Vermisster Air-Asia-Flug QZ8501 Ölspuren, der letzte Funkkontakt und Parallelen zu MH370

Bei der Suche nach Flug QZ8501 wurden Ölspuren gesichtet - stammen sie von der vermissten Air-Asia-Maschine? Gibt es eine Chance auf Überlebende? Wie läuft die Suche ab? Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Von Rainer Leurs


Jakarta - Auch einen Tag, nachdem Flug QZ8501 von den Radarschirmen der Flugsicherung verschwand, gibt es keine Klarheit über das Schicksal der Maschine und ihrer 162 Insassen. Seit Mittag deutscher Zeit ist es dunkel in Indonesien - über Nacht wurde die Suche erneut unterbrochen.

Immerhin lieferte der Einsatz mehrerer Hubschrauber und Flugzeuge am Tage einen möglichen Anhaltspunkt. So soll die Besatzung eines Helikopters rund hundert Seemeilen von der Insel Belitung zwei Ölspuren entdeckt haben. Ob es sich um Flugbenzin handelt, müssen nun Experten klären.

Eine andere vermeintliche Spur entpuppte sich unterdessen als falsche Fährte. So hatten indonesische Behörden am Vormittag gemeldet, die Besatzung eines australischen Militärflugzeugs vom Typ Orion habe ein "verdächtiges Objekt" im Wasser gesichtet. Das Treibgut stammt laut Indonesiens Vizepräsident Jusuf Kalla allerdings nicht von dem vermissten Flugzeug der Indonesia Air Asia.

Bis die Suche am Dienstag wieder aufgenommen wird, bleibt es wohl bei der ehrlichen Aussage des Chefs der indonesischen Transportsicherheitsbehörde, Tatang Kurniadi: "Wir haben keinerlei Informationen über den Verbleib des Flugzeugs." Ohnehin zeigt die Erfahrung im Fall von Flug MH370, wie mühsam das Aufspüren von Trümmerteilen in einem großen Seegebiet ist.

Wie genau läuft die Suche nach Flug QZ8501 ab?
Im Einsatz sind Dutzende Flugzeuge, Schiffe und Hubschrauber aus Indonesien, Malaysia und Singapur. Ihr Augenmerk liegt auf dem Seegebiet zwischen Sumatra und Borneo. Die Region nordwestlich der Insel Belitung wurde dazu in sieben Quadranten eingeteilt. Am Dienstag soll das Einsatzgebiet ausgeweitet werden, wie die BBC meldet.

Bereits jetzt suche man auch an Land, sagte der Chef der Zivilluftfahrt-Behörde, Djoko Murjatmojo. "Wir können nicht ausschließen, dass die Maschine in Westkalimantan (auf Borneo) oder auf Bangka oder Belitung abgestürzt ist." Das Einsatzgebiet umfasst nahezu 13.000 Quadratkilometer, eine Fläche fast so groß wie Schleswig-Holstein. Nach Angaben der indonesischen Marine ist das Meer in dem Gebiet nur etwa 20 bis 30 Meter tief. Indonesiens Verkehrsminister Ignasius Jonan sprach von einer Wassertiefe von 50 bis 100 Metern.

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Gibt es eine Chance auf Überlebende?
Kaum. Sehr wahrscheinlich ist der Airbus A320 aus großer Höhe abgestürzt. Gegen eine theoretisch mögliche Notlandung oder Notwasserung sprechen das plötzliche Verschwinden von Radar-Echo und ADS-B-Signal auf dem Schirm der Flugsicherung, außerdem die Tatsache, dass es nie einen Notruf aus dem Cockpit gab.

"Wir gehen davon aus, dass die Maschine auf dem Meeresboden liegt", sagte der Chef der Such- und Rettungsbehörde, Bambang Sulistyo. Sollte das der Fall sein, wäre die Sichtung von Trümmern entscheidend. Erst dann könnte unter Wasser zielgerichtet nach der Blackbox und den restlichen Wrackteilen gesucht werden.

Was weiß man über die letzten Momente vor dem Kontaktabbruch?
Um 6.12 Uhr (Ortszeit) empfing die Flugsicherung in Jakarta den letzten Funkspruch der Crew: Der Pilot bat, wegen einer Gewitterfront nach links vom geplanten Kurs abweichen und auf eine Höhe von rund 10.360 Metern aufsteigen zu dürfen. Zuvor war der Airbus in knapp 9700 Metern Höhe unterwegs.

Einsatzkarte für die Suche nach Flug QZ8501 (im Marinehafen von Batam, Indonesien)
DPA

Einsatzkarte für die Suche nach Flug QZ8501 (im Marinehafen von Batam, Indonesien)

Laut "Aviation Herald", der sich auf Angaben der indonesischen Flugsicherung beruft, gaben die Lotsen nicht sofort eine Erlaubnis zum Aufsteigen. Als sie schließlich um 6.14 Uhr die Freigabe erteilten, kam per Funk keine Antwort mehr. Weitere vier Minuten später verschwand Flug QZ8501 vom Radarschirm.

