diese Einstellung hat allerdings nur Auswirkungen, wenn sie von denjenigen vorgenommen wird, die einen Zoom-Anruf organisieren. Dazu ist ein Account bei Zoom notwendig. Wer keinen Account hat und nur an einem Anruf teilnimmt, kann die Bildschirmfreigabe für Fremde auf diese Weise nicht blockieren.

Wer seine Zoom-Einstellungen prüfen will, muss sich dafür auf der Zoom-Website in seinen Account einloggen. Dann wählen Sie unter dem Reiter In Meeting (Grundlagen) bei Wer kann freigeben den Button Nur Host aus. Während eines bereits laufenden Anrufs ändern Sie diese Einstellungen durch einen Klick auf die Schaltfläche Sicherheit und deaktivieren den Haken hinter Bildschirm freigeben.

Eine Zoom-Sprecherin empfiehlt Nutzern, die große und öffentliche Veranstaltungen ausrichten, die Webinar-Funktion von Zoom zu nutzen, um sich zusätzlich vor Zoombombing zu schützen. Bei Webinars legen die Organisatoren eines Anrufs vorher fest, wer Teilnehmer und wer Panelist bzw. Redner ist. Nur die Panelists können ihren Bildschirm freigeben, andere Teilnehmer können nur zuschauen.

hpp
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