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Werbung Affen im Auto

Bizarrer Rechtsstreit in den USA: Ein Student verklagt die Firma Pepsi auf Herausgabe eines Jagdbombers.
aus DER SPIEGEL 36/1996

John Leonard, 21, saß im Oktober vergangenen Jahres über seiner Semesterarbeit, als er durch einen Werbespot im Fernsehen abgelenkt wurde: Dort verkündete der US-Getränkehersteller Pepsi den Start einer Sammelpunkte-Kampagne - markentreue Vieltrinker sollten für 80 Punkte ein T-Shirt bekommen, für 400 immerhin eine Jeansjacke.

Der Clou folgte am Ende des Spots: Ein 13jähriger Cola-Fan schwebte vor seiner High-School mit einem Senkrechtstarter vom Typ »Harrier« nieder, hüpfte aus dem Cockpit und marschierte an verblüfften Lehrern vorbei. Das Fluggerät, erfuhr der Zuschauer, sei für 7 000 000 Pepsi-Points zu haben, die Zahl flackerte dabei leuchtend grün auf dem Schirm.

Leonard, Betriebswirtschaftsstudent in Seattle, hätte 16,8 Millionen Dosen Pepsi konsumieren müssen, um bis zum Stichtag, dem 15. Oktober 1996, genug Punkte für den Jet zusammenzubringen - kaum zu schaffen. Doch glücklicherweise hatte Pepsi versprochen, treuen Trinkern, die im Besitz von mindestens 15 Punkten seien, die jeweils fehlenden Prämienpunkte für 10 Cent pro Stück zu verkaufen. Sieben Millionen Punkte, so errechnete Leonard, waren also für 700 000 Dollar zu haben - kein schlechtes Geschäft, schließlich betrug der Anschaffungspreis des Flugzeugs laut United States Marine Corps (USMC) etwa 33,8 Millionen Dollar.

Leonard engagierte den Anwalt Larry Schantz aus Miami und fand fünf Investoren, die ihm die benötigte Summe vorschossen. Zudem richtete er eine Seite im Internet (http://www.k-i-s.com/johnsjet) ein, auf der er sein Projekt detailliert erläuterte. Am 28. März dieses Jahres präsentierten Leonard und Schantz in New York 15 Pepsi-Points sowie einen Scheck über 700 008,50 Dollar für die ausstehenden 6 999 985 Punkte, einschließlich der Gebühr für »Porto und Verpackung«.

Die Pepsi-Leute schickten die beiden erst mal wieder weg. Später bekam Leonard Gutscheine für drei Kisten Cola und den Rat, »sein Mütchen zu kühlen«.

Es sei »eindeutig«, so Pepsi-Sprecher Brad Shaw, »daß das Harrier-Angebot nur ein Jux ist«. Pepsi-Werbeclips, in denen etwa Hunde sprechen und Affen Auto fahren, seien bekannt für ihren Humor.

Leonard hält dagegen, daß »in meinem Bekanntenkreis keiner das Angebot als Witz auffaßte«. In den USA gebe es zudem regelmäßig Preisausschreiben mit Gewinnen in zweistelliger Millionenhöhe - »und niemand hält das für Spaß«.

Mitte Juli beantragte Pepsi bei Gericht, die Ansprüche des Kunden als »frivol« zurückzuweisen. Leonard und Schantz schlugen zurück: Vor einem Gericht in Florida verklagten sie Pepsi nicht nur auf Herausgabe einer Hawker Siddeley AV-8B, Spitzname: »Harrier«, sondern auch gleich wegen Vertragsbruchs, Betrugs, arglistiger Täuschung, unfairer Handelspraktiken und Falschwerbung.

Ihren Werbespot haben die Pepsi-Leute vorsorglich korrigiert: Für den Harrier-Jet werden nun 700 Millionen Punkte statt 7 Millionen verlangt. Und die kanadische Pepsi-Tochter blendet mittlerweile den Schriftzug »Just kidding« ein - »nur ein Scherz«.

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