Acht Tote in Italien Kiffer rast in Radfahrer-Gruppe

Auf einer Landstraße in Kalabrien hat ein vermutlich unter Drogeneinfluss stehender Autofahrer mindestens sieben Menschen getötet. Bei einem Überholmanöver verlor er die Kontrolle über seinen Wagen und raste in eine Radfahrergruppe.

Unfallort in Kalabrien: Der Fahrer soll ohne Führerschein gefahren sein
REUTERS

Unfallort in Kalabrien: Der Fahrer soll ohne Führerschein gefahren sein


Lamezia Terme - Verbogene Fahrradrahmen liegen herum, ein verbeultes Auto steht quer zur Fahrbahn, die Airbags verdecken die Armaturen: Bei Lamezia Terme in der Provinz Catanzaro hat sich am Sonntag ein schwerer Unfall ereignet.

Acht Amateur-Radsportler starben, der Autofahrer und weitere Menschen wurden verletzt. Der 21-jährige Chafik E. raste ersten Ermittlungen zufolge bei einem Überholmanöver in die Radfahrergruppe, die auf der Gegenfahrbahn unterwegs war. Er soll unter Drogeneinfluss gestanden haben, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa.

Am Unfallort spielten sich der römischen Tageszeitung "La Repubblica" zufolge dramatische Szenen ab. Angehörige und Freunde der Toten hätten sich weinend über die mit weißen Laken bedeckten Opfer geworfen, hieß es. E. soll dem Blatt zufolge ohne Führerschein gefahren sein, der ihm vor sieben Monaten wegen eines riskanten Überholmanövers entzogen worden war. In dem Mercedes befand sich zum Unfallzeitpunkt auch sein achtjähriger Neffe, der leicht verletzt wurde.

Die Opfer sind nach ersten Erkenntnissen zwischen 35 und 58 Jahren alt. Der Fahrer war zunächst unter Polizeiaufsicht im Krankenhaus. Es besteht der Verdacht der fahrlässigen Tötung. Bei einem Bluttest wurden nach Angaben von Ansa Cannabis-Spuren entdeckt.

Vier Männer aus Lamezia Terme entgingen durch Zufall dem Blutbad, weil sie auf Grund beginnenden Regens die Fahrt mit dem Rad abgebrochen hatten. "Ich hatte einfach Glück", sagte einer von ihnen, Salvatore Mancuso, der Repubblica. Als er nach Hause kam, habe seine Frau gerade einen Anruf bekommen, in dem man ihr mitteilte, dass er vermutlich tot sei. "Ich bin erschüttert", so Mancuso, der seit fünf Jahren gemeinsam mit seinen Freunden Rad fuhr.

Für fast den gesamten Sonntag blieb die Landstraße in Kalabrien bei Lamezia Terme gesperrt. Der Fahrer soll wegen mehrfachen Totschlags angeklagt werden.

otr/ala/dpa/sid/Reuters



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