Extremsportlerin Tod im Ärmelkanal

Für einen guten Zweck wollte Susan Taylor vom britischen Dover ins französische Calais den Ärmelkanal durchschwimmen. Doch ihre Kräfte versagten, Helfer konnten die 34-Jährige nicht mehr retten.


Paris - Eigentlich ist es verboten, den Ärmelkanal zu durchqueren. Zu dicht ist der Schiffsverkehr, zu gefährlich das Wetter. Aber Susan Taylor wollte es trotzdem versuchen, um Spenden für wohltätige Zwecke zu sammeln. Mit einer Sondergenehmigung startete die Britin in Dover. Doch sie starb bei dem Versuch, durch den Ärmelkanal zu schwimmen, wie französische und britische Behörden bestätigten.

Taylor war demnach am Sonntag auf dem Weg nach Calais, begleitet wurde sie von ihrem Team in einem Beiboot. Als sie sich nordöstlich des Kap Gris-Nez in der Bucht von Wissant befand, forderte das Team bei den Rettungskräften einen Defibrillator an. Ein Hubschrauber der französischen Marine holte die Schwimmerin von Bord der zehn Meter langen "Pathfinder" und brachte sie ins Krankenhaus nach Boulogne-sur-Mer. Doch knapp zwei Stunden später stellten die Ärzte den Tod der Frau fest.

Taylor hatte sich für wohltätige Zwecke eingesetzt. Laut ihrer Spenden-Webseite sammelte sie knapp 12.000 Pfund (rund 13.500 Euro) für ein Kinder-Hospiz und 3000 Pfund für den britischen Diabetes-Verband.

Begeistert widmete sie sich dem Extremsport: "Nur einer von zehn Menschen, die für den Kanal trainieren, schafft es tatsächlich", schrieb sie auf ihrer Internetseite. Das Durchschwimmen des Ärmelkanals sei eine größere Herausforderung als die Besteigung des Mount Everest. "Weniger als 1000 Menschen haben das 21-Meilen-Schwimmen durch den Ärmelkanal geschafft, wohingegen mehr als 3000 auf den höchsten Berg der Welt stiegen."

Über die Todesursache wurde bislang nichts bekannt. Zum Zeitpunkt des Schwimmabbruchs gab es laut Behörden leichten Südwestwind und eine Wassertemperatur von 15 Grad Celsius.

Von französischer Seite aus ist das Durchschwimmen des Ärmelkanals verboten. In Großbritannien haben zwei britische Vereine jedoch die Erlaubnis, in der entgegengesetzten Richtung die Durchquerung zu organisieren. Bisher haben mehr als 600 Menschen die zwischen 30 und 40 Kilometer lange Strecke zurückgelegt.

Die britische Schwimmvereinigung Channel Swimming and Piloting Federation war laut eigenen Angaben nicht in Taylors Ärmelkanal-Durchquerung einbezogen. Der Vorsitzende der Organisation, Kevin Murphy, kannte allerdings die Schwimmerin von einem Trainingslager auf Mallorca im April. "Ich weiß nicht, wie ihre gesamten Erfahrungen als Schwimmerin waren, aber ich weiß, dass sie in Mallorca sechs Stunden lang in kaltem Wasser geschwommen ist", sagte er.

Murphy wies Vorwürfe zurück, dass das Durchqueren des Kanals als Schwimmer zu gefährlich ist. "Es ist ein extremer Sport", sagte er. Über Taylors Tod sei er "unglaublich traurig". Sie sei eine "wunderbare, nette Frau" gewesen, die bei allen beliebt gewesen sei.

aar/gam/dpa/AFP

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