Aeroflot-Unglück Notlandung eines Vorzeigemodells

Die SSJ 100 ist der Stolz der russischen Luftfahrt - doch immer wieder gab es Pannen und Zwischenfälle. Bei einer Notlandung auf dem Flughafen Scheremetjewo starben nun 41 Menschen. Wie kam es zu dem Unglück?


Wie groß die Angst an Bord gewesen sein muss, lassen Videos im Netz nur erahnen. Schreiende Menschen sind zu hören, Rettungswagen zu sehen. Dicker Rauch dringt aus der Maschine. Sie steht in Flammen. Man sah sie kurz vorher über das Rollfeld rasen, einen brennenden Schweif hinter sich.

Am Sonntag ist eine Passagiermaschine der russischen Fluglinie Aeroflot auf dem Flughafen Scheremetjewo in Moskau notgelandet. Mindestens 41 Menschen starben, laut Behörden sind zwei Kinder und ein Flugbegleiter darunter.

Flug SU1492 war von Moskau-Scheremetjewo mit Ziel Murmansk gestartet, kehrte aber um und setzte etwa 45 Minuten nach Start wieder auf. Wie der Flughafen mitteilte, waren 73 Passagiere und fünf Besatzungsmitglieder an Bord.

Das Feuer wurde nach Angaben des Flughafens und des Zivilschutzes schnell gelöscht. Zahlreiche Passagiere hätten das Flugzeug in weniger als einer Minute über Notrutschen verlassen, teilte Aeroflot mit.

Wie es zu dem Unfall kam, soll nun geklärt werden. Beide Flugschreiber seien im Wrack entdeckt worden, hieß es aus Sicherheitskreisen der Agentur Interfax zufolge. Man werde Überlebende, Augenzeugen und Flughafenmitarbeiter befragen, teilten die Ermittler mit. Bisher gibt es über die Ursache nur unklare Angaben und Spekulationen.

Die staatliche Fluggesellschaft Aeroflot sagte, ein Technikfehler habe den Piloten zum Umkehren gezwungen. Wie die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf eine nicht näher benannte Quelle berichtete, misslang der erste Versuch einer Notlandung. Als die Maschine mehrmals auf dem Rollfeld des Flughafens aufprallte, platzte nach ersten Erkenntnissen der Ermittler der Treibstofftank. Schnell breitete sich das Feuer aus.

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Notlandung in Scheremetjewo: Brennender Schweif

Die Piloten der Maschine gaben mindestens ein Signal, dass es technische Probleme gibt, wie Medien berichteten. Ersten Erkenntnissen zufolge brach der Funkkontakt später ab. Medien berichteten zudem von einem möglichen Motorschaden. Es gab aber auch Aussagen von Augenzeugen, nach denen das Flugzeug von einem Blitz getroffen worden sein soll.

Es soll sich laut Aeroflot um erfahrene Piloten handeln. Scheremetjewo gilt als der größte und sicherste Flughafen Russlands. Die nun verunglückte Maschine war 2017 in Betrieb genommen worden, im April war die letzte Inspektion, wie die Agentur Tass unter Berufung auf Luftfahrtkreise meldete.

Funkkontakt brach offenbar ab

Der Suchoi Superjet 100 ist die erste Neuentwicklung des russischen Flugzeugbaus nach dem Ende der Sowjetunion, der Kurzstreckenflieger ist seit 2011 zugelassen. Immer wieder gab es Berichte über Pannen und Zwischenfälle. Bei einem Probeflug des Superjets starben 2012 in Indonesien 45 Menschen. Doch ein vergleichbares Unglück in Russland hat es mit dem Flugzeugtyp bisher nicht gegeben.

Aeroflot hat zurzeit 50 Jets dieses Typs im Einsatz, erst im vergangenen Herbst kündigte sie den Kauf von weiteren 100 Maschinen an. Die Jets sollten trotz des Unfalls zunächst weiter im Einsatz bleiben, hieß es.

jpz/dpa/AFP/Reuters



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