Acht Tote bei Busunglück Opfer wurden im Schlaf überrascht

Die meisten Opfer wurden offenbar im Schlaf überrascht: Acht Jugendliche aus Deutschland sind bei einem schweren Busunglück in Niederösterreich ums Leben gekommen. 23 weitere wurden verletzt.


Rettungskräfte beim Einsatz am verunglückten Reisebus
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Rettungskräfte beim Einsatz am verunglückten Reisebus

Wien - Der Reisebus aus Gütersloh war nach Angaben von österreichischen Behörden in der Nacht zum Montag in einem Baustellenbereich auf der Westautobahn A1 bei Pöchlarn von einem in entgegengesetzter Richtung fahrenden Lastzug gerammt und regelrecht aufgeschlitzt worden. Die Reisegruppe war auf der Fahrt zum Plattensee in Ungarn. Der Lastwagen fuhr der Polizei zufolge vermutlich zu schnell.

Bei den Toten handelt es sich nach Angaben der Polizei um vier Jungen und vier Mädchen. Von den Verletzten schwebte ein Mädchen noch in Lebensgefahr, wie der leitende Notarzt mitteilte. Den Helfern bot sich an der Unfallstelle ein Bild des Grauens. Ein Helfer berichtete der österreichischen Nachrichtenagentur APA zufolge, die getöteten Jugendlichen seien zum Teil geköpft worden. Einigen der offenbar im Schlaf überraschten Opfern seien die Arme abgetrennt worden. "Es schaut aus wie auf einem Schlachtfeld", schilderte ein Hubschrauberpilot die Lage aus der Luft. Die Verletzten wurden in umliegende Krankenhäuser in Amstetten, Scheibbs, Melk und St. Pölten gebracht. Die Überlebenden würden psychologisch betreut, hieß es.

Der doppelstöckige Reisebus war einschließlich zweier Fahrer und einer Reisebegleiterin mit 63 Personen besetzt gewesen. Wie das Busunternehmen Bröskamp in Harsewinkel bei Gütersloh mitteilte, kamen die Urlauber im Alter von 15 bis 19 Jahren aus Freiburg, Karlsruhe, München und Stuttgart. Der Sohn des Busunternehmers, Klaus Bröskamp, sagte, die Reisegruppe habe eine oder zwei Wochen Jugendferien in einem Hotel am Plattensee gebucht.

Der mit Steinen beladene Lastwagen liegt nach dem Unglück seitlich auf der Autobahn A1
DPA

Der mit Steinen beladene Lastwagen liegt nach dem Unglück seitlich auf der Autobahn A1

Der Unfall ereignete sich gegen 3.20 Uhr. Das Oberdeck des Busses wurde von dem Anhänger des entgegenkommenden Lkw fast der gesamten Länge nach aufgeschlitzt, berichtete ein Polizeisprecher. Nach dem tödlichen Zusammenstoß fuhr noch ein weiterer Lastwagen von hinten auf den umgestürzten Anhänger auf. Der Fahrer des Wagens erlitt nach Angaben der Polizei schwere Verletzungen. Die Autobahn zwischen Melk und Pöchlarn wurde in beide Richtungen gesperrt. Wie die Nachrichtenagentur APA unter Berufung auf die Polizei berichtete, war der Lastwagen, der den Unfall verursachte, offenbar zu schnell. Er sei etwa 80 Kilometer pro Stunde gefahren. Erlaubt seien in dem Baustellenbereich 60 Kilometer pro Stunde. Nach Angaben von Klaus Bröskamp war der Bus am Sonntagmittag ohne Passagiere von Karlsruhe nach Freiburg gefahren, um die ersten Gäste aufzunehmen. In Karlsruhe habe er fünf junge Leute aufgenommen. In Stuttgart seien 35 Personen zugestiegen und in München 14 Jugendliche. Dann sei die Fahrt des Doppelstockbusses Richtung Österreich fortgesetzt worden. Ein weiterer Bus des Unternehmens, der in der Nähe gewesen sei, sei sofort zum Unglücksort gefahren. Auch der Juniorchef sei vor Ort.

Das Unternehmen besteht seit 1928. "Bisher hatten wir so einen schweren Unfall noch nicht", sagte Bröskamp. Anja Detering vom zuständigen Reisebüro in Bielefeld, RuF Jugendreisen, sagte, die Geschäftsleitung des Touristikunternehmens sei auf dem Weg zur Unglücksstelle. Das Unternehmen werde die Rückreise der Teilnehmer per Zug, Bahn oder Flugzeug organisieren. Das Reisebüro hatte nach Angaben der Polizei in Gütersloh die beiden Busse gechartert.

Für die Angehörigen der Opfer sind Hotlines eingerichtet worden: 01888-173271 sowie -173261 und -173282 sowie 0043 27 52 5 22 24 44.



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