Gibt es Parallelen zu Flug MH370?
Natürlich ist der Vergleich naheliegend: Auch bei der seit März spurlos verschwundenen Malaysia-Airlines-Maschine riss der Kontakt über einem Seegebiet in Südostasien ab, auch hier wurde lange ergebnislos nach Trümmerteilen gesucht. Nicht zuletzt besitzt der Betreiber von Flug QZ8501 eine starke Verbindung nach Malaysia: Die Billiglinie Air Asia, die 49 Prozent der Anteile an Indonesia Air Asia hält, hat ihren Hauptsitz in Kuala Lumpur.

Dennoch ist es unmöglich, eine Querverbindung herzustellen, ohne ins Spekulieren zu geraten. Schlicht zu wenig ist bislang über beide Fälle bekannt: Das Verschwinden von Flug MH370 bleibt bis heute ein Mysterium, und bei Flug QZ8501 stehen die Ermittler noch am Anfang ihrer Arbeit.

Meer, so weit das Auge reicht: Suche aus der Luft mit einer Lockheed C-130 der indonesischen Luftwaffe
AP

Meer, so weit das Auge reicht: Suche aus der Luft mit einer Lockheed C-130 der indonesischen Luftwaffe

Welche Rolle könnte das Unwetter in der Region gespielt haben?
Die Air-Asia-Maschine war in der sogenannten Intertropischen Konvergenzzone unterwegs, einem Tiefdruckgebiet in Äquatornähe, in dem oft schwere Unwetter und heftige Turbulenzen auftreten. Piloten versuchen üblicherweise, Gewitterwolken zu umfliegen - genau das hatte der Flugkapitän von QZ8501 offenbar vor.

Bereits seit Sonntag wird nun in Fliegerei-Foren über unbestätigte Radar-Daten diskutiert, nach denen der Airbus für seine große Flughöhe deutlich zu langsam geflogen sei. Die Folge wäre ein Strömungsabriss und damit ein Absacken der Maschine. Genau das passierte etwa beim Absturz von Air-France-Flug 447 im Sommer 2009 - damals verloren die Piloten wegen eines vereisten Geschwindigkeits-Sensors in Gewitternähe die Kontrolle über ihr Flugzeug.

Flug QZ8501 war in den letzten Minuten übrigens keineswegs allein in der Gegend. Über der Javasee herrscht gewöhnlich dichter Flugverkehr, laut "Aviation Herald" waren zuletzt sieben andere Maschinen in der Nähe. Zum Teil flogen sie noch niedriger als Flug QZ8501. Keine von ihnen geriet in Schwierigkeiten, und keine empfing einen Funkspruch des vermissten Flugzeugs.

mit Material von Reuters, AP, dpa

insgesamt 151 Beiträge
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Seite 1
Wildes Herz 29.12.2014
1. Wer sagt als erstes
Man kann nur hoffen, dass der Verbleib des Flugzeuges bald aufgeklärt wird. Ansonsten kann man sich schon lebhaft ausmalen, was für irre Theorien im Internet wieder ins Kraut schießen. Von MH370 kennen wir das ja schon: Da waren es (je nach persönlichem Feindbild) mal die Juden ("Rothschilds"), mal die Amis ("Diego Garcia"), mal irgendeine Firma die auf Patente scharf war ("Patentinhaber") oder die Ukrainer, die MH370 mal eben schnell umlackiert und in die Niederlande transportiert haben, nur um das Flugzeug dort mit halb verwesten Leichen vollzustopfen und dann über der Ostukraine abzuschießen ("MH17"). Himmel, bewahre uns vor einer Neuauflage dieses Irrsinns! Den Angehörigen alles gute und viel Kraft.
peter78 29.12.2014
2. Vermutlich hat ein 13 jähriger Bubi
das lustige Spiel "Flugzeuge versenken" auf dem PC seines Papa entdeckt. Das spielt er jetzt ab und zu, wenn Papa nicht zu Hause ist. Papa ist bei der NSA.
kirk,james-tiberius 29.12.2014
3. Verdacht
Ich habe da so ein Verdacht. Können Flugzeuge nach der modernsten Technik unserer Zeit gehackt werden? Ich glaube so langsam sollte man das in Betracht ziehen. Und vor allem passiert es immer dort in der Ecke. Aber stempelt mich jetzt nicht als Verschwörungstheoretiker ab. Danke
Malshandir 29.12.2014
4. Spekulationen
Naja, 2-3 Minuten fuer eine Antwort sind lange und da legt ein Flugzeug eine beachtliche Strecke zurueck. Normalerweise sollte Blitzschlag nicht alle Systeme ausser Gefecht setzen, aber die 4 Minuten sprechen fuer einen Absturz.
parabellum 29.12.2014
5. Wohl eher vergleichbar mit AF447...
...2009 bekam doch eine weitere Airbus Maschine technische Probleme in einem Unwetter am Aequator, worauf die Piloten falsch reagierten und einen Stroemungsabriss erzeugten.
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