Ärger beim Oktoberfest Der bayerische Busenblitzer-Bann

Nicht jedes Foto von der Wiesn ist ein gutes Foto: "Ich will keine Titten", schäumt ein Oktoberfestsprecher und meint damit: Er mag keine Bilder von blanken Brüsten sehen, zumindest nicht aus seinem Zelt. Die Journalisten sind empört.
So präsentiert sich das Oktoberfest gerne: Verona Pooth bei einem Fassanstich 2006

So präsentiert sich das Oktoberfest gerne: Verona Pooth bei einem Fassanstich 2006

Foto: DDP

München - Am Samstag startet sie wieder: die Münchner Wiesn. Nach dem Willen der Veranstalter soll die diesjährige Ausgabe des größten Volksfestes der Welt aber schön züchtig daherkommen. Weder volltrunkene Touristen in Lederhosen noch barbusige Mädchen passen da ins Bild.

"Pressefotografen und Fernsehteams werden dieses Jahr massiv an der Ausübung ihres Berufes gehindert", kritisiert der Bayerische Journalisten-Verband (BJV). Dem Münchner Tourismusamt und einigen Festzeltbetreibern gehe es dabei darum, dass in den Medien "keine Fotos oder Filme von Betrunkenen oder von Besucherinnen, die ihre T-Shirts hochziehen", erschienen. Das Tourismusamt weist die Vorwürfe zurück.

Der Pressesprecher des staatlichen Hofbräuhauses, Stefan Hempl, macht die Akkreditierung von Fotografen für das Festzelt davon abhängig, dass nur Motive fotografiert werden, die ihm genehm sind. "Sie dürfen das machen, was ich zulasse", sagte Hempl.

Fotografen dürften im Zelt auch nur in seiner Begleitung unterwegs sein. Er begründete dies damit, dass er um das Image des Hofbräuzelts und der Brauerei besorgt sei. "Es gibt ein paar Dinge, die will ich nicht sehen", sagte Hempl. Falls ein Fotograf in seiner Begleitung Motive ablichten wolle, die er nicht in Ordnung finde, "dann werde ich wahrscheinlich die Hand vor die Kamera halten", sagte er.

"Ich will keine Titten"

Er betonte zugleich mehrfach, dass er gerne bereit sei, kooperativen Journalisten Motive und Blickwinkel im Zelt zu bieten, die außergewöhnlich seien. Allerdings gehörten Fotos von stark betrunkenen Personen, Schlägereien oder Nackten im Zelt nicht dazu.

"Ich will keine Nackten, ich will keine Titten. Dieses Recht steht mir zu", sagte Hempl und fügte hinzu: "Das ist meine Spielregel." Er fühle sich "verantwortlich für den Schutz der Persönlichkeitsrechte unserer Gäste", sagte Hempl. Diese Rechte nehme er stellvertretend wahr. Er habe das Hausrecht im Hofbräuzelt und könne insofern die Berichterstattung steuern.

Der BJV beklagt, auch andere Zeltbetreiber versuchten zunehmend, auf die Berichterstattung Einfluss zu nehmen. Zudem fordere das Münchner Tourismusamt TV-Teams auf, täglich eine Liste der geplanten Themen zusammen mit den Akkreditierungsunterlagen abzugeben. Danach entscheide das Amt über die Erteilung einer Drehgenehmigung. In mindestens einem Fall sei diese Genehmigung "ohne ersichtlichen Grund tatsächlich verweigert" worden, so der BJV.

Das Münchner Tourismusamt als Veranstalter des Oktoberfestes wehrt sich gegen die Vorwürfe. Auf der Wiesn gebe es keine Zensur, und Journalisten würden auch nicht in der Ausübung ihrer Arbeit gehindert. "Das Tourismusamt erteilt auf Wunsch jederzeit Fotogenehmigungen", hieß es in einer Stellungnahme.

Drehgenehmigungen seien bisher "unter Berücksichtigung der Oktoberfestverordnung und der im Grundgesetz verankerten Persönlichkeitsrechte ausnahmslos erteilt" worden. Foto- und Drehgenehmigungen in den Bierzelten unterlägen dem Hausrecht des jeweiligen Wirts.

tht/ddp/dpa
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