Zügel für das Web Iran verbietet Highspeed-Internet

Um "schädliche westliche Einflüsse" einzudämmen, hat Irans Regierung schnelle Internetverbindungen verboten. Nicht nur Surfer sollen ausgebremst werden, sondern vor allem die Opposition.

Teheran - Präsident Mahmud Ahmadinedschad macht es seinen Fans im eigenen Land nicht leicht: Die Leser seines Weblogs müssen sich künftig in Geduld üben - die Ladezeiten der Webseite haben sich verlängert, der Download jedes multimedialen Elementes dauert länger als zuvor. Per Schreiben an Irans Serviceprovider hat die Regierung Anfang der Woche das Zeitalter breitbandiger Internetverbindungen gestoppt. Die Provider werden verpflichtet, die Anbindung ihrer Kunden ans Web auf maximal 128 kbit herunter zu bremsen: Das entspricht der Geschwindigkeit, die mit zwei gebündelten ISDN-Kanälen zu erreichen ist - Internet à la 1996.

Der Schritt zielt auf die Verhinderung multimedialer Inhalte: Schon in den vergangenen Monaten ging die Polizei im Iran massiv gegen illegal aufgestellte TV-Satellitenschüsseln vor. Die DSL-Bremse stellt jetzt einen weiteren Versuch dar, die Iraner vom Einfluss westlicher Medien zu isolieren. Während reines Lesen weiter möglich bleibt, wird der Zugang zu Audio- und Videoquellen erschwert.

Die sieht das Mullah-Regime in Teheran als schädlich an, auch wenn es "nur" um Entertainment geht: Neben der Möglichkeit des Zugriffs auf westliche Nachrichten ist den Mullahs gerade auch der freie Zugang zu westlicher Musik, US-TV-Programmen und natürlich Pornografie ein Dorn im Auge.

Iranische Oppositionelle und prominente Blogger, berichtet der "Guardian", sehen im Web-Tempolimit aber auch einen Versuch, die Verbreitung oppositioneller Nachrichten zu verlangsamen. Betroffen von der Geschwindigkeitseinschränkung ist schließlich auch der Upload ins Netz, der immer geringere Geschwindigkeiten erreicht als der Download. Damit würden also auch Veröffentlichungsvorgänge verzögert. Das Oppositionsblatt "Etemat" erklärte seinen Lesern die Regierungsentscheidung als Teil eines Versuches, eine "kulturelle Invasion" aus dem Westen zu stoppen.

Gegen die stemmt sich Iran auch durch den Einsatz von Filtersoftware, die pikanter Weise vor allem von US-Firmen zugeliefert wird. Zum Incentive-Paket, dass Teherans Führung den Ausstieg aus deren Atomprogramm schmackhaft machen sollte, gehörte kürzlich auch das Versprechen, Iran mit Top-Internet-Technologie zu beliefern.

pat