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28. März 2013, 18:46 Uhr

Abendmahlsgottesdienst

Papst feiert Messe in Jugendgefängnis

Papst Franziskus hat die Abendmahlsmesse mit 50 Insassen eines Jugendgefängnisses bei Rom gefeiert. Zwölf jungen Häftlingen wusch der Pontifex die Füße. Das sei ein Symbol dafür, als Höhergestellter anderen zu Diensten zu sein.

Rom - Papst Franziskus hat die traditionelle vorösterliche Fußwaschung an einen ungewöhnlichen Ort gelegt. Das Oberhaupt der katholischen Kirche wählte das römische Jugendgefängnis Casal del Marmo aus. Dort feierte er am Donnerstagabend in der Gefängniskapelle mit 50 Insassen die Abendmahlsmesse. Schaulustige säumten die Straße bei seiner Ankunft.

Zwölf Insassen verschiedener Nationalitäten und Religionen waren ausgewählt worden, vom Papst die Füße gewaschen zu bekommen - nach dem Vorbild des demütigen Dienstes Jesu an seinen Jüngern vor dem letzten Abendmahl. Unter den Personen, denen Franziskus die Füße wusch, waren auch zwei Frauen. Konservative in der Kirche sahen darin einen Tabubruch - niemals zuvor hatte ein Papst weiblichen Gläubigen diesen Dienst erwiesen. Liberale Kräfte deuteten die Geste als Zeichen einer Öffnung der Kirche.

"Einer muss dem anderen helfen, das lehrt uns Jesus und das ist das, was ich tue, es ist meine Pflicht", sagte Franziskus in der Messe, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Die Fußwaschung sei ein Symbol und ein Zeichen, sie bedeute, "dass ich zu deinen Diensten bin". Wer höhergestellt sei, müsse im Dienst der anderen stehen.

Aus dem Gefängnis gab es auf Wunsch des Papstes keine TV-Übertragung, um die Privatsphäre der jungen Insassen zu schützen. Die Gefangenen hatten für den Papst Geschenke vorbereitet, ein hölzernes Kruzifix und eine Betbank, teilte der Vatikan mit. Franziskus brachte ihnen Ostereier und den traditionellen italienischen Osterkuchen "Colomba" (Taube) mit.

Jorge Mario Bergoglio hatte bereits als Erzbischof von Buenos Aires solche Messen in Gefängnissen oder unter Kranken gefeiert. Das Jugendgefängnis hatten auch seine Vorgänger Johannes Paul II. und Benedikt XVI. besucht. Sie hatten die Abendmahlsmesse aber traditionell in der römischen Lateranbasilika gefeiert.

Am Vormittag hatte Franziskus während der Messe im Petersdom Gläubige dazu aufgerufen, in Randgebiete zu gehen, wo Leiden und Blutvergießen herrschten. Dort gebe es "Gefangene zu vieler schlechter Herren", sagte der Papst.

ulz/dap/AFP/AP

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