Absturz in Buffalo Witwe von 9/11-Opfer stirbt bei Flugzeug-Katastrophe

"Jetzt ist sie bei ihm": Bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York hatte Beverly Eckert ihren Mann verloren. Nun kam sie in den Trümmern des Continental-Flugs 3407 ums Leben - wenige Minuten vor der geplanten Landung.


Washington - "Wir wissen, dass sie in dem Flugzeug war. Und jetzt ist sie bei ihm", sagte ihre Schwester Sue Bourque, die sie am Flughafen in Buffalo im US-Bundesstaat New York abholen wollte. Eine zweimotorige Passagiermaschine, in der auch Beverly Eckert saß, war am frühen Morgen im Norden des US-Staates New York beim Landeanflug auf ein Haus gestürzt und in Flammen aufgegangen.

Wie die Zeitung "Buffalo News" berichtete, hatte Eckert in der Stadt am Erie-See den 58. Geburtstag ihres gestorbenen Mannes feiern wollen. Nach seinem Tod setzte sie sich als Vizevorsitzende des Vereins "Stimmen des 11. September" für eine angemessene Erinnerung an die Opfer ein.

Insgesamt 49 Menschen sind nun bei dem Unglück in Buffalo ums Leben gekommen. Wie die Behörden mitteilten, wurden alle 44 Passagiere und vier Besatzungsmitglieder getötet, zudem starb eine Anwohnerin. Zwei Frauen, bei denen es sich offenbar um Bewohner der 26.000-Einwohner-Stadt Clarence handelte, wurden mit Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht. Die Unglücksursache war zunächst nicht bekannt.

Das für insgesamt 74 Passagiere ausgelegte Flugzeug des Typs Bombardier Dash8 Q400 der Fluggesellschaft Colgan Air war im Auftrag der Continental Airlines auf dem Weg von Newark in New Jersey nach Buffalo. Zum Zeitpunkt des Unglücks gegen 22.20 Uhr Ortszeit war es neblig, und es schneite leicht. Die Absturzstelle in Clarence, einem Vorort von Buffalo, liegt 16 Kilometer vom Zielflughafen, dem Niagara International Airport, entfernt.

"Continental 3407 bitte melden"

Vor der Katastrophe hatte der Tower des Flughafens Buffalo mehrfach Kontakt zum Piloten gesucht. "Continental 3407 bitte melden", funkte der Controller nach Angaben des US-Nachrichtensenders CNN mehrmals. Als die Flugaufsicht keine Antwort erhielt, wandte sie sich an den Piloten einer in der Nähe fliegenden Maschine von Delta Air Lines.

"Delta 1998, schauen Sie nach rechts etwa fünf Meilen nach einer Dash 8, sollte etwa 2300 Fuß hoch fliegen. Sehen Sie da irgendwas?" "Hm, negativ", antwortet der Pilot laut einem Funkmitschnitt. Der Sprecher der Verkehrsbehörde des Grenzgebiets Niagara, Douglas Hartmayer, berichtet später vor Journalisten: "Mir wurde vom Tower gesagt, dass das Flugzeug einfach vom Radarschirm verschwunden ist."

Das Flugzeug krachte in ein Wohnhaus und ging in Flammen auf. Ein riesiger Feuerball erhellte die Nacht. Der Sender CNN zeigte Bilder von brennenden Wrackteilen inmitten des Wohnviertels. Der Einsatzleiter der Hilfstruppen, Dave Bissonet, sprach von einem Todesopfer unter den Anwohnern. Zwölf Wohnhäuser in der Nähe der Unglücksstelle an der Long Street 6050 seien evakuiert worden.

"Man fühlte sich wie bei einem Mini-Erdbeben"

Anwohner Keith Burtis war in der Nähe des Hauses unterwegs, in das die Maschine stürzte: "Es gab ein hohes Geräusch, und dann fühlte man sich wie bei einem Mini-Erdbeben", sagte er CNN. Kurz darauf seien erste Löschwagen zum Einsatzort unterwegs gewesen.

Die Rettungskräfte standen vor meterhohen Flammen. "Der ganze Himmel war orange", sagte Bob Dworak, der rund einen Kilometer von der Unglücksstelle entfernt wohnt. "Es gab plötzlich einen riesigen Knall und das Haus wackelte." Dworak sagte, die Menschen in Clarence seien es zwar gewohnt, die nach Buffalo fliegenden Flugzeuge zu hören, aber dieses sei lauter gewesen als sonst üblich und habe auch merkwürdige Geräusche gemacht.

"Donnernde Explosion"

Unter den Passagieren befand sich den "Buffalo News" zufolge auch die Studentin Ellyce Kausner, die ihre Familie in Clarence besuchen wollte. Ihr Bruder Chris sagte dem Blatt: "Meine andere Schwester war am Flughafen, um Ellyce abzuholen. Dort hat man ihr gesagt, die Maschine sei bereits gelandet und auf dem Rollfeld unterwegs zum Gate. Aber das stimmte gar nicht."

David Luce, der in der Nähe der Absturzstelle wohnt, sagte dem Blatt: "Es war sehr laut und plötzlich ganz still. Ein oder zwei Sekunden später gab es eine donnernde Explosion. Ich dachte, irgendetwas hätte unser Haus getroffen. Es bebte richtig."

Eine Expertenkommission aus Washington ist bereits auf dem Weg nach Buffalo, um die Ursache des Absturzes aufzuklären. Ein terroristischer Hintergrund wird ausgeschlossen.

Es war der erste tödliche Absturz eines Passagierflugzeugs in den USA seit dem 27. August 2006. Damals starben in Lexington in Kentucky 49 Menschen.

pad/als/jdl/AFP/dpa/Reuters/AP



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