Vermisstes Flugzeug Billig-Airline Air Asia galt bislang als sicher

Der in Indonesien vermisste Airbus stammt von Air Asia, einer Billig-Airline. Die Fluglinie galt bisher als sicher. Ihr Eigentümer ist der umtriebige Unternehmer Tony Fernandes.

Airbus A320-200 von Air Asia (Archiv): "Wildwest-Verhältnisse"
REUTERS

Airbus A320-200 von Air Asia (Archiv): "Wildwest-Verhältnisse"


Hamburg - Ein Absturz des in Indonesien vermissten A320 der Air Asia wäre die dritte Flugkatastrophe asiatischer Fluggesellschaften im Jahr 2014.

Erst im März war Flug MH370 von Malaysia Airlines auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking spurlos verschwunden, im Juli war Flug MH17 über dem umkämpften Osten der Ukraine abgeschossen worden.

Malaysia Airlines und die ebenfalls malaysische Fluggesellschaft Air Asia sind Konkurrenten. Sicherheitsprobleme wurden bei der Billig-Airline bislang nicht bekannt. "Air Asia besitzt eine sehr gute Sicherheitsbilanz", sagte der australische Flugsicherheitsexperte Desmond Ross, der selbst lange in Indonesien tätig war, SPIEGEL ONLINE. Das Verschwinden von Flug QZ8501 sei der erste ernsthaftere Zwischenfall überhaupt für die Fluggesellschaft.

"Indonesien hatte zu Beginn des Jahrtausends große Probleme mit der Flugsicherheit", sagte Ross. "Nach der Liberalisierung des Marktes herrschten dort Wildwest-Verhältnisse." Folge: In der EU landeten viele indonesische Fluglinien auf der schwarzen Liste und durften europäische Flughäfen nicht mehr anfliegen. "In den letzten Jahren hat sich allerdings sehr viel getan, die Sicherheitsstandards haben sich enorm verbessert."

Das in Indonesien vermisste Passagierflugzeug ist ein sechs Jahre alter Airbus A320-200. Einer Stellungnahme von Hersteller Airbus zufolge ist die vermisste Maschine erst im Oktober 2008 an Air Asia übergeben worden, also relativ neu.Die Maschine habe bisher etwa 23.000 Flugstunden bei rund 13.600 Flügen hinter sich, teilte der europäische Flugzeugbauer mit.

Eine der größten Billig-Airlines der Welt

Air Asia hat ihren Sitz in Kuala Lumpur. Die Fluglinie ist eine der größten Billig-Airlines der Welt: In ihrem Heimatmarkt besitzt sie nach eigenen Angaben fast 50 Prozent Marktanteil. Air Asia fliegt mit mehr als 150 Maschinen vor allem Ziele in Asien an.

Eine 49-prozentige Tochtergesellschaft ist die Indonesia Air Asia. Von dieser stammt auch die verschwundene Maschine.

Air Asia startete 1996 den Flugbetrieb. 2001 wurde die stark verschuldete Fluglinie von dem ehemaligen Warner-Music-Manager und Unternehmer Tony Fernandes für den symbolischen Preis von einem Ringgit gekauft - etwa 23 Cent. Bereits ein Jahr später konnte er mit der Fluglinie Gewinn erwirtschaften, mittlerweile gilt Air Asia als eines der profitabelsten Luftfahrtunternehmen der Region - auch dank niedriger Preise.

Airline-Besitzer Tony Fernandes

Das Forbes Magazine Asia schätzte das Fernandes' Vermögen 2011 auf 615 Millionen Euro. 2010 übernahm er den Lotus-Rennstall, aus dem zwei Jahre später der Rennstall Caterham F1 Team wurde. Das Team ist seit der Saison 2010 in der Formel 1 startberechtigt.

2011 bekam Fernandes von der Queen persönlich einen Orden überreicht und darf sich seitdem Commander of the British Empire nennen. 2014 verkaufte er nach vielen Niederlagen den Rennstall, bei seinem Fußballverein Queens Park Rangers läuft es derzeit auch nicht besonders.

Nach dem Verschwinden von Flug QZ8501 mit 162 Passagieren an Bord twitterte Fernandes: "Dies ist mein schlimmster Albtraum." Er flog nach Surabaya, um bei den Angehörigen der Insassen zu sein.

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Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, das vermisste Flugzeug werde von der Thai Air Asia betrieben. Tatsächlich gehört es zur Indonesia Air Asia. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

jkö/dpa



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