Weltweit wichtige Transportroute Riesiges Containerschiff blockiert den Suezkanal

Ein 400 Meter langer Frachter der »Evergreen Line« ist im Suezkanal vom Kurs abgekommen und quer stecken geblieben. Mehrere Schlepper haben versucht, den Giganten vom Ufer zu ziehen – bisher ohne Erfolg.
Foto: Suez CANAL / AFP

Der Suezkanal in Ägypten ist seit Dienstagmorgen in beide Richtungen gesperrt. Grund dafür ist der Frachter »Ever Given«. Das 400 Meter lange und 59 Meter breite Containerschiff hat den Verkehr auf der Wasserstraße offenbar komplett lahmgelegt. Wie »City AM« berichtet , fährt das 2018 gebaute Schiff derzeit unter der Flagge Panamas und ist aus China auf dem Weg zum Hafen von Rotterdam. Sechs Kilometer nördlich von Suez kam die »Ever Given« dann vom Kurs ab und schlug quer. Zurückzuführen sei der Vorfall auf schlechte Sicht nach einem Sandsturm.

Weder Kanalbehörde noch die Eigner des Schiffs haben bisher detailliert Auskunft über den Hergang der Havarie Auskunft gegeben. Die britische BBC zitiert lokale Medien, wonach auch technische Probleme der Grund seien, dass der riesige Frachter außer Kontrolle geraten sei. Das Seefahrts- und Logistikunternehmen GAC meldet auf seiner Internetseite, es sei an Bord des Frachters zu einem Stromausfall gekommen: »The vessel suffered a black-out.« 

Nutzer und Nutzerinnen haben in der Nacht auf Twitter und Instagram zahlreiche Bilder des stecken gebliebenen Frachters gepostet. Er steckt mit dem Bug auf der Ostseite des Kanals fest und mit dem Heck am gegenüberliegenden Ufer. Die Folge: In beide Richtungen staut sich der Verkehr der Frachter und Tanker, der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge stecken bereits mehr als hundert Schiffe fest. In diesem YouTube-Video ist der Stau auf dem Kanal gut zu sehen:

Auf Twitter gibt es zahlreiche Hinweise, dass die Befreiungsaktion bereits seit mehreren Stunden andauere. Es habe den Anschein, heißt es etwa im unten stehenden Tweet, als ob »jeder Schlepper, den Ägypten entbehren konnte, versucht, es freizuziehen«. Mit dem Schiffstracker von »Vesselfinder« kann man die Bergungsversuche live verfolgen . Wann der Kanal für den Verkehr wieder freigegeben werden kann, ist noch nicht abzusehen.

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Auf einem Foto ist zu sehen, wie ein – aus dieser Perspektive winziger – Bagger offenbar von Land aus versucht, den Wulstbug des Frachters freizuschaufeln, der sich tief in das Ostufer des Kanals gebohrt hat:

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Der knapp 200 Kilometer lange Suezkanal ist im globalen Schiffsverkehr die wichtigste Abkürzung. Es kostet zwar umgerechnet etwa 250.000 Euro, mit dem Schiff durch die Wasserstraße zu fahren, aber für viele Reedereien ist das allemal eine lohnenswerte Ausgabe – ersparen sie sich doch auf dem Weg von oder nach Asien den weiten Weg um das Kap der Guten Hoffnung. Etwa zehn Prozent des Welthandels gehen durch den 2015 noch einmal ausgebauten Kanal.

Undatierte Satellitenaufnahme vom Suezkanal, der das Mittelmeer im Norden (l.) mit dem Roten Meer im Süden (r.) verbindet

Undatierte Satellitenaufnahme vom Suezkanal, der das Mittelmeer im Norden (l.) mit dem Roten Meer im Süden (r.) verbindet

Foto: A3500 Fotoreport Nasa/ dpa

Havarie auch auf dem Nordostseekanal

Auch auf Deutschlands wichtigster künstlicher Wasserstraße, dem Nordostseekanal, hat es erst vor Kurzem eine Havarie gegeben: Am vorletzten Samstag krachte der Frachter »Wilson Goole« von See kommend in der Nordkammer der Schleuse in Kiel-Holtenau gegen das Schleusentor. Die Maschine war ausgefallen. Durch die Kollision wurde das Schleusentor zwar beschädigt, konnte aber wenigstens notdürftig instandgesetzt werden . Zum Glück für die Schifffahrt, denn das letzte Ersatztor wurde bereits nach einer ähnlichen Havarie eingebaut. Der Verkehr am Nordostseekanal ist so dicht, dass es unweigerlich lange Wartezeiten gegeben hätte – oder die Notwendigkeit, doch den langen Weg um die Nordspitze Dänemarks zu nehmen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass in Kiel-Holtenau nach der Havarie die Sorge bestand, das Schleusentor sei auf Monate nicht einsetzbar. Nach einer Notreparatur war es jedoch schnell wieder funktionstüchtig.

kim/oka/AP
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