Air-Asia-Unglück Defekte Steuerung und überforderte Crew für Absturz verantwortlich

Vor knapp einem Jahr verunglückte Air-Asia-Flug 8501 auf dem Weg nach Singapur. Mehr als 160 Menschen starben. Der Untersuchungsbericht zeigt: Offenbar bekamen die Piloten nach technischen Problemen die Lage nicht mehr in den Griff.

Flugzeugwrack: Tödliche Fehler der Piloten
AFP

Flugzeugwrack: Tödliche Fehler der Piloten


Ein Computerproblem und Fehlentscheidungen der Piloten haben zum Unglück des Air-Asia-Fluges QZ8501 im vergangenen Dezember in Indonesien geführt. Das teilten die Ermittler der indonesischen Behörde für Transportsicherheit in einem Bericht mit.

Der Airbus A320 verunglückte am 28. Dezember vorigen Jahres auf dem Weg von der Stadt Surabaya nach Singapur. 162 Menschen kamen ums Leben, als das Flugzeug in die Javasee stürzte.

Ein Fehler in der Steuerung sei der Auslöser für den Absturz gewesen, teilten die Unfallermittler nun mit. Demnach war eine Lötstelle am Rudder Travel Limiter defekt, der die Ruderausschläge begrenzt. Die Piloten erhielten mehrere Warnmeldungen.

Der Kopilot saß am Steuer

Ihre Bemühungen, den Fehler zu beheben, seien aber erfolglos geblieben. Schließlich unterbrachen sie die Stromzufuhr, um das System zurückzusetzen. Dabei wurde auch der Autopilot ausgeschaltet. Im manuellen Flug kam es zu einem Strömungsabriss. Schließlich schafften es die Piloten nicht mehr, das Flugzeug zu steuern.

Der Fehler im Steuerungssystem trat laut Bericht allein vier Mal während des Unglücksfluges auf und 23 Mal im Jahr davor. Die Ermittlungen ergaben, dass zum Unglückszeitpunkt nicht der erfahrene indonesische Kapitän am Steuer saß, sondern der französische Kopilot.

Nach dem Unglück war die Ursache unklar. Der Pilot hatte um Erlaubnis gebeten, ein Gewitter zu umfliegen. Er setzte aber nie einen Notruf ab. Die Versuche, das Wrack in der rauen See zu bergen, wurden bereits im Januar eingestellt. Die Leichen von 56 Insassen wurden trotz einer großen Suchaktion nicht gefunden. Den Ermittlern zufolge spielte das schlechte Wetter bei dem Absturz keine Rolle.

Air-Asia-Chef Tony Fernandes schrieb auf Twitter, Air Asia, der Hersteller und die gesamte Luftfahrtindustrie könnten aus dem Unglück lernen. Es hinterlasse bei ihm "Narben für immer". Aber er bleibe dazu verpflichtet, Air Asia so gut wie möglich zu machen. "Das schulden wir den Familien und meiner Crew."


Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, der Autopilot sei defekt gewesen. Tatsächlich handelt es sich um ein Computersystem zur Steuerung der Ruder. Den Ermittlern zufolge unterbrachen die Piloten offenbar die Stromzufuhr, um das System neu zu starten. Dabei wurde auch der Autopilot abgeschaltet. Als die Piloten manuell flogen, konnten sie die Maschine nicht mehr kontrollieren.

sms/dpa/Reuters/AFP

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bunhuelo 01.12.2015
1. Faktiscch falsch
Der Autopilot war nicht defekt. Die Crew hat per CB (wie eine Art Sicherung) das durch eine gebrochene Lötstelle gestörte Ruderkontrollsystem neu gestartet. Dadurch schaltet sich der Autopilot aus (das ist auch so vorgesehen). Anschließend waren die Piloten offenbar zu schlecht ausgebildet, das Flugzeug manuell im kontrollierten Flug zu halten und haben einen unkontrollierbaren Flugzustand herbeigeführt. Quelle: Guardian/Unfallbericht
Luna-lucia 01.12.2015
2. starke Blitzentladungen
erzeugen auch extrem starke Magnetfelder. Diese werden nicht durch den faradayschen Käfig, den ja ein Flugzeugrumpf an sich schon ausbildet, abgeschirmt. Hier helfen auch die statischen Ableiter nichts. Kann es jetzt sein? dass derartige Magnetfelder im Inneren eines Flugzeuges die Bordelektronik - gesamt gesehen - wenigstens teilweise beeinflussen kann? Denn, bricht ein Magnetfeld zusammen, entsteht doch für extreme Kurzzeiten (nano ~ microsek.) eine elektrische Ladung. Weil ja Energie, hier die Energie des Magnetfeldes, nicht einfach "verschwinden", sondern sich nur umwandel kann. Hier eben in eine elektrische Spannung. Oki, diese wird ja über eine Zentralmasse wiederum auf "Null" gesetzt. Aber bis es soweit ist (nano., micro ~ mille. sek.) könn(t)en einige elektronische Bauteile Schaden nehmen.
jakmat 01.12.2015
3. Nach Singapur
Der Flug war von Surabaya NACH Singapur und Singapur liegt nicht in Indonesien
Leser161 01.12.2015
4. Sehr traurig
Hier hat also eine Ausfall des Computers für eine Tragödie gesorgt. Von gleichem Ausmaß wie bei dem selbstmörderischen Copiloten oder der verwirrten Buk-Crew in der Ukraine. Auch das sollte diskutiert werden. Technik ist schön und gut. Aber darf sie dazu führen das die Überwacher der Technik im Falle eines Ausfalls völlig aus der Übung sind und so den Absturz selbst verursachen? Was kann man tun um das zukünftig zu verhindern?
lobin 01.12.2015
5. Informationen?
Ein bisschen mehr Infos wären schon toll. So sagt der Artikel eigentlich gar nichts aus. Was hat die Crew gemacht und warum? Steht sicher im Untersuchungsbericht, aber nicht auf SPON
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