Xbox Series X und S Das können die neuen Xbox-Konsolen

Eine neue Generation Spielekonsolen kommt auf den Markt. Microsoft macht den Anfang mit der Xbox Series in X und S und zeigt damit vor allem eins: Grafik ist nicht alles, was die neuen Geräte besonders macht.
Die Konsolen von vorn: Die Series X in Schwarz, die Serie S in Weiß

Die Konsolen von vorn: Die Series X in Schwarz, die Serie S in Weiß

Foto: Microsoft

Microsoft wagt sich vor: Eine Woche vor dem Deutschland-Start der Konkurrenz, Sonys Playstation 5, bringt die Firma am 10. November die ersten Modelle einer neuen Generation von Spielekonsolen auf den Markt. Xbox Series X und der kleinere Ableger Xbox Series S. Sieben Jahre nach dem Start der Xbox One kommt also die neue, die vierte Generation Spielekonsolen von Microsoft. Und sie punktet mit schneller Technik, einer großen Spielebibliothek und einer kleinen, aber sehr überzeugenden neuen Funktion.

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Xbox Series X/S: Schwarz und Weiß

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Mit der letzten Generation ist es für Microsoft nicht so gelaufen wie erhofft. Die Verkaufszahlen der Xbox One erreichten nicht einmal die Hälfte der Playstation-4-Zahlen, auch Nintendos Switch hat – trotz deutlich späterem Verkaufsstart – die Xbox One deutlich überholt. Das liegt nicht an der Technik, die war wegweisend. Das Problem waren die anfangs falschen Zielsetzungen der Xbox One und vor allem zu wenig wirklich zündende Exklusivtitel bei den Spielen. Die Xbox One war die Konsole mit "Halo" und "Forza", danach kam wenig. Mit der neuen Generation soll sich das nun ändern.

Schwarz, dezent und kraftvoll: Die Xbox Series X

Schwarz ist die Series X, quaderförmig und schlicht. Ein Turm, ungefähr 30 Zentimeter hoch und etwas über vier Kilogramm schwer. Oben auf dem Turm ist ein Gitter, durch das es grün leuchtet, darunter ein Ventilator, der fast unhörbar das Gerät kühlt. Das wirkt gelungen, von sich selbst überzeugt. Die inneren Werte müssen nicht durch übertriebenes Design nach außen getragen werden. Das ist ein wohltuender Abschied von den etwas klobigen Microsoft-Konsolen der Vergangenheit.

Doch auch das Innere beeindruckt: Viermal so schnell wie die Xbox One X ist die Konsole, besitzt extrem leistungsfähige Prozessoren und Grafik-Chips sowie eine SSD-Festplatte mit 1 TB Speicher. Damit macht sie 4K-Gaming möglich und schafft dabei bis zu 120 Bilder pro Sekunde. Das merkt das Auge eigentlich nicht, es sorgt aber für ein sehr viel flüssigeres Spielerlebnis; bisher galten 30 bis 60 Bilder pro Sekunde als gutes Ergebnis. Und so sehen nicht nur die neuen Titel gut aus, sondern auch ältere Spiele, die dank Abwärtskompatibilität auf dem neuen Gerät gespielt werden können.

Am Controller hat sich im Vergleich zur vorigen Generation wenig geändert. Etwas rauer ist das Gehäuse, was den Griff verbessert, und ein zusätzlicher Knopf für Funktionen wie Screenshots oder Videos ist dazugekommen. Ansonsten muss man sich haptisch nicht umstellen. Vorteil dabei: Die Controller der Xbox One, darunter auch der barrierefreie Xbox Adaptive Controller, funktionieren auch hier, für Multiplayerspiele kann man also vorhandene Hardware nutzen.

Vier Spielegenerationen auf einem Gerät

Die Einrichtung der Konsole ist schnell gemacht. Wer bereits über ein Microsoft-Konto verfügt, kann das noch simpler per Xbox-App auf dem Smartphone erledigen und viele Einstellungen der Xbox One übernehmen. Die Benutzeroberfläche ist schon von der Xbox One her bekannt. Integriert sind Downloadshops für Spiele und Filme, Apps für Streamingdienste sind vorhanden.

Über allem aber stehen die Spiele. Zum Start wird es 30 Titel geben, von denen allerdings keiner nur für die neuen Konsolen zu haben ist. Die meisten sind auf mehreren Plattformen erhältlich, der zwingende Exklusivtitel fehlt.

Allerdings sind mit "Assassin’s Creed: Valhalla", "Dirt 5" oder "Yakuza" gutaussehende Spiele dabei, und wer bereits "Gears 5" oder "Forza Horizon 4" für Xbox One besitzt, kann kostenlos per Download angepasste Versionen der Spiele bekommen. Genug Futter ist also vorhanden.

Wichtig ist auch die Abwärtskompatibilität: Wer bereits Spiele für die Vorgängerkonsolen besitzt, kann viele von ihnen auch direkt auf der Xbox Series X spielen. Mit oft deutlich besserer Grafik und vor allem sehr viel schnelleren Ladezeiten. Wer Spiele digital gekauft hat, lädt sie einfach direkt runter; wer sie auf einer Disc hat, lädt eine digitale Kopie herunter. Das funktioniert für viele, aber leider nicht alle Spiele von der ersten Xbox an.

