IT-Probleme Aida sagt Silvesterkreuzfahrten ab

An Bord eines Kreuzfahrtschiffes auf das neue Jahr anstoßen? Aida-Kunden, die Silvesterreisen zwischen den Kanaren gebucht hatten, werden enttäuscht: Wegen IT-Problemen sind sie abgesagt.
»Aida Perla« (Archiv): Silvesterfahrt abgesagt

»Aida Perla« (Archiv): Silvesterfahrt abgesagt

Foto: Morris MacMatzen/ Getty Images

Die »Aida Mar« schippert gerade auf ihrer ersten Kanaren-Reise dieser Saison, die »Aida Perla« ist schon seit drei Wochen von Gran Canaria aus unterwegs. Für die Rostocker Reederei Aida Cruises sind die Kanaren-Touren ein erneuter Versuch, den Betrieb nach der Corona-Zwangspause wieder zu starten. Beide Schiffe sollten am Samstag und Sonntag zu Silvesterreisen zu mehreren Kanaren-Inseln aufbrechen. Daraus wird nun nichts – Aida hat beide Fahrten abgesagt.

»Leider sind wir derzeit von IT-technischen Einschränkungen betroffen«, gab die Reederei am Freitag auf Facebook bekannt. »Daher sind wir für unsere Kunden telefonisch und per E-Mail aktuell nicht zu erreichen. Davon betroffen ist insbesondere auch die notwendige Kommunikation zu anreisenden Gästen« für die Silvesterfahrten. Die IT-Probleme machen sich sowohl in der Rostocker Konzernzentrale als auch auf deren Schiffen bemerkbar. Nähere Angaben macht Aida bisher nicht, zu erreichen ist das Unternehmen nicht.

Unter dem Facebook-Post berichten Passagiere von der Situation auf den Schiffen: »Wir sind auf der Aidamar, bekommen die Probleme mit. Das ganze System ist online basiert. Alle Shows sind abgesagt. Alles wird gerade offline geregelt. Ein Teil der Ausflüge kann nicht starten. Hier bemüht man sich, sich den Stress nicht anmerken zu lassen«, schreibt eine Userin.

Eine Mutter gibt wieder, was ihre Tochter auf der »Aida Mar« erlebt: »Technisch geht leider nichts zurzeit, wie in alten Zeiten, Papier und Bleistift müssen zeigen, was sie noch können.« Enttäuschung gibt es bei den Kunden: »Sehr, sehr traurig. Testergebnis vorliegen, negativ! Bordkarten ausgedruckt. Dann die Absage vor 15 Minuten beim Kofferpacken.«

Wie ein »Aida Mar«-Passagier der »Bild« berichtet , hätten die Probleme an Heiligabend begonnen. Der Kapitän habe per Lautsprecherdurchsage von massiven IT-Problemen in der Zentrale berichtet. Davon seien auch alle Aida-Schiffe betroffen. »Das Bordkartensystem funktioniert nicht mehr«, sagte der Kreuzfahrtgast der Zeitung. Es werde mit Zetteln gearbeitet, was sonst automatisch abgebucht würde, zum Beispiel, wenn man etwas kauft. Auch das bordinterne Informationssystem über den TV-Bildschirm in der Kabine funktioniere nicht mehr.

Wie der Kreuzfahrt-Blog Cruisetricks  berichtet, seien anscheinend sowohl die Internetverbindung als auch die Systeme zum Ein- und Auschecken der Passagiere zum Landgang sowie die Bestellsysteme für die Kellner in Restaurants und Bars vom Ausfall betroffen. Die beiden Schiffe setzten ihre Fahrten fort, die »Aida Mar« habe jedoch um einen Tag verkürzt und lässt einen geplanten Stopp auf Teneriffa aus.

Für die Kanaren gilt wieder Reisewarnung

Unter den Passagieren werde über einen Hackerangriff spekuliert, berichtet die »Bild«. Mitte Dezember war die norwegische Reederei Hurtigruten so einem umfassenden Datenangriff ausgesetzt. Dabei wurden mehrere Systeme des Unternehmens lahmgelegt, die gesamte globale IT-Infrastruktur war betroffen. Angegriffen wurden die Systeme nach Angaben von Hurtigruten mutmaßlich von einem Virus, mit dem Lösegeld gefordert wurde.

Aida hat im Grunde die gesamte Wintersaison 2020/21 abgesagt – allein auf den Kanaren führen die Rostocker noch Kreuzfahrten durch. Auch TUI Cruises ist mit zwei Schiffen dort unterwegs und bietet 7-, 14- und 21-tägige Fahrten an. Hapag-Lloyd Cruises hat zurzeit ihre »Europa 2« rund um die spanischen Inseln im Einsatz.

Für Spanien gilt eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts , doch für einige Wochen bildeten die Kanaren eine Ausnahme. Daher fokussierten sich die Reedereien mit ihren Programmen auf die spanischen Inseln. Seit dem 20. Dezember gelten sie allerdings wieder als Risikogebiet, die Kreuzfahrten – wie auch Pauschalreisen – wurden von den Veranstaltern aus diesem Grund nicht abgesagt.

abl