Affäre Borer "SonntagsBlick"-Chef zieht Konsequenzen

Wochenlang hatten zwei eidgenössische Zeitungen über die angebliche Affäre zwischen Thomas Borer, dem Schweizer Botschafter in Berlin, und einem Berliner Nacktmodel berichtet. Nun hat die angebliche Geliebte ihre Behauptung zurückgezogen - und der Chefredakteur des "SonntagsBlick" nahm seinen Hut.


Borer: Lektion erteilen
AP

Borer: Lektion erteilen

Hamburg/Berlin/Bern - Fast schien die Affäre um den wegen einer angeblichen Liebelei geschassten Schweizer Botschafter Thomas Borer Schnee von gestern. Der Top-Diplomat hatte alles abgestritten und dennoch seinen Job verloren. Daraufhin kehrte er der Alpenrepublik den Rücken, zog mit seiner amerikanischen Gattin Shawne nach Potsdam, machte sich als Unternehmensberater selbstständig und tanzte weiterhin mit der Berliner Society auf den Partys der Hauptstadt.

Doch spätestens seit dem Wochenende geht die Geschichte weiter: Da hatte nämlich die vermeintliche Geliebte Djamile Rowe in einem Interview erklärt, sie ziehe ihre eidesstattliche Versicherung zurück. Gegenüber der "Bild am Sonntag" versichert Rowe, sie habe nie wie von ihr anfangs behauptet eine Affäre mit dem ehemaligen Botschafter gehabt.

"SonntagsBlick": "Enthüllungsberichte" auf Seite 1
AP

"SonntagsBlick": "Enthüllungsberichte" auf Seite 1

Am Donnerstag wurde bekannt, dass der Chefredakteur der Tageszeitung "SonntagsBlick", Mathias Nolte, zurückgetreten ist. Grund sei das belastete Vertrauensverhältnis zwischen ihm und der Konzernleitung des Ringier-Verlages, hieß es in einer am Donnerstag in Zürich verbreiteten Erklärung des Verlagshauses. Der 49-jährige Nolte wolle mit seinem Rücktritt weiteren Schaden vom Unternehmen abwenden und den Weg zu einem Neustart beim "SonntagsBlick" freimachen. Auch die Berliner Korrespondentin Alexandra Würzbach räumte am Donnerstag ihre Posten. Weitere personelle Folgen schloss der Verlag nicht aus.

Rowe: Gehirnwäsche für willenloses Werkzeug
DPA

Rowe: Gehirnwäsche für willenloses Werkzeug

Borer erklärte am Mittwochabend im Interview mit "Stern TV", seine Anwälte prüften derzeit, wie dem Verlag eine nachhaltige Lektion erteilt werden könne. Von Gerichten in Europa sei lediglich eine Verurteilung zu Summen zu erwarten, die der Verlag aus der Portokasse zahlen könne. Daher prüften er und seine Frau nun, in welcher Form sie ihre Rechte in den USA wahrnehmen können. Über Rowe sagte Borer, er sehe in ihr ein willenloses Werkzeug in den Händen des Ringier-Verlags, der sie einer Gehirnwäsche unterzogen habe, damit sie die angebliche Sexaffäre bestätige.

Weiter sagte er, seine damals schwangere Frau habe wegen der Affäre ihr Kind verloren. Bis heute habe Verleger Michael Ringier und dessen Unternehmen kein Wort des Bedauerns geäußert.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.