Air-France-Unglück Airbus will "Figaro" wegen Absturz-Bericht verklagen

Warum stürzte der Air-France-Airbus in den Atlantik? Laut einem Bericht der Zeitung "Le Figaro" war eindeutig ein fehlerhafter Geschwindigkeitsmesser die Ursache, Airbus wolle deswegen sofort alle A330 und A340 warten - doch der Hersteller kündigt eine Verleumdungsklage gegen das Blatt an.

Paris - "Panne der Geschwindigkeitsmesser zweifellos Ursache des fatalen Ablaufs" - so titelt die französische Zeitung "Le Figaro" am Donnerstag. Demnach habe das Versagen der Sonden zur Geschwindigkeitsmessung zum Absturz des Air-France-Airbus in den Atlantik geführt. Und weiter: "Airbus schließt nicht aus, seine Flotte von tausend A330 und A340 festzusetzen, um die Messgeräte auszutauschen."

Airbus kündigte daraufhin umgehend an, die Pariser Zeitung zu verklagen. "Wir werden rechtliche Schritte gegen die unverantwortliche Berichterstattung einleiten", sagte Airbus-Sprecher Stefan Schaffrath in Paris. Es gehe um "klare Rufschädigung", der Bericht sei "Blödsinn".

"Es ist völlig ungeklärt, was zu dem Absturz geführt hat. Die Daten erklären den Unfall nicht", so Schaffrath. Die sogenannten Pitot-Sonden zur Geschwindigkeitsmessung würden von zwei Herstellern in drei Standards angeboten. Beim derzeitigen Kenntnisstand könnten die Flugzeuge mit allen Standards beider Hersteller weiterfliegen. Auch die Europäische Flugsicherheitsbehörde EASA habe die Sicherheit der Langstreckenflugzeuge gerade bestätigt.

"Le Figaro": Pannen, Turbulenzen, Alarmmeldungen zuhauf

Der "Figaro" listete zudem eine Reihe von Zwischenfällen mit Air-France-Maschinen auf, bei denen es Probleme mit den Geschwindigkeitsmessern gegeben haben soll. Jedes Mal habe es gleichzeitig "schwere Turbulenzen", "einen Cocktail von etwas unzusammenhängenden Alarmmeldungen" und "schwere Pannen" in Systemen gegeben. Mehrfach sei es um Flüge zwischen zwei großen Wolkenformationen gegangen. Bei einem Flug von Tokio nach Paris habe der Pilot sogar einen Mayday-otruf abgesetzt. Die Besatzung vermutete, dass die Probleme auftraten, weil die röhrenförmigen Sonden zur Tempomessung verstopft gewesen sein könnten.

Bei dem Absturz des A330-200 der Air France waren am Pfingstmontag alle 228 Insassen ums Leben gekommen. Das Flugzeug war auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris in der Nacht in ein schweres Unwetter geraten. In den letzten Minuten sandte die Maschine automatisch 24 Fehlermeldungen zum Wartungszentrum. Darunter waren der Hinweis auf widersprüchliche Geschwindigkeitsangaben der drei Pitot-Sonden und die Abschaltung des Autopiloten. Bei einigen Meldungen ist nicht klar, ob sie Handlungen der Piloten, Ausfälle oder automatische Reaktionen der Geräte zeigen. Andere Meldungen etwa zu den Toiletten sind völlig irrelevant.

"Die Daten legen nicht nahe, dass es einen Totalverlust der Stromversorgung gegeben hat", sagte Schaffrath. Schließlich habe das Flugzeug Fehlermeldungen gesandt. "Auch der von einigen gemeldete Totalausfall der Instrumente im Cockpit ist nicht bestätigt." Es gebe noch viele Fragezeichen. "Wir haben noch nicht einmal die Flugschreiber gefunden. Wir wissen nicht, was vor und was nach der Anzeige "unzuverlässige Geschwindigkeit" geschah."

Die Flugschreiber zeichnen alle technischen Daten sowie die Gespräche der Piloten auf. Sie liegen vermutlich in mehreren Kilometern Tiefe auf dem Grund des Atlantiks. Das französische Atom-U-Boot "Emeraude" versucht seit Mittwoch in dem Absturzgebiet, die Flugschreiber zu orten. Die Erfolgschancen werden aber nicht als hoch eingeschätzt. Bisher wurden von den Bergungsmannschaften nur Dutzende Leichen und zahlreiche Trümmerteile aus dem Wasser gezogen.

Satellitenbilder sollen darauf hindeuten, dass das Flugzeug in einen extrem heftigen Sturm geraten war, bei dem die Temperatur unter minus 80 Grad fiel. Die Ermittler schließen auch einen Anschlag noch nicht völlig aus. Der französische Geheimdienst überprüfe zwei verdächtige Insassen des Flugzeuges, berichtete die Nachrichtenseite lexpress.fr am Mittwoch. Zwei Passagiere trügen Namen von Personen, die Verbindung zu islamistischen Terroristen hätten. Jetzt müsse geklärt werden, ob es sich um harmlose Namensvettern handele.

Hinterbliebene melden sich als Nebenkläger

Die ersten Angehörigen von Opfern der abgestürzten Maschine ziehen bereits vor Gericht: Eine Familie habe sich als Nebenklägerin bei dem zuständigen Untersuchungsrichter in Paris gemeldet, berichtete "Le Figaro". Die Angehörigen bekämen keine Antworten auf ihre Fragen, nicht einmal auf die einfachsten, zitierte das Blatt Anwältin Sophie Bottai. Sie müssten feststellen, dass die Informationen offensichtlich gefiltert werden.

Zudem frage man sich, warum zwischen dem Verschwinden des Airbus A330 und dem Auslösen eines Alarms so viel Zeit lag. "Es sind mehr als vier Stunden vergangen, ohne dass sich jemand Sorgen gemacht hat", kritisierte die Anwältin nach Angaben der Zeitung.

Zwei Flugzeuge des Herstellers Airbus hatten am Donnerstag massive Probleme, so dass sie zur Notlandung gezwungen wurden: Ein A330 von Jetstar Airways musste nach einem Feuer im Cockpit auf der Pazifikinsel Guam einen Zwangsstopp einlegen. In Sibirien traf es nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Ria-Nowosti einen A320 von Aeroflot. Bei dem Flugzeug stellte die Besatzung nach dem Start von Irkutsk Richtung Moskau einen Riss in der Windschutzscheibe des Cockpits fest. Daraufhin entschied sie sich für die Notlandung in Nowosibirsk. Die 122 Insassen blieben unverletzt.

Protokoll: Die letzten Signale des Unglücks-Airbus

jjc/dpa/AFP
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