Acht Tote bei Busunglück "Es schaut aus wie auf einem Schlachtfeld"

Bei einem schweren Verkehrsunfall sind am frühen Montagmorgen in Österreich acht deutsche Jugendliche ums Leben gekommen. Ein Reisebus wurde von einem entgegenkommenden Lastwagen gerammt.


Rettungskräfte beim Einsatz am verunglückten Reisebus
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Rettungskräfte beim Einsatz am verunglückten Reisebus

Wien - Die vier Jungen und vier Mädchen aus Süddeutschland saßen in einem Bus aus Gütersloh, der sie an den ungarischen Plattensee bringen sollte. Der Bus wurde auf der Westautobahn (A1) in der Nähe der Stadt Melk 100 Kilometer westlich von Wien von einem entgegenkommenden Lastwagen im Baustellenbereich gerammt. Der Bus wurde der Länge nach aufgeschlitzt. 21 weitere Jugendliche wurden verletzt in die umliegenden Krankenhäuser gebracht. Eine Person schwebte am Vormittag noch in Lebensgefahr.

Die Jugendlichen waren im Schlaf von dem Unglück überrascht worden. Die Leichen seien "schwerst verstümmelt" gewesen, berichtete ein Arzt an der Unfallstelle. "Es schaut aus wie auf einem Schlachtfeld", schilderte ein Hubschrauberpilot die Lage aus der Luft. Die überlebenden 35 Menschen, unter ihnen zwei Fahrer und eine Reiseleiterin, wurden in Melk vom Roten Kreuz betreut. Psychologen kümmerten sich um diese Gruppe. Zahlreiche Verwandte machten sich aus Deutschland auf den Weg nach Österreich, um die jungen Leute nach Hause zu holen.

Der mit Steinen beladene Lastwagen liegt nach dem Unglück seitlich auf der Autobahn A1
DPA

Der mit Steinen beladene Lastwagen liegt nach dem Unglück seitlich auf der Autobahn A1

Unfallursache dürfte die überhöhte Geschwindigkeit des Lastwagens gewesen sein, sagte die Polizei. Bei der Einfahrt in den Baustellenbereich sei der mit Pflastersteinen beladene Anhänger des Lasters umgekippt und habe den vorbeifahrenden Bus gerammt. "Der Bus hatte keine Chance zum Ausweichen", erklärte die Polizei. Der Anhänger zerbrach vollständig, die Steine wurden über hundert Meter weit über die Fahrbahn geschleudert.

Die Businsassen stammen nach Angaben des Reiseveranstalters aus Mannheim, Stuttgart, München, Freiburg und Karlsruhe. "In dem Bus befanden sich 61 Kinder und Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren, die auf dem Weg zu einer Jugendfreizeit am ungarischen Balaton waren", sagte Thomas Korbus, geschäftsführender Gesellschafter des Bielefelder Unternehmens RuF Jugendreisen Trend Touristik GmbH.

"Ein solches Unglück ist in der zwanzigjährigen Geschichte unseres Unternehmens noch nie passiert. Wir sind zutiefst erschüttert", sagte Korbus. Man habe sofort Kontakt mit der österreichischen Gendarmerie aufgenommen, um die Namen der bei dem Unfall getöteten Kinder und Jugendlichen zu erfahren. Eine aus Marburg stammende 27- jährige RuF-Reiseleiterin sei bei dem Unfall nach ersten Erkenntnissen ebenso unverletzt geblieben wie die beiden Busfahrer des ostwestfälischen Transportunternehmens Bröskamp aus Harsewinkel (Kreis Gütersloh).

Die Westautobahn, eine der wichtigsten Transitrouten des Landes, musste stundenlang gesperrt werden. Auf der Umleitungsstrecke staute sich der Verkehr 15 Kilometer lang. Schon vor einem Monat waren an der gleichen Stelle zwei Personen ums Leben gekommen, nachdem ein ungarischer Tankwagen auf die Gegenfahrbahn geraten war.

Für die Angehörigen der Opfer sind Hotlines eingerichtet worden: 01888-173271 sowie -173261 und -173282 sowie 0043 27 52 5 22 24 44.



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