Rettungsaktion in der Adria Hubschrauber holen Passagiere von brennender Fähre

Dramatische Rettungsaktion in der Meerenge zwischen Griechenland und Italien: Mehr als 300 Passagiere sitzen auf der brennenden Adria-Fähre "Norman Atlantic" fest. Vier Hubschrauber versuchen, sie auf andere Schiffe zu bringen.


Athen/Rom - Italienische und griechische Retter versuchen, die Passagiere von der brennenden Adria-Fähre "Norman Atlantic" zu holen. Vier Puma-Hubschrauber seien im Einsatz, um die Menschen von Bord zu bringen, sagte ein Sprecher der griechischen Hafenbehörde SPIEGEL ONLINE. Noch immer sind nach Behördenangaben 314 Menschen auf dem Schiff (Lesen Sie hier die wichtigsten Fakten zu dem Unglück).

Je zwei Personen können den Angaben zufolge von einem Hubschrauber zugleich abtransportiert werden. Sie werden auf die "Cruise Europa" gebracht. Das Passagierschiff unter italienischer Flagge hält sich in der Nähe der "Norman Atlantic" auf. 14 Menschen seien bereits auf das Boot gebracht worden. Sie wurden von einem Arzt untersucht. Ein Journalist berichtete, die geretteten Passagiere seien unter Schock. Kinder würden zuerst evakuiert.

Zudem sind nach Angaben der Behörden eine griechische Militärmaschine vom Typ Lockheed C-130 und zwei Schlepper im Einsatz, einer versuche, das Feuer zu löschen.

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Feuer auf Adria-Fähre: An Bord der "Norman Atlantic" gefangen
"Es ist eine schwierige und sehr komplexe Rettungsmission", sagte Griechenlands Minister für die Handelsschifffahrt, Miltiadis Varvitsiotis. Rauch, Hitze und vor allem der Sturm mit hohen Wellen machten es den Einsatzkräften über Stunden unmöglich, die Passagiere in Sicherheit zu bringen. Unter ihnen sind auch 18 Deutsche, darunter zwei Kinder.

Das italienische Fernsehen zeigte dramatische Bilder: Mehrere Menschen halten sich im Wasser bei hohem Wellengang an einem Gegenstand fest; ein Mensch wird bei starkem Wind per Hubschrauber aus dem Wasser geborgen. Wellen bäumen sich im Hintergrund auf.

Passagiere schilderten griechischen Medien dramatische Szenen:

  • "Wir sind auf der Brücke, wir sind nass und frieren und husten wegen des Rauchs", sagte Giorgos Styliaras dem TV-Sender Mega. "Hier sind Frauen, Kinder und alte Menschen."

  • Einer von etwa 150 Reisenden, die es nach Behördenangaben bis zum Mittag in ein Rettungsboot schafften, berichtete: "Unsere Schuhsohlen begannen zu schmelzen."

  • "Wir verbrennen lebend", sagte ein Passagier dem griechischen Fernsehen. "Niemand kann uns retten. Das Feuer tobt. Es gibt gefrierenden Regen und der Wind ist stark. Die Menschen schreien um Hilfe."

  • Eine andere Frau, deren Cousin auf dem Boot ist, berichtete Skai TV von einem Telefonat: "Wir sind fertig", habe der Cousin gesagt. "Wir werden sterben. Es gibt niemanden, der uns retten kann. Wir sitzen in der Ecke und gehen davon aus, zu verbrennen. Bete mit uns."

Über Verletzte oder Todesopfer gibt es derzeit keine Angaben. Zwei Passagiere rutschten auf eine Rampe und drohten von den Wellen fortgerissen zu werden, teilte das griechische Schifffahrtsministerium mit. Ein Militärhubschrauber versuche, sie zu bergen. Ein 58-jähriger Italiener wurde mit Unterkühlung von einem Helikopter an Land geflogen.

Die Lage ist unübersichtlich, die Angaben zum Teil widersprüchlich. Sicher ist, dass auf der von der griechischen Reederei Anek gecharterten "Norman Atlantic" der italienischen Firma Visemar im Morgengrauen ein Feuer ausbrach. Die Rede ist vom Autodeck, dort sollen sich die Flammen rasch ausgebreitet haben.

478 Menschen waren nach griechischen Angaben insgesamt an Bord. Rund 150 Menschen konnten nach ersten Angaben auf Rettungsboote fliehen, Hunderte aber sitzen seit Stunden auf der brennenden Fähre fest. Medien berichten, dass Rettungsboote verbrannt seien oder nicht ins Wasser gelassen werden könnten.

"Das große Unglück ist, dass das Wetter überhaupt nicht hilft", sagte Pantelis Trikilis von der Reederei Kyklades Maritime, deren Schiff zu Hilfe geeilt ist, dem Sender Skai. Bis zum frühen Nachmittag konnten gerade einmal 56 Menschen gerettet werden.

Die "Norman Atlantic" war seit Samstagnachmittag vom griechischen Hafen Patras über Igoumenitsa nach Ancona in Italien unterwegs. Jetzt ist sie nach Angaben des Kapitäns manövrierunfähig. Das Schiff treibt in Richtung Albanien. Es gibt deshalb Überlegungen, die Fähre nach Albanien zu schleppen, sagte ein Sprecher der griechischen Hafenbehörde.

Mittlerweile wird in Griechenland Kritik laut, dass das Schiff überhaupt eingesetzt wurde. Schwere Vorwürfe erhob im Radiosender Skai der Spediteur Panagiotis Panagiotopoulos, der zwei seiner Fahrer auf der Fähre hat. Er habe sich am Vorabend mit der Reederei gestritten, weil das Schiff seiner Meinung nach nicht für die Fahrt geeignet gewesen sei. "Das ist verantwortungslos!"

heb/dpa/AFP/Reuters/ Mitarbeit: Giorgos Christides



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