Flug QZ8501 Unterwasserfotos zeigen Heck der abgestürzten Air-Asia-Maschine

Bergungsexperten ist es gelungen, bei rauer See und schlechter Sicht das Heck des abgestürzten Air-Asia-Flugs QZ8501 zu lokalisieren. Unterwasserfotos zeigen Teile der Trümmer, auch die Blackbox könnte sich dort befinden.

AFP/ Basarnas

Jakarta - Ein unbemanntes ferngesteuertes Unterwasserfahrzeug hat vor Indonesien das Heck des abgestürzten Airbus A320-200 der Air Asia geortet. "Ich kann bestätigen, dass es sich um einen Teil des Hecks handelt, mit dem Air-Asia-Zeichen darauf", sagte der Einsatzleiter Fransiskus Bambang Soelistyo auf einer Presskonferenz.

Dies könnte entscheidend sein für die Klärung der Unfallursache, denn: In der Regel befinden sich Flugdatenschreiber und der Stimmenrekorder im hinteren Teil des Flugzeugs. Ob die Blackbox bereits gefunden wurde, ist allerdings noch unklar. "Die Geräte müssen noch lokalisiert werden", so Soelistyo weiter.

Mit Ortungsgeräten ausgestattete Spezialschiffe hatten zunächst keine Ultraschallsignale aufgefangen, wie sie Blackboxes mindestens 30 Tage lang nach einem Unfall aussenden. "Es kann sein, dass die Boxes im Schlamm versunken sind", sagte Suryadi Supriyadi von der Such- und Rettungsbehörde, die den Einsatz vom Küstenort Pangkalan Bun auf Borneo aus leitet.

Die Air-Asia-Maschine war am 28. Dezember mit 162 Insassen auf dem Weg von Indonesiens zweitgrößter Stadt Surabaya nach Singapur abgestürzt. Es gab keine Überlebenden, bisher wurden 40 Leichen geborgen. Starker Wind und Seegang hatten die Suche der Taucher nach weiteren Opfern und Wrackteilen verzögert.

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Air-Asia-Wrack: Heck-Trümmer gefunden
Trotz des hohen Wellengangs und sehr trüben Wassers gelang es dennoch, die Flugzeugteile etwa neun Kilometer von dem Ort entfernt zu lokalisieren, wo der Funkkontakt mit dem Cockpit abgebrochen war. Den Bergungsleuten gelang es, ein Foto von den Trümmern zu machen. Eine der Aufnahmen zeigt den Buchstaben "A" auf einem Stück Metall.

Im Vorfeld waren kleinere Teile des Flugzeugs an der Wasseroberfläche nahe der Absturzstelle rund 180 Kilometer südwestlich von Borneo gefunden worden - darunter Sitze und eine Notausgangstür. Auf dem Meeresboden hatten die Experten sechs größere Objekte per Sonar aufgestöbert.

Die Suche nach den Opfern wird jetzt weiter vorangetrieben. Zehn Tage nach dem Unglück sind die Bergungsexperten vor Ort unter Zeitdruck: "Nach zwei Wochen werden die meisten Leichen absinken", sagte Anton Castilani, der auf Seiten der indonesischen Behörden zuständig ist für die Identifizierung der Opfer. Die Experten hoffen, viele der noch vermissten 120 Leichen im Flugzeugrumpf finden zu können.

Als eine der möglichen Absturzursachen wird schlechtes Wetter gehandelt. Kurz bevor der Kontakt abbrach, hatte der Pilot dichte Wolkenbildung vermeldet. Ihm wurde aber wegen regen Flugverkehrs in der Region die Erlaubnis, höher aufzusteigen, verweigert. Kurz danach verschwand Flug QZ8501 vom Radar. Es wurde kein Notruf abgesetzt.

Die Javasee ist in weiten Teilen weniger als 50 Meter tief. Das macht die Bergung mit Spezialgeräten einfacher als etwa bei der 2009 in den Atlantik gestürzten Air-France-Maschine, die in 4000 Metern Tiefe auf dem Meeresboden lag. In der Javasee liegen allerdings zahlreiche Schiffswracks - Überreste eines japanischen Angriffs auf alliierte Schiffe während des Zweiten Weltkriegs.

ala/dpa/Reuters/AP

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colinchapman 07.01.2015
1. hoffentlich hören bald die Verschwörungstheorien auf
Es fing ja schon wieder an wie bei MH370 - die Amerikaner hätten das Flugzeug abgeschossen, Airbus habe den Jet versenkt, um Konstruktionsschwächen zu vermeiden, es seien für die malysische Regierung unliebsame Personen an Bord gewesen, es fehlte nur noch die Entführung durch Aliens, dann wäre die Liste deckungsgleich mit der von MH370 gewesen. Wenn man dann den Flugschreiber findet und auswertet (sieh AF447), hören die Verschwörungstheoretiker zum Glück schlagartig auf.
kral1 07.01.2015
2. Funkt die Blackbox nicht?
Gibt es irgendwelche Angaben über empfabgene Funksignale der Blackbox oder funkt diese überhaupt nicht? Eine Blackbox ortet man nach diesem Sygnal doch darüber habe ich bei SPON bishet nichts gelesen.
s342 07.01.2015
3. Automatischer Notruf
Der Notruf sollte in Zukunft von der Maschine automatisch abgesetzt werden. Ich bin kein Flugexperte, dennoch gibt es sicherlich eine Berechnungsgrundlage, die eine Aussage über die maximal erlaubte Dauer eines Strömungsabrisses macht. Wird diese maximale Dauer überschritten, wird automatisch ein Notrufsignal abgesetzt. Sollte die Besatzung dann auf Nachfrage von Bodenpersonal keine Antwort senden, so kann man von einem Notfall ausgehen.
rolf.piper 07.01.2015
4. Journalismus = Kunst des Weglassens
Mehr als 70 Mitarbeiter des russischen Katastrophenschutzes waren am Freitag mit zwei Flugzeugen in Jakarta eingetroffen. Sie brachten unter anderem ein ferngesteuertes Tauchboot des Typs Falkon mit, das in Tiefen von bis zu 1000 Metern eingesetzt werden kann.
contrail08 07.01.2015
5. Oh, Ihr Experten
Der automatische Notruf fehlt doch gar nicht. Der Radarlotse wusste schon um 6:17 Uhr, dass die Maschine verunglückt ist, auch wenn die ADS-B-Daten bis 6:18 gesendet wurden. Man kann es drehen und wenden wie man will und jedes Stück des Flugzeugs auch noch mit einen Sender ausrüsten: Eine Katastrophe über offener See ist leider so wie es sich darstellt. Den Datenstrom aber anstatt in die Black-Boxen zum Boden zu funken ist aufwändig, das sind mehrere Hundert Messwerte und das zig mal pro Sekunde. Über den Ozeanen benötigte man dafür Bandbreite auf den Satellitenkanälen - und die gibt es schlicht nicht. Punkt. Übrigens ist ein Strömungsabriss praktisch niemals eine Unfallursache.
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