Ägypten Polizist für Taxifahrer-Mord zu lebenslanger Haft verurteilt

Streit um den Fahrpreis: Vor zwei Monaten tötete ein Zivilpolizist in Kairo einen Taxifahrer und löste landesweit Proteste aus. Nun wurde er verurteilt.


Am 19. Februar marschierten Hunderte Demonstranten von Kairos oberster Sicherheitsbehörde zum Krankenhaus Ahmed Maher. Sie protestierten gegen Polizeigewalt. Der Auslöser war der Tod eines Taxifahrers.

Am Abend zuvor war ein Streit um den Fahrpreis zwischen einem Polizisten in Zivil und dem 24-jährigen Mohamed Ali offenbar eskaliert, der Polizist schoss auf den Fahrer.

"Ein Versehen", vermeldete die Sicherheitsbehörde anschließend. "Der Polizist habe die Waffe lediglich gezogen, um die Auseinandersetzung zu beenden, als sich plötzlich eine Kugel löste."

Mit dieser Erklärung gaben sich die Demonstranten nicht zufrieden, denn die Fakten sprachen für einen anderen Tatverlauf.

"Er schoss ihm sofort in den Kopf"

Der Polizist "nahm seine Waffe und lud sie", zitierte die unabhängige Nachrichtenseite Mada Masr einen Anwohner. "Wir sind eingeschritten, um ihn zurückzuhalten und die Auseinandersetzung zu beenden, aber es gelang ihm, sich loszureißen. Er schoss ihm sofort in den Kopf."

Zudem erklärte Hisham Hamdi, der Generalstaatsanwalt im Krankenhaus, das der 24-jährige Mohamed insgesamt vier Schusswunden hatte, drei im Bauch und eine im Kopf.

Der Fall hatte landesweit für Aufsehen gesorgt und die Debatte über Polizeigewalt in Ägypten erneut angefacht. Zudem waren auch noch Tausende Ärzte auf die Straße gegangen, um gegen die Angriffe zweier Polizisten gegen zwei Mediziner zu demonstrieren. Die handgreiflichen Ordnungshüter wollten die Ärzte offenbar überzeugen, die belastenden Untersuchungsergebnisse in dem Fall zu revidieren.

Präsident unter Druck

Staatspräsident Abdel Fattah al-Sisi geriet durch die Proteste unter Druck. 2011 führten landesweite Demonstrationen gegen Polizeigewalt schließlich zum Sturz von Hosni Mubarak.

Zur Beschwichtigung der Bevölkerung hatte al-Sisi härtere Strafen in Fällen von Polizeigewalt gefordert. Und versprochen, innerhalb von 15 Tagen neue Gesetze zu erlassen.

Nun tragen die schärferen Vorschriften Früchte: Die Richter sahen es am Samstag als erwiesen an, dass der Beamte den Fahrer vor zwei Monaten in Kairo im Streit um den Fahrpreis erschoss. Nun ist der Polizist zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

bma/dpa

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