Der Joker von Microsoft im Konsolenrennen aber heißt "Xbox Game Pass". Das ist ein Spiele-Abodienst, der – je nach Ausstattung – rund 9,99 Euro oder 12,99 Euro pro Monat kostet und eine rund 100 Titel große Spielebibliothek umfasst, in der jedes neue Spiel der hauseigenen Entwicklerstudios sofort landet. Und das sind neben den bekannten Marken "Halo", "Gears" oder "Forza" inzwischen Titel von sehr vielen Studios. Schließlich hat Microsoft aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und in den letzten Jahren mehrere Studios und Entwicklerfirmen aufgekauft. Zuletzt Bethesda, die mit "Doom", "Fallout" oder "Elder Scrolls" viele bei Spielern bekannte und beliebte Marken besitzen.

Auf Knopfdruck da: Quick Resume

Nicht nur die Grafik profitiert von der neuen Technik, auch die Lade- und damit Wartezeit hat sich gegenüber den Vorgängern spürbar verbessert. Wo man bisher immer Zeit hatte, sich einen Kaffee zu kochen, während das Spiel lud, kann man es sich jetzt gerade mal auf dem Sofa gemütlich machen.

Hinzugekommen ist zudem eine Funktion namens Quick Resume, also die schnelle Fortsetzung, wenn das Spiel erst einmal geladen ist. Dabei wird ein Spielstand eingefroren. Startet man das Spiel erneut, dauert es nur wenige Sekunden, bis man genau dort weitermachen kann, wo man aufgehört hat. Das funktioniert auch dann, wenn die Konsole vom Strom getrennt wurde oder man zwischendurch ein anderes Spiel gespielt hat. Zumindest, solange es nicht zu viele sind – ab vier Spielen im Zwischenspeicher wird es wohl schwierig.

Quick Resume klingt nach einer Nebensächlichkeit, doch wenn man es einmal ausprobiert hat, möchte man keine Wartezeiten mehr erleben. Zu verlockend ist es, mal eben zu spielen, die Konsole anzumachen und nur wenige Sekunden später im Spiel zu sein. Oder auch kurz das Spiel zu wechseln, weil ein Freund im Multiplayer-Modus eines anderen Games unterwegs ist.

Der kleine Ableger: Xbox Series S

Vieles von dem, was für die Series X gilt, gilt auch für Series S. Das ist die kleine Variante der Konsole, weiß mit einem schwarzen Lüftungsgitter, womit sie an ein altes Kofferradio erinnert – auch von der Größe her. Sie ist deutlich günstiger als die Series X, dafür ist sie aber auch deutlich abgespeckt. 4K-Gaming wird hier nicht mehr versprochen, 1440p ist die maximale Auflösung. Die Prozessoren sind etwas langsamer, die Festplatte mit 512 GB knapp halb so groß, ein optisches Laufwerk fehlt ganz.

Fazit

Mit der Xbox Series X hat Microsoft eine Maschine gebaut, die ganz darauf ausgerichtet ist, Spiele in höchster Qualität zu zeigen. Bei der Bedienung verbessern die Entwickler Bewährtes, eine wirkliche Revolution gibt es bisher nur bei Lade- und Wartezeiten. Zum ersten Mal sind Spiele – ähnlich wie Filme oder Musik – sofort da.

Was sonst noch aus der neuen Konsolengeneration herauszuholen ist, wird sich erst langsam zeigen. Die ersten Spiele sind trotz Optimierung noch für zwei Konsolengenerationen gleichzeitig entwickelt worden. Sie lassen aber schon ahnen, was bald möglich sein wird.

Noch etwas ist anders: Hatte man bisher beim Start in eine neue Konsolengeneration nur eine sehr geringe Auswahl an Spielen, so ist das bei der Xbox Series X und S anders. Viele ältere Titel sind spielbar, weshalb man mit der Konsole nicht nur für die Zukunft gerüstet ist, sondern auch die Vergangenheit neu entdecken kann. Gerade in Kombination mit dem Xbox Game Pass spricht manches für die Microsoft-Konsolen.

Während die Series X rund 500 Euro kostet, ist die Series S rund 200 Euro günstiger. Sie zielt unter anderem auf Kunden ab, die nicht gleich 500 Euro ausgeben können oder wollen, um ein neues Konsolengefühl zu spüren oder solche, die keinen großen Fernseher haben – denn nur dann merkt man die Detail-Unterschiede wirklich. Die Series S ist eine Einsteigerkonsole für Menschen, denen eigentlich der Game Pass genügt. Für diejenigen, die mehr möchten, gleicht allerdings allein die Speichererweiterung den Preisunterschied zum größeren Modell aus.

Xbox Series X von Microsoft, Konsole mit Controller, ca. 500 Euro; erhältlich ab dem 10. November

Xbox Series S von Microsoft, Konsole mit Controller, ca. 300 Euro; erhältlich ab dem 10. November

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Xbox Series X/S: Schwarz und Weiß

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