Abschlussbericht zum Flugzeugabsturz Beschwipster Luftwaffenchef verschuldete Kaczynski-Crash

Warum stürzte die Passagiermaschine des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski mit 95 weiteren Insassen ab? Für Russland ist die Lage nun klar: Der Abschlussbericht zur Katastrophe gibt einem alkoholisierten Kommandeur der Polen die Schuld. Er soll den Piloten zur Landung gezwungen haben.

Wrack der polnischen Präsidentenmaschine: 96 Menschen starben an Bord
Reuters

Wrack der polnischen Präsidentenmaschine: 96 Menschen starben an Bord


Moskau - Kommandeur Andrzej Blasik habe bei dem Absturz vor neun Monaten mit 0,6 Promille Alkohol im Blut trotz Warnungen der russischen Flugüberwachung die Piloten zur Landung gezwungen. Blasik sei im Cockpit gewesen, hieß es am Mittwoch in Moskau. Der Tower auf dem Flughafen im westrussischen Smolensk habe wegen schlechten Wetters ausdrücklich einen Ausweichlandeplatz angeboten.

Die Luftfahrtbehörde Russlands hatte den Abschlussbericht zum Absturz der polnischen Präsidentenmaschine am Vormittag offiziell an Polen übergeben.

"Eine Landeerlaubnis für die Piloten des Flugzeugs hat es nicht gegeben", sagte die Leiterin des internationalen Luftfahrtamts MAK, Tatjana Anodina. Zudem sei die Besatzung auf den Flug nach Russland und die dort herrschenden Wetterverhältnisse unzureichend vorbereitet gewesen. Auch der polnische Protokollchef sei im Cockpit der Präsidentenmaschine aufgetaucht, sagte Anodina. Dies habe psychologischen Druck auf die Besatzung ausgeübt und zur Entscheidung des Piloten beigetragen, "eine Landung unter nicht angemessenen Bedingungen auszuführen".

Bei der Flugzeugtragödie von Smolensk waren am 10. April 2010 der polnische Präsident Kaczynski sowie alle 95 weiteren Insassen der Präsidentenmaschine ums Leben gekommen. Die Delegation war auf dem Weg ins russische Katyn, um der Opfer des Massakers an rund 22.000 Polen während des Zweiten Weltkriegs zu gedenken.

Die Kommission habe ihren Abschlussbericht in Moskau an Vertreter Warschaus übergeben, teilte das Gremium auf seiner Internetseite mit. Die Piloten hätten trotz mehrfacher Warnung versucht, die Maschine vom Typ Tupolew TU-154 im dichten Nebel auf dem Flughafen von Smolensk zu landen.

Beide Länder, deren Beziehungen historisch belastet sind, näherten sich in ihrer gemeinsamen Trauer anlässlich des Unglücks an. Allerdings wuchs später die Kritik Polens an den russischen Ermittlungen zur Absturzursache. Polens Ministerpräsident Donald Tusk bezeichnete die vorläufigen Ermittlungsergebnisse kürzlich als inakzeptabel und fehlerhaft. Einen ersten, 200-seitigen Bericht hatte Warschau im Oktober erhalten.

wit/dpa/AFP



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Roßtäuscher 12.01.2011
1. Ob es so war, oder anders
Zitat von sysopWarum stürzte die Passagiermaschine des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski mit 95 weiteren Insassen ab? Für Russland ist die Lage nun klar: Der Abschlussbericht zur Katastrophe gibt einem alkoholisierten Kommandeur der Polen die Hauptschuld. Er soll den Piloten zur Landung gezwungen haben. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,739070,00.html
Putins zurechtgerücktes demokratisches Russland wird sich immer aus verdächtigen Unglaubwürdigkeiten herauswinden können, zumindest versuchen. Der gewisse Geruch wird wahrscheinlich nie verwehen.
Emil Peisker 12.01.2011
2. Aufzeichnungen der Cockpit- und Towercrews?
Zitat von sysopWarum stürzte die Passagiermaschine des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski mit 95 weiteren Insassen ab? Für Russland ist die Lage nun klar: Der Abschlussbericht zur Katastrophe gibt einem alkoholisierten Kommandeur der Polen die Hauptschuld. Er soll den Piloten zur Landung gezwungen haben. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,739070,00.html
Sind die Anweisungen des polnischen Kommandeurs vielleicht aufgezeichnet worden? Dann wäre es ja ein Leichtes das Fazit des russischen Berichtes zu belegen. Außerdem die fehlende Landeerlaubnis, da gibt es sicher Aufzeichnungen der Cockpit- und Towercrews. Da sollten die Medien noch etwas mehr "Futter" bekommen, denn ohne solche Beweise, spekuliert es sich sicher für den Einen oder Anderen besser.
MTBer 12.01.2011
3. Na sowas!
Zitat von sysopWarum stürzte die Passagiermaschine des polnischen Präsidenten Lech Kaczynski mit 95 weiteren Insassen ab? Für Russland ist die Lage nun klar: Der Abschlussbericht zur Katastrophe gibt einem alkoholisierten Kommandeur der Polen die Hauptschuld. Er soll den Piloten zur Landung gezwungen haben. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,739070,00.html
,,...Kommandeur Andrzej Blasik habe bei dem Absturz vor neun Monaten 0,6 Promille Alkohol im Blut gehabt...'' Sind etwa an Bord die Alkoholvorräte ausgegangen? Der Mann muss doch praktisch unter Entzugserscheinungen gelitten haben!
Noctim 12.01.2011
4. Wenn der Boss...
Wenn der Chef sagt "springen", dann fragt man "wie hoch?"! Die wenigsten Mitarbeiter werden den ausdrücklichen Befehlen der Vorgesetzten aktiv wiedersprechen (dürfen), ohne um ihren Job bangen zu müssen. Von daher verfahren viele (auch Piloten) nach dem Motto: Augen zu und durch! Leider bilden sich Vorgesetzte allzu oft auf ihre Position etwas ein und sind der festen Überzeugung, die Lage ausreichend und mit allen Konsequenzen zu überblicken. Nur allzu oft habe ich schon Sätze wie diesen hier vernommen: "Also früher, da haben wir das alles im Alleingang gemacht, da braucht man noch keine Spezialabteilung!" Wenn dann an Bord der Maschine vielleicht ein paar Drinks genommen werden und der Chef angetrunken ins Cockpit kommt, um Druck zu machen, dann kann eine Situation durch Leichtsinn oder Selbstüberschätzung eskalieren. Für den Angestellten eine enorme Belastung, gerade wenn alles "gut" ausgeht. Denn dann merkt man, dass die eigene Ausbildung und Beurteilungsfähigkeit im Grunde egal ist, wenn der Vorgesetzte mit von der Partie ist und sich profilieren will.
pascal 66, 12.01.2011
5. Hoffentlich...
...nicht nur ein kleines Bauernopfer!?
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