Airbus-Absturz Russland stoppt alle Flüge nach Ägypten

Wladimir Putin hat einen Flugstopp nach Ägypten angeordnet. Sein Geheimdienstchef hatte den Schritt empfohlen. Betroffen sind 45.000 russische Touristen.

Russische Touristen in Scharm al-Scheich: Russland setzt alle Flüge aus
AFP

Russische Touristen in Scharm al-Scheich: Russland setzt alle Flüge aus


Russlands Präsident Wladimir Putin hat die Aussetzung aller Flüge von Russland nach Ägypten angeordnet. Das teilte der Kreml mit. Zuvor hatte der Inlandsgeheimdienst FSB die Suspendierung aller Ägypten-Flüge empfohlen, bis die Ursache für den Absturz der Passagiermaschine auf dem Sinai mit 224 Toten am vergangenen Samstag geklärt sei.

Er halte es für "notwendig, die Flüge russischer Gesellschaften nach Ägypten auszusetzen, bis wir die wahren Gründe für die Geschehnisse herausgefunden haben", sagte FSB-Chef Alexander Bortnikow am Freitag laut Fernsehberichten.

Gleichzeitig forderte Putin seine Behörden auf, russische Touristen schnellstmöglich aus Ägypten zurückzubringen. Der russische Tourismusminister sagte der Nachrichtenagentur Reuters, es machten derzeit 45.000 Russen dort Urlaub.

Tausende Touristen sind derzeit am Flughafen in Scharm al-Scheich gestrandet. Die Briten haben bereits seit Mittwoch einen Flugstopp verhängt und wollen ihre Bürger ausfliegen. Allerdings lassen die ägyptischen Behörden die Maschinen der Fluggesellschaft Easyjet derzeit aus Kapazitätsgründen nur bedingt landen.

Voraussichtlich werden am Freitag nur acht von 29 Flugzeugen verschiedener Airlines von Scharm al-Scheich nach Großbritannien abheben dürfen. Am Nachmittag ist eine Maschine von Thomas Cook, die auf dem Weg von Manchester nach Ägypten war, in Albanien umgekehrt; zwei Thomson-Flugzeuge änderten ihren Kurs auf Zypern.

Ein Reporter der Nachrichtenagentur Reuters berichtet, dass die ägyptische Regierung Spezialkräfte zum Flughafen geschickt hat, angeblich um die Sicherheit der Touristen zu gewährleisten.

Sechs Tage nach dem Absturz über der Sinai-Halbinsel verdichten sich die Anzeichen darauf, dass der Airbus wegen einer Bombe abstürzte. Die britische Regierung und auch die USA halten ein Attentat für wahrscheinlich.

Putins Kreml-Sprecher betonte jedoch, die nun ergriffene Maßnahme sei keine Bestätigung dafür, dass Russland ebenfalls von einem terroristischen Anschlag ausgehe.

Die Geheimdienste Großbritanniens und der USA vermuten, dass eine an Bord geschmuggelte Bombe den Absturz verursachte. Ein Passagier oder ein Flughafenmitarbeiter habe einen Sprengsatz in der Maschine deponiert, berichtete die britische Zeitung "The Times" unter Berufung auf abgefangene Gespräche zwischen Dschihadisten des Islamischen Staats (IS).

Airbus-Absturz in Ägypten

gam/Reuters/AFP

insgesamt 73 Beiträge
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Seite 1
mfeldtn 06.11.2015
1. Herzlich Willkommen....
... im Club der geo-militärisch aktiven Mächte.
xtdrive 06.11.2015
2.
Kann man zukünftig noch sorgenfrei in ein islamisch geprägtes Land fliegen, oder muss man jetzt Angst haben, das die Flughafen-Mitarbeiter noch ein kleines Geschenk im Frachtraum einladen? Die Frage stelle ich mir jetzt ernsthaft. Bin Montag noch ab Hurghada geflogen, schon mit einem mulmigen Gefühl.
Donald Knapp 06.11.2015
3. Ganz sicher würde ich das nicht tun......
Zitat von xtdriveKann man zukünftig noch sorgenfrei in ein islamisch geprägtes Land fliegen, oder muss man jetzt Angst haben, das die Flughafen-Mitarbeiter noch ein kleines Geschenk im Frachtraum einladen? Die Frage stelle ich mir jetzt ernsthaft. Bin Montag noch ab Hurghada geflogen, schon mit einem mulmigen Gefühl.
....aber nicht nur deshalb. Auch wenn das für die meisten Reisenden natürlich der wichtigste Grund sein dürfte: Seines Lebens nicht mehr sicher zu sein. Aber ich denke es gibt genügend andere Gründe es nicht zu tun. Man landet eh meistens nur in irgendeinem abschirmten Tourismusressort. Das könnte irgendwo auf der Welt sein. Sicher gibt es gemäßigte islamische Staaten die man sicher bereisen könnte aber es gibt auch ne Menge andere Abenteuer.
g.s.hess 06.11.2015
4.
Ach jetzt wo es die ersten Toten russen gibt sind die Töne aus Russland nicht mehr so laut.
diskretes Kontinuum 06.11.2015
5.
Ich halte es jedenfalls für moralisch verwerflich, Urlaub in einem Land zu machen, in dessen Haupstadt friedliche Demonstranten von den Schergen des Regimes gezielt mit Kopfschüssen ermordet werden, sogar in Fällen von offensichtlich Unbewaffneten, die anderen Verletzten zu Hilfe kommen. Sisi ist ein Faschist – nein, schlimmer.
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