Air-Asia-Absturz "Keine Beweise für Explosion an Bord"

Die Blackboxes des Air-Asia-Unglücksflugs QZ8501 konnten erfolgreich geborgen werden. Jetzt vermutet ein Experte, an Bord könne es eine Explosion gegeben haben. Die indonesischen Behörden dementieren.


Jakarta - Bislang gingen viele Ermittler davon aus, dass der Airbus 320-200 der Billigfluglinie Air Asia in die Javasee stürzte, weil das Wetter zu diesem Zeitpunkt sehr schlecht war.

Lange wurde nach den Blackboxes gesucht, um Aufschluss über die Absturzursache zu erhalten. Jetzt wurden die Bergungsexperten fündig: Am Montagmorgen wurde laut Einsatzleiter Bambang Soelistyo in 32 Metern Tiefe der Flugdatenschreiber geborgen. Der Stimmenrekorder liegt nur etwa 20 Meter davon entfernt - ist aber unter einer Tragfläche eingeklemmt.

Der Flugdatenschreiber dokumentiert wichtige Daten wie etwa Höhe, Geschwindigkeit und Kurs der Maschine, der Stimmenrekorder zeichnet alle Gespräche, Funkgespräche und sonstigen Geräusche im Cockpit auf. Beide Blackboxes sind im Flugzeugheck untergebracht und so konzipiert, dass Meerwasser ihnen nichts anhaben kann. Sie lassen sich noch wochenlang mit Hilfe von besonderen Signalen orten.

Der Flugschreiber sei allem Anschein nach in gutem Zustand, sagte der Chef der Behörde für Transportsicherheit, Tatang Kurniadi. Er soll jetzt zur Analyse nach Jakarta gebracht werden, der Stimmenrekorder so schnell wie möglich freigelegt werden. Dazu solle die Tragfläche möglicherweise mit Hilfe riesiger Ballons angehoben werden, sagte ein Sprecher des Bergungsteams.

Eine Analyse der Daten wird zwei bis vier Wochen in Anspruch nehmen. Doch zeitgleich mit dem Fund gab es eine neue Hypothese zum Unfallhergang: Der Operationsleiter der indonesischen Such- und Rettungsbehörde erklärte, der Airbus der Air Asia sei mit hoher Wahrscheinlichkeit explodiert. S. B. Supriyadi berief sich auf die Untersuchung der bisher gefundenen Wrackteile. Demnach soll der Airbus beim Aufschlag auf der Meeresoberfläche auseinandergebrochen sein. Es sei keine Zeit mehr geblieben, den Kabinendruck auszugleichen, so dass die Maschine unter dem Druck regelrecht explodiert sei. "Diese Explosion war in der Region zu hören", fügte der Experte hinzu.

"Es gibt keine Daten, die eine solche Theorie stützen", konterte Santoso Sayogo, ein Ermittler beim Nationalen Komitee für Verkehrssicherheit. Es gilt also, sich auf Fakten zu verlassen und etwas in Geduld zu üben: "Es wird zwei, drei Tage dauern, die Daten herunterzuladen. Aber sie auszuwerten dauert länger", sagte der Chef der Behörde für Transportsicherheit, Tatang Kurniadi.

Der Airbus A320-200 war am 28. Dezember mit 162 Insassen auf dem Weg von Indonesiens zweitgrößter Stadt Surabaya nach Singapur abgestürzt. Niemand überlebte. 48 Leichen wurden bislang geborgen. Starker Wind und hoher Seegang haben die Suche nach weiteren Opfern und Wrackteilen verzögert.

Experten vermuten, dass sich die meisten Opfer noch in der Passagierkabine befinden, doch wurde diese noch nicht gefunden, wie Militärchef Moeldoko Journalisten an Bord des Marineschiffs "KRI Banda Aceh" sagte.

ala/AFP/Reuters/dpa

insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
motocycliste 12.01.2015
1. Kabinendruck
Der Kabinendruck wird bei kommerziellen Flügen im Verlauf des Fluges auf eine 3000 m Höhe entsprechende Stufe herabgesenkt. Wenn keine Zeit zum Anpassen des Drucks gegeben war, wie vom sog. Experten vermutet, würde keine Explosion entstehen, da der Innendruck geringer ist als der atmosphärische Druck auf Meereshöhe. Dieser sog. Experte redet also Unsinn!
panzertom 12.01.2015
2. Es passiert gar nichts
Da der Kabinendruck in Meereshöhe geringer ist als der äußere Luftdruck, tritt eher das Gegenteil einer Explosion ein: Der Rumpf wird (theoretisch) zusammengedrückt. In der Praxis hält der Rumpf solch geringen Druckunterschieden stand. Es passiert also gar nichts!
MyQ 12.01.2015
3. mh...
Das die Truemmer bei 30m Wassertiefe soweit auseinanderliegen (Heck gefunden, Kabine nicht) spricht doch eher dafuer, dass das Flugzeug bereits vor dem Aufprall auseinandergebrochen ist. Oder sehe ich das falsch?
querulant_99 12.01.2015
4.
Zitat von MyQDas die Truemmer bei 30m Wassertiefe soweit auseinanderliegen (Heck gefunden, Kabine nicht) spricht doch eher dafuer, dass das Flugzeug bereits vor dem Aufprall auseinandergebrochen ist. Oder sehe ich das falsch?
Die Informationspolitik ist wirklich eine Katastrophe: Man hat die Kabine zwar noch nicht gefunden, aber man weiß angeblich schon, dass sie explodiert ist. Dann ist der Stimmenrekorder unter einer Tragfläche eingeklemmt, aber die liegt einfach so in der Gegend herum, und weit und breit ist nichts zu sehen vom Rumpf, wo sie mal dran hing...
akita 13.01.2015
5. negative pressure relief valve
Die Rumpfhülle ist nur auf positive Druckdifferenz ausgelegt (d.h. Innendruck immer höher als Außendruck, aber max 0,6 Bar). Um das sicherzustellen, verfügen Passagierjets über 2 Sicherheitsventile, ganz einfache Mechanik (zumindest bei Boeings...) Das eine öffnet schon bei sehr geringem Unterdruck in der Kabine (unter -0,1 Bar); das andere gleicht aus, wenn der Innendruck 0,7 Bar übersteigt. Auf deutsch: einen Überdruck wird es kaum gegeben haben, da die aircondition bei einem rapiden Höhenverlust gar nicht gegen den rasch zunehmenden Außendruck ankommt. Würde falls doch vom Überdruckventil abgelassen. Und beim eher zu erwartenden Unterdruck öffnet das dafür vorgesehene 2. Ventil. Man kann nur hoffen, dass die teils seltsamen und widersprüchlichen Verlautbarungen der Offiziellen nur Wichtigtuerei sind und im Hintergrund bei der Untersuchung sauberer gearbeitet wird. Was die Fundorte angeht: Bei einem unkontrollierten Absturz können die aerodynamischen Kräfte ausreichen, um ein Flugzeug in der Luft abmontieren zu lassen. Ganz ohne Explosion. Schon mehrfach passiert. Dazu kommen die starken Strömungen, die leichtere Teile wohl auch weiter vom Aufprallort wegtragen können als die kompakten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.