Adel "Dämliche Sophie" und "gieriger Edward"

Bei den Royals hängt mal wieder der Haussegen schief. Prinz Edward nutzt angeblich offizielle Auslandsreisen zur Partnersuche für seine TV-Firma, und Ehefrau Sophie beschmutzt verbal das eigene Nest.


TV-Produzent Prinz Edward
REUTERS

TV-Produzent Prinz Edward

London - Es ist noch keine zwei Jahre her, da beschrieb die britische Presse die Hochzeit von Prinz Edward und Sophie Rhys-Jones als eine "Feier von Liebe und Hoffnung", die "alle britischen Herzen mit Freude" erfülle. Auch die "Sunday Times" stimmte in den Hochgesang mit ein: "Das Königshaus hat die Zuneigung der Öffentlichkeit wiedergewonnen." Mittlerweile sind die "dämliche Sophie" (The Mirror) und der "gierige Edward" (Daily Mail) nach Ansicht vieler "Royalty watchers" zur größten Belastung der britischen Monarchie geworden.

Sogar die Regierung übte am Donnerstag Kritik an der gebeutelten Sophie. Industrieminister Stephen Byers erinnerte daran, wie wichtig es doch sei, "Öffentliches und Privates auseinander zu halten". Die "Sun" prägte auf ihrer Titelseite das Wort "Sophiegate", die "Daily Mail" beschimpfte Edward und Sophie als "privilegiertes Paar, das seine königlichen Connections für jeden Penny ausbeutet, den es kriegen kann". Der anti-monarchistisch gesinnte "Guardian" freute sich über eine "katastrophale Woche für die Königsfamilie".

Sophie Rhys-Jones
DPA

Sophie Rhys-Jones

Die Queen unterbricht ihren Osterurlaub

Königin Elizabeth II. selbst unterbrach nach Informationen der "Times" ihren Osterurlaub für eine "Dringlichkeitssitzung" mit ihrem Privatsekretär Sir Robin Janvrin. Im Laufe des Donnerstags sollte sich Sir Robin die beiden schwarzen Schafe zur Brust nehmen. Der wichtigste Berater der Queen soll seit langem dagegen sein, dass Sophie gleichzeitig Vertreterin der Königsfamilie und Mitinhaberin einer PR-Firma ist.

Doch die ehrgeizige Tochter eines Reifenhändlers ist schließlich mit einem Mann verheiratet, der zwar von allen Königskindern den größten Palast bewohnt, aber sich noch nie im Leben selbst ernährt hat: Seine TV-Firma macht seit der Gründung Verluste. Seine offiziellen Auslandsreisen auf Kosten des Steuerzahlers nutzt er nach "Times"-Recherchen dazu, Partner für seine Filme zu werben.

Die geschäftstüchtige Sophie dagegen roch gleich gutes Geld, als ein Scheich ihre Dienste als PR-Frau in Anspruch nehmen wollte. Um die richtige Atmosphäre für einen Millionenvertrag zu kreieren, plauderte sie relaxt aus dem Nähkästchen. Ihr Pech: Der reiche Mann aus dem Morgenland war in Wahrheit von der Zeitung und nahm alles auf Band auf.

Belastendes Tonband

Nun weiß die ganze Nation, was Sophie wirklich von den Spitzen der Gesellschaft hält. Für nächsten Sonntag ist eine Fortsetzung versprochen. Es soll ein Tonband existieren, auf dem zu hören ist, was Sophies Geschäftspartner Murray Harkin dem vermeintlichen Scheich sagte, als sie mal eben rausgegangen war. Die Zitate sollen dergestalt sein, dass noch vor dem Wochenende mit dem freiwilligen Ausscheiden Harkins gerechnet wird.

Sie sei keine zweite Diana, hat Sophie immer wieder beteuert - ohne dass dies viele behauptet hätten. Nun ist das große Vorbild in weite Ferne gerückt und die Gräfin erst mal damit beschäftigt, Entschuldigungsbriefe zu schreiben. Doch wie entschuldigt man sich wohl bei jemandem, den man als "scheußlich, scheußlich, scheußlich" bezeichnet hat (Cherie Blair), als "viel zu präsidentenhaft" (Tony Blair) oder gar "deformiert" (Oppositionsführer William Hague)?

Die Entscheidung "Job oder Königshaus" könnte Sophie bald abgenommen werden. Das Fachmagazin der britischen PR-Branche stellt in seiner neuen Ausgabe fest, Sophies frühere "Taktlosigkeiten" seien "nichts im Vergleich zu dem Scherbenhaufen", den sie nun hinterlassen habe: "Für diese Art von Krisenmanagement werden die Kunden kaum noch Schlange stehen."



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