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17. Dezember 2011, 15:18 Uhr

440 Tote auf den Philippinen

Taifun "Washi" überraschte seine Opfer im Schlaf

Kinder ertranken in den Fluten, Helfer retteten Überlebende aus brusthohem Wasser, andere sprangen verzweifelt aus Fenstern: Hunderte Menschen wurden auf den Philippinen Opfer des Taifuns "Washi". Rettungskräfte berichten von über 440 Toten, sie suchen noch verzweifelt nach rund 400 Vermissten.

Manila - Die Menschen auf den Philippinen wurden im Schlaf von der Regenflut überrascht: Durch den Tropensturm "Washi" sind im Süden des Landes mehr 440 Menschen ums Leben gekommen. Etwa 400 weitere Menschen würden vermisst, teilten die Behörden am Samstag mit. Die Regierung mobilisierte rund 20.000 Soldaten zur Katastrophenhilfe.

Am schwersten traf der Sturm die Hafenstädte Cagayan de Oro und Iligan auf der Insel Mindanao, wo große Gebiete überschwemmt wurden. Ein Militärsprecher sagte, allein in der Stadt Cagayan de Oro seien mindestens 97 Menschen gestorben. In der Stadt Iligan sollen mindestens 75 Menschen ums Leben gekommen sein. Viele Kinder seien in den Fluten ertrunken, sagte ein Armeesprecher.

Der Bürgermeister der 100.000-Einwohner-Stadt Iligan, Lawrence Cruz, sprach von der "schlimmsten Flut in der Geschichte unserer Stadt". Offiziellen Angaben zufolge gelten dort rund 250 Menschen als vermisst. Für Cagayan de Oro, wo etwa 500.000 Menschen leben, wurde eine Vermisstenzahl von etwa 125 angegeben. Helfer bargen allein dort nach Angaben des Militärs 208 Leichen.

"Washi" traf die Region, die von schweren Unwettern in der Regel verschont bleibt, mitten in der Nacht. Das Fernsehen zeigte dramatische Bilder von Menschen, die aus Fenstern ihrer Häuser sprangen. Die meisten Tropenstürme treffen auf den Philippinen die am stärksten besiedelte Insel Luzon.

Eine Einwohnerin von Iligan schilderte, wie sie von ihrem Hausdach aus gemeinsam mit ihren Kindern die Zerstörung benachbarter Häuser mit ansehen musste. "Alle Häuser hinter unserem wurden zerstört", sagte sie. Viele ihrer Nachbarn gelten seither als vermisst.

Einwohner und Behördenvertreter berichteten, das Unwetter habe am späten Freitag überraschend eingesetzt. Vielen Menschen sei es daher nicht gelungen, sich in Sicherheit zu bringen. Das Fernsehen zeigte, wie Katastrophenhelfer in orangefarbenen Westen Überlebende aus brusthohen Wassermassen retteten.

Nach Angaben der philippinischen Wetterbehörde zog der Sturm inzwischen in westlicher Richtung an der Nachbarinsel Negros vorbei. In der Nacht zum Sonntag könnte er demnach auf die Insel Palawan treffen. Die Spitzengeschwindigkeit des Unwetters bezifferte die Behörde auf 75 Stundenkilometer.

Erst im Oktober hatten gleich zwei Taifune die Philippinen heimgesucht: Nachdem "Nesat" über die nördlichen Provinzen der Philippinen hinweggezogen war, hatte "Nalgae" dieselbe Region heimgesucht. Beide Stürme forderten zusammen mindestens 57 Menschenleben und richteten schwere Schäden an.

Etwa 2,4 Millionen Menschen waren damals von den Auswirkungen der Stürme betroffen. Viele Bewohner flüchteten sich auf die Dächer ihrer Häuser und harrten dort viele Stunden lang aus.

jbr/AFP/dpa/Reuters